
Krautwaschl: Hochachtung vor Politik, die einen Spagat versucht
Die österreichischen Bischöfe unterstützen diejenigen Politikern, die versuchen, den Spagat zwischen den Politikzielen Budgetsanierung, Sorge um Arme und Klimakonferenz-Vereinbarungen zu schaffen. Das sagte der Grazer Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl in einem Interview für die "Kleine Zeitung" (Sonntag). Er äußerte sich im Blick auf die Aufregungen nach dem Lob Kardinal Christoph Schönborns für die Nulldefizitpolitik der Bundesregierung und einen vermeintlichen Angriff auf die Caritas. Was hier passiert sei, "ist, dass man das hörte, was man wollte, und nicht das, was gesagt wurde", so Krautwaschl.
Wörtlich sagte der Bischof:
Meiner Einschätzung nach wollte der Kardinal ausdrücken, dass es in der Verantwortung der Politik liegt, wirklich alles in den Blick zu nehmen. Das beinhaltet ein generationengerechtes Budget ebenso wie die Sorge um Menschen, die am Rand der Gesellschaft stehen, oder die Verantwortung für unsere Umwelt. Und wir als Bischöfe haben Hochachtung vor denen, die den Spagat zwischen all diesen Zielen versuchen. Wobei ich gerade im Gedenkjahr 2018 betonen will, dass wir keiner Partei näher sind und wir uns als Kirche auch von keiner Partei vereinnahmen lassen wollen.
Als "Schulbischof" sage er auch, dass er den neuen Unterrichtsminister nicht beneide. Es gelte jetzt, in der Politik wie in der Kirche, dass alle Problemstellungen auf den Tisch gelegt werden müssten. Dann könne es losgehen, so Krautwaschl zum Regierungsprogramm im Bildungsbereich.
Für die Kirche gelte, dass sie sich "zum Wohl der Menschen in der Gesellschaft einzubringen" habe. Zu bedauern sei, dass "wir in den vergangenen 20 Jahren zu sehr mit innerkirchlichen Fragen beschäftigt waren und nicht mehr mit einer gewissen Verve nach außen hin aufgetreten sind".
Ziel müsse sein, das Zukunftsbild zu realisieren, das aus Anlass des aktuellen 800-Jahr-Diözesanjubiläums entwickelt worden sei. Die Katholiken seien demnach aufgefordert, "Gottes Melodie aufzunehmen - das heißt, die Menschen in ihren Lebenssituationen ernst zu nehmen, uns gemeinsam auf den Weg zu machen, uns den Armen und Notleidenden zuzuwenden". Manchmal entstehe allerdings der Eindruck, dass "die Kirche wie ein Block dasteht, der sagt: Ihr wisst es ja." Doch dem sei nicht so", betonte der Bischof: "Papst Franziskus sagt eindeutig: Wir alle sind noch am Weg zur Vollendung, zu Gott."
Quelle: kathpress