Kapellari: In Zeiten der Unsicherheit "einander Hoffnung zumuten"
Auf die gegenwärtigen gesellschaftlichen Umwälzungen und Unsicherheiten sollen ernsthafte Christen damit reagieren, dass sie "einander Hoffnung zumuten". Das betonte der emeritierte Grazer Bischof Egon Kapellari bei den diesjährigen "Seckauer Gesprächen", die am Sonntag im Umfeld der obersteirischen Benediktinerabtei beendet wurden. Man könne Hoffnung nicht eintrichtern, Aufgabe der Katholiken weltweit sei es, bei der Suche nach der Zukunft die "Kraft zum Trotzdem" zu entwickeln, sagte Kapellari.
Die dreitägige Veranstaltung unter dem Titel "Verunsicherten Menschen Hoffnung geben" thematisierte die "Aufgabe des Glaubens in einer Zeit tiefgreifender Umwälzungen". Eröffnet wurde die Tagung vom ehemaligen Volksanwalt Herbert Kohlmaier. Es sei naheliegend, eine helfende Funktion der Religiosität angesichts der bestehenden und weit verbreiteten Verunsicherung zu erwarten, so der Mitbegründer der "Laieninitiative". Es stelle sich jedoch die Frage, was "der Glaube" heute wirklich sei, und ob sich die Kirchen nicht einer kritischen Selbstüberprüfung stellen müssten, bevor sie sich an die Welt wenden.
Zu den bestehenden Problemen der Kirche sagte Bischof Kapellari, dass sie "nicht schöngeredet" werden dürften. Es gebe gleichzeitig viele kleine Gemeinschaften, die eine Stellvertreterfunktion für das Christentum ausüben könnten und Christen sollten insgesamt "wetterfest sein". Katholisch sein bedeute für ihn, so der emeritierte Grazer Bischof, "besonders synthetisch, dann aber auch immer kritisch zu sein". Das Denken und Handeln solle von viel "sowohl als auch" geprägt sein, das dann immer wieder relativiert werden müsse durch ein "entweder oder". "Es geht um eine dynamische, tief im gemeinsamen Glauben verwurzelte Mitte, und die ist Christus", sagte Kapellari, der am Samstag mit den Tagungsteilnehmern in der von Herbert Böckl gestalteten Stiftskapelle einen Gottesdienst feierte.
Auf die in der Gesellschaft vielfach bestehenden Ängste, ihren Ursachen und möglichen Auswegen, ging "Furche"-Herausgeber Prof. Heinz Nußbaumer näher ein. Offenbar fehle es an einem "sozial gesteuerten Miteinander" und an einem Grundvertrauen, wie es in den Jahrzehnten nach dem Weltkrieg vorhanden gewesen sei, sagte Nußbaumer. Distanz erzeuge Angst, dagegen seien Nähe, Sympathie und Mitgefühl zu stärken. Papst Franziskus sei ein Papst, der Ängste wegnehmen wolle. Eine Theologie der Hoffnung, die untrennbar mit dem Glauben an die Auferstehung verbunden sei, müsse unter anderem den Wert der Dankbarkeit bewusst machen. Dabei brauche es "wieder mehr humorvolle Gelassenheit" und ganz besonders "Kleinkraftwerke der Nächstenliebe", so Nußbaumer.
Übereinstimmung bestand bei den Gesprächsteilnehmern darüber, dass mehr über den Glauben als über Strukturen geredet werden solle. Das erfordere auch eine zeitgemäße Sprache der Kirche. Dieses Thema soll im Mittelpunkt der nächstjährigen Zusammenkunft stehen.
Die "Seckauer Gespräche" sind eine Initiative von engagierten Laienchristen, von denen einige als ehemalige Schüler des Abteigymnasiums mit dem Stift verbunden sind und dabei die Erinnerung an den früher dort wirkenden Benediktinermönch Laurentius Hora (1900-1977) pflegen.
Quelle: kathpress