Sibiu: Gute Ökumene auf Medienebene
Sibiu, 12.9.07 (KAP) Eine der positiven Erfahrungen der Dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung (EÖV3) in Sibiu war die gute Ökumene auf Medienebene. Die Kooperation der Medienreferenten der gastgebenden "Konferenz Europäischer Kirchen" (CEC) und des "Rates Europäischer Bischofskonferenzen (CCEE), die gemeinsam ein Pressezentrum für die rund 300 akkreditierten Journalisten betreuten, habe bestens funktioniert, betonte der CEC-Medienreferent Luca Negro bei einem Treffen in Sibiu unmittelbar nach Abschluss der EÖV3. Es war das erste gemeinsame Treffen der Mediensprecher der CEC-Mitgliedskirchen und der CCEE-Bischofskonferenzen.
Beim Austausch über geglückte Initiativen, christliche Inhalte in säkularen Medien zu vermitteln, wurde von den Teilnehmern betont, dass es notwendig sei, auch ungewöhnliche Wege zu beschreiten und "Risiken einzugehen": Über ein via Internet vermitteltes Bibellese-Projekt, das in den Niederlanden für Aufsehen sorgte, nachdem auch Prostituierte entsprechende Bibeltexte vorgetragen hatten, informierte Marlies Keller von der holländischen Mediengesellschaft "Ikon" (Informationen: www.voorleesbijbel.nl). In Großbritannien lief erfolgreich eine Reality-TV-Sendung, die Personen zeigte, die sechs Wochen lang in einem Benediktinerkloster mitlebten. In Finnland versuchen kirchliche TV-Verantwortliche gerade ein Unterhaltungsprogramm zu realisieren, in dem zwei von ihrem Beruf erschöpfte Brüder - der eine Autohändler und der andere Pfarrer - mit erstaunlichen Folgen ihre Rollen tauschen. "Scratch people where they itch" (Kratz die Leute dort, wo es sie juckt): Mit diesem Sprichwort ermutigte ein britischer Teilnehmer dazu, Unterhaltung als "christliche Verkündigung durch die Hintertür" zu nutzen. Herkömmliche Verkündigungssendungen in den Medien sind ihm "viel zu langweilig". Auch Programme wie "Die Simpsons" oder das Online-Rollenspiel "Second Life" würden wichtige Lebensfragen thematisieren, auf die die Kirchen Antwort geben müssten.
Ökumene ist für kirchliche Medienleute eines der am schwierigsten zu vermittelnden religiösen Themenfelder, sagte Nicolas Senece von der französischen katholischen Tageszeitung "La Croix" im Rückblick auf die EÖV3 in Sibiu. Es sei kompliziert, man könne nicht viel Vorwissen voraussetzen und sei zugleich theologisch dem Anspruch auf "political correctness" ausgesetzt. Als er zuletzt gefragt worden sei, was denn die "Botschaft von Sibiu" sei, habe er sich selbst angesichts des komplexen Ringens um eine Annäherung der Konfessionen zwischen theologischen und kirchenpolitischen Fußangeln keine eindeutige Antwort geben können. Und Journalisten in säkularen Medien würden diese Komplexität erst recht scheuen, so Senece. Sogar im traditionell religionsinteressierten Italien kämen im Pflichtexamen für angehende Journalisten keine religiösen Aspekte vor, pflichtete ihm Paolo Bustaffa, Chefredakteur der katholischen Nachrichtenagentur SIR, bei: Religiöse Kompetenz werde in der Ausbildung nicht vermittelt.
Luca Negro wies auf den seit 1994 vergebenen "Templeton-Preis" für religiöse Berichterstattung in säkularen Medien hin, der hier fördernd wirken solle. Er bedauerte, dass diese von der CEC vergebene Auszeichnung nicht auch von der CCEE unterstützt wird - seien doch die bisherigen Gewinner mehrheitlich katholisch.
Bukarester Erzbischof war Gast
Ein Programmpunkt des Treffens der Medienvertreter war auch eine Darstellung der Situation der katholischen Kirche in Rumänien durch den Bukarester Erzbischof und Vorsitzenden der rumänischen Bischofskonferenz, Ioan Robu. Geschätzte zwei Millionen der 21 Millionen Rumänen seien römisch-katholisch oder griechisch-katholisch. Das Verhältnis zwischen der rumänisch-orthodoxen Kirche und der katholischen Kirche sei überwiegend positiv, Probleme gebe es hautsächlich mit der Rückgabe der griechisch-katholischen Gotteshäuser, die 1948 von den Kommunisten an die Orthodoxie übergeben worden waren.
Als Hindernis für ein lebendiges Gemeindeleben nannte der Erzbischof die Tatsache, dass vielerorts nur Kinder und Alte die Mehrheit bilden: Ein Gutteil der leistungsfähigen mittleren Generation Rumäniens arbeite im Ausland, wo das Lohnniveau viel höher ist. Vor allem in Italien lebe eine große rumänische Minderheit, die von Priestern aus der Heimat seelsorglich betreut werde, berichtete Robu. Der mit dem EU-Beitritt Rumäniens einher gehende Wirtschaftsaufschwung werde den Rumänen wohl auch einen Schub an Konsumismus bescheren, gab sich der Erzbischof realistisch. Doch die Rumänen seien traditionsbewusst, Religion sei ihnen wichtig und werde es auch bleiben, sagte Robu. (ende)