
2018: Österreich gedenkt der Republiksgründung vor 100 Jahren
2018 wird in Österreich als "Erinnerungs- und Gedenkjahr" begangen. Der Fokus zahlreicher Veranstaltungen wird auf die Gründung der Republik nach Ende des Ersten Weltkriegs am 12. November 1918 sowie auf den Untergang Österreichs durch den "Anschluss" am 11./12. März 1938 an Hitler-Deutschland gerichtet sein. Das hat , Stephan Neuhäuser von der im Bundeskanzleramt angesiedelten Geschäftsstelle für das Gedenkjahr im Interview mit Kathpress dargelegt. Die Gesamtkoordination des Projekts, das von einem wissenschaftlichen Beirat begleitet wird, liegt bei Bundespräsident a.D. Heinz Fischer. Die Wichtigkeit des Gedenkjahres hat zuletzt auch die neue ÖVP-FPÖ-Regierung betont und zahlreiche Initiativen angekündigt.
So ist dem Thema im Regierungsprogramm ein eigener Abschnitt gewidmet, laut dem darauf abgezielt werde, das Gedenkjahr "als gemeinsames Projekt für das ganze Land" zu etablieren. Die Regierung spricht sich für ein "würdiges, inhaltlich breit aufgestelltes Gedenken" zum 100. Jahrestag der Gründung der Republik aus. Dabei "soll sowohl die Geschichte von Altösterreichern (z.B. Südtirol) und Vertriebenen" miteinbezogen werden "als auch die guten Beziehungen zu unseren Nachbarn", heißt es im Regierungsprogramm. Dies sei im Blick auf die bisherigen Vorbereitungen "ein neuer Akzent", sagte Neuhäuser gegenüber Kathpress.
Neben der Republiksgründung soll der Anschluss im März 1938 im Zentrum des staatlichen Gedenkens stehen. Dazu heißt es wörtlich im Regierungsprogramm: "Auch diesem Ereignis, das mit viel Leid verbunden war und einen wesentlichen Schritt hin zu einer der größten Tragödien in der Weltgeschichte bedeutete, muss in einem würdigen und respektvollen Rahmen gedacht werden. Österreich bekennt sich zu seiner Mitschuld und Verantwortung. Wir wollen vor allem jener gedenken, denen infolgedessen furchtbares Leid und Unheil widerfuhr, und ein klares Zeichen gegen jegliche Form des Antisemitismus setzen."
Zahlreiche Veranstaltungen
Das offizielle Österreich wird im Rahmen mehrere Veranstaltungen der Jahre 1918 und 1938 gedenken. So wird Bundespräsident Alexander Van der Bellen zu einer Gedenkveranstaltung am 12. März 2018 Repräsentanten aus Staat, Politik und Gesellschaft einschließlich der Kirchen und Religionen einladen. Ebenfalls im Blick auf die Ereignisse der NS-Zeit im Jahr 1938 steht ein interreligiöses Gedenken an die Pogromnacht, das am 10. November 2018 stattfindet und vom psychosozialen Zentrum "ESRA" maßgeblich gestaltet wird.
Am 11. November 2018 wird nach mehrjährigem Vorlauf das "Haus der Geschichte Österreich" feierlich eröffnet. Es wird im Verbund mit der Österreichischen Nationalbibliothek in der Neuen Burg (Hofburg) eingerichtet und eine zeitgeschichtliche Lücke in der österreichischen Museums- und Wissenschaftslandschaft schließen. Höhepunkt des Erinnerungsjahres ist der Staatsakt am 12. November, mit dem das offizielle Österreich der Errichtung der Republik vor genau hundert Jahren gedenken wird.
Daneben finden österreichweit zahlreiche Veranstaltungen zu den verschiedenen Themen und Anlässen des Gedenkjahres statt. Die Geschäftsstelle für das Gedenkjahr hat dazu unter www.oesterreich100.at eine Online-Plattform bereitgestellt, wo Veranstaltungen direkt gemeldet werden können. Der dortige Online-Kalender zählt bereits jetzt über 230 Veranstaltungen für 2018, wie Neuhäuser seitens der Geschäftsstelle ausführte.
Der wissenschaftliche Auftakt zum Gedenkjahr erfolgt demnach am 11. Jänner mit der ersten "Wiener Vorlesung" des neuen Jahres. Hauptreferenten zum Thema "Demokratie in Österreich" sind der frühere Bundespräsident Fischer sowie der polnische Zeithistoriker Jan M. Piskorski.
Daneben gibt es laut Neuhäuser etliche "Leuchtturmprojekte", die bereits in Umsetzung seien. Dazu zählt ein Forschungsprojekt mit dem Titel "Die Republik und die Entwicklung der Menschenrechte". Betreut wird es vom Verfassungsrichter Prof. Christoph Grabenwarter und dem Historiker Prof. Oliver Rathkolb - beide gehören dem wissenschaftlichen Beirat des Gedenkjahres an. Mit dem "Musikland Österreich" und "klingenden Beispielen für das Emotionsmangement politischer Bewegungen und für die Popularisierung von Identitätskonstruktionen" setzt sich ein Projekt von Prof. Cornelia Szabo-Knotik auseinander.
Geplant sind im Blick auf das Gedenken rund um 1938 eine Multimedia-Plattform mit Erfahrungsberichten von Zeitzeugen der nationalsozialistischen Verfolgung sowie eine "Zeituhr", die mit "mehrdimensionalen 24 Stunden-Filmen" die Ereignisse rund um den Anschluss und den Novemberpogrom zum Inhalt hat. Das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands entwickelt ein Online-Tool mit Informationen zu den Opfern der NS-Diktatur. Und das Projekt "OT" beabsichtigt mittels Lichtinstallationen auf die beim Novemberpogrom zerstörten jüdischen Gotteshäuser aufmerksam zu machen.
Quelle: Kathpress