
Heiligenkreuzer Altabt: "Brauchen in der Wirtschaft mehr Ethik"
Für ein Mehr an Ethik in der Wirtschaft und eine Absage an jede Form eines ungezügelten Kapitalismus hat sich der frühere Abt des Stiftes Heiligenkreuz, Gregor Henckel-Donnersmarck, ausgesprochen. Zugleich zeigte sich der Altabt, der selbst vor seinem Ordenseintritt ein erfolgreicher Manager war, im Gespräch mit der "Kleinen Zeitung" (7. Oktober) überzeugt, dass es auch unter Wirtschaftstreibenden ein wachsendes Bedürfnis "nach verantwortlichem, ethischem, nachhaltigem Wirtschaften" gebe. Ein ungezügelter Kapitalismus sei jedenfalls "ein falsches Wirtschaftssystem", das österreichische System einer sozialen Marktwirtschaft halte er indes für den "richtigen Weg". Henckel-Donnersmarck äußerte sich aus Anlass der Präsentation seines neuen Buches "Der Spediteur Gottes".
Erfreut zeigte sich der Heiligenkreuzer Altabt über die wachsende Zahl an Spätberufenen, die den Weg ins Kloster bzw. in eine Priesterberufung suchen. Es sei "für beide Seiten günstig, für den Menschen und für die Kirche", wenn Menschen den Weg in den Orden oder in das Priesteramt gingen, die schon Erfahrungen etwa in der Wirtschaft, in der Politik oder insgesamt im Leben mitbringen.
Die Migrationsbewegungen betrachtet Henckel-Donnersmarck als Chance für Europa: Gewiss würden die sprachlichen wie kulturellen Unterschiede zwischen den Migranten und den aufnehmenden europäischen Gesellschaften eine hohe "Integrationsleistung" verlangen; aber auf der anderen Seite würde die demografische Entwicklung in Europa Migration erfordern. "Ich bin ein begeisterter Europäer. Ein friedliches Europa ist ein gutes Ziel", so der Altabt, der selbst mit seiner Familie aus der schlesischen Heimat vor dem Vormarsch der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg zunächst nach Bayern und später nach Österreich geflohen war.
Eine Absage erteilte Henckel-Donnersmarck schließlich der Frage nach einem neuen Konzil: Das Zweite Vatikanische Konzil (1962-65) sei eine "große Weiterentwicklung der Kirche" gewesen - heute würde die Kirche jedoch nicht aufgrund "einer Schlagzeile" oder einer aktuellen Krise gleich wieder ein Konzil einberufen: Schließlich habe "nicht die Kirche eine Krise, sondern Europa", betonte Henckel-Donnersmarck mit Blick auf die Zahl der Gläubigen und die niedrigen Priesterzahlen in Europa. "Europa gibt sich selber auf, indem es seinen Glauben verschludern lässt und im Materialismus und Hedonismus aufgeht."
Das neue Buch von Gregor Henckel-Donnersmarck, "Der Spediteur Gottes: Ein Leben zwischen Welt und Kloster" ist im "Ueberreuter"-Verlag erschienen und kostet 24,95 Euro.
Quelle: kathpress