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Olympiakaplan zieht positives Fazit aus Pyeongchang

P. Johannes Paul Chavanne: Seelsorgliches Angebot wurde sehr gut angenommen, auch Olympia-Gottesdienste gut besucht - Sportler ein "Vorbild in Sachen Opferbereitschaft"

25.02.2018

Ein durchwegs positives Resümee hat der Seelsorger des österreichischen Olympiateams, P. Johannes Paul Chavanne, zu den am Sonntag beendeten Spielen im südkoreanischen Pyeongchang gezogen. "Als Olympiakaplan erlebt man die Hochs und Tiefs des eigenen Teams hautnah mit", so der Heiligenkreuzer Zisterzienser im Telefonat mit "Kathpress". Von den sportlichen Erfolgen gab es in Pyeongchang aus heimischer Sicht viele, waren die Spiele in Südkorea mit 14 Medaillen (darunter 5 Gold) doch die drittbesten Spiele Österreichs nach Turin und Albertville. Bei etlichen Rennen und Medaillenfeiern - vor allem in Alpinbewerben - war der Heiligenkreuzer Zisterzienserpater selbst dabei, fieberte mit und gratulierte den Athleten.

 

Doch auch für seine priesterliche Tätigkeit habe er viel Dank und positive Resonanz bekommen, gab der Ordensmann an, "von den Athleten, aber auch den Funktionären, Angehörigen, Journalisten und Freiwilligen". Für all diese Gruppen - nicht nur für die Sportler - sei er vor Ort gewesen, "die Tätigkeit unterscheidet sich dabei nicht sehr von einem Pfarrer einer Ortschaft", gab Chavanne an. Ähnlich verhalte es sich mit der Gläubigkeit der Personen, "genauso wie etwa unter Lehrern, Installateuren oder Tischlern gibt es auch hier das ganze Spektrum von mehr und weniger gläubigen, von für die Seelsorge-Angebote Offenen und eher Desinteressierten."

 

Da es bereits seine dritte Teilnahme an Olympia war, sei er nicht nur mit dem Ablauf und der Organisation der Spiele gut vertraut gewesen, sondern habe auch an viele bestehende Kontakte angeknüpft. "Es ist in der Seelsorge ein absoluter Vorteil, bereits viele Menschen zu kennen, da dies einen unkomplizierten Zugang erlaubt." Etliche Olympia-Kontakte würden auch in Österreich nicht abreißen, und auch Sätze wie "Wenn ich einmal heirate, darf ich mich bei Ihnen melden?" hört ein Olympiakaplan. Förderlich für den weiteren Kontakt sei Facebook, wo Chavanne selbst sehr aktiv ist.

 

Besonders erfreut zeigte sich Chavanne über den guten Besuch der angebotenen Gottesdienste, in denen er Brücken zwischen dem Evangelium und dem Alltag der Sportler und Funktionäre schlug. Am Aschermittwoch bezeichnete der Olympiaseelsorger etwa die Fastenzeit als ein "großes Trainingslager" für Körper und Seele: "Man kann auch die Seele trainieren, pflegen und sich bemühen, dass sie stark wird", erläuterte Chavanne. Als Trainingsmethoden empfehle die Kirche einerseits das Fasten - "das für einen Skispringer etwas anderes bedeuten muss als für einen Bobfahrer" -, weiters das Gebet und gute Taten.

 

Tiefpunkte Verletzungen und "Blech"

 

Als Tiefpunkte der 17 Tage in Pyeongchang seien u.a. die Stürze gewesen, von denen auch das österreichische Team nicht verschont blieb.

 

Von Verletzungen erfährt man schnell im olympischen Dorf oder aus den Medien. Wenn dies möglich ist, geht man als Seelsorger zu den Betroffenen und redet mit ihnen, während Schwerverletzte meist irgendwo in einem Spital sind und möglichst schnell nach Österreich überstellt werden.

 

Auch knapp verpasste Medaillen - Österreich belegte genau wie Deutschland siebenmal den vierten Platz und liegt somit in der "Blech"-Wertung auf Platz drei hinter Norwegen und den USA - seien für die Sportler und deren Umfeld eine besondere Herausforderung. P. Chavanne versuchte hier ebenso, Mut zuzusprechen.

 

Bei Alpinbewerben wurde auch Chavanne Zeuge leerer Zuschauerränge, die jedoch die positive Gesamtbeurteilung von Pyeongchang nicht trüben könnten. "Jede Nation ist von einem anderen Sport begeistert und hat darin ihre Stärken - Südkorea etwa Eisschnelllauf, Shorttrack, Eiskunstlauf, Skeleton und Curling". Auch den Sportlern sei bewusst, dass die Fernsehübertragungen bei Olympia noch mehr zählten als die vollen Zuschauerränge.

 

Polen mit eigenem Olympiabischof

 

Kontakte knüpfte und vertiefte Österreichs Sportlerpriester auch zu den anderen Olympiaseelsorgern, waren doch auch Teams wie Italien, Polen, Südkorea, die USA oder Deutschland mit dieser Art von Begleitung vertreten. Besonders hob der Olympiakaplan seine polnischen Kollegen hervor:

 

Polen wurde nicht nur von einem Priester, sondern mit Marian Florczyk auch von einem eigenen Bischof begleitet.

 

Den deutschen Athleten stand außer einem katholischen auch ein evangelischer Seelsorger zur Seite, den US-Amerikanern zudem auch mehrere freikirchliche Pastoren.

 

Doch auch vom Olympia-Angebot der Pfarre Pyeongchang, in deren direktem Umfeld Chavanne untergebracht war, sei "beeindruckend" gewesen: Der österreichische Seelsorger verwies hier auf einen Folder mit Seelsorgeangeboten sowie auf die für die Sportler, Freiwilligen und Funktionäre angebotenen Gottesdienste, in denen etliche IOC-Spitzen, darunter auch Thomas Bach, gesehen worden sein sollen.

 

Was er aus den Olympischen Spielen für seine Tätigkeit in Österreich mitnehme? "Dass man auf die Leute zugeht, fröhlich ist, die Zeit mit ihnen gut nutzt und ihnen Nähe vermittelt", so die Antwort des Priesters. Auch von den Sportlern lerne er selbst viel: "Ich versuche, mehr Bewegung zu machen, etwa beim Tennis oder Skifahren, in die Natur zu gehen und den eigenen Schweinehund zu überwinden, der dafür mein größter Feind ist." Als Vorbild sehe er die Athleten zudem auch aufgrund ihrer enormen Opferbereitschaft, mit der sie ihr Ziel anvisierten.

 

Nächste Station Para-Olympia

 

Viel Verschnaufzeit bleibt dem Olympiakaplan nicht: Nach der bereits am Samstag erfolgten Rückreise aus Südkorea ist er nun eine Woche zur Fortbildung in Deutschland und dann eine Woche in seinem Heimatstift Heiligenkreuz, ehe er erneut das Flugzeug in Richtung Pyeongchang besteigt. Auch auf die paraolympischen Spiele freue er sich bereits sehr, machte Chavanne deutlich: "Die Delegation ist kleiner, die Atmosphäre familiärer und auch entspannter, und seelsorglich werden auch diese Tage sehr wertvoll." Es gebe "viel weniger Oberflächlichkeit", auch da die Lebensschicksale und Krankheiten der einzelnen Sportler - bei gleichzeitig beeindruckender sportlicher Leistung - andere Blickwinkel ermöglichten. "Direkt vergleichbar sind die beiden Spiele jedoch kaum", so P. Johannes Paul.

 

 

Quelle: kathpress

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