Österreichs Franziskanerprovinzen fusionieren
Wien, 19.10.07 (KAP) Die Franziskaner in Österreich und Südtirol bereiten sich derzeit auf die Fusionierung ihrer Provinzen vor. Im Rahmen des Provinzkapitels vom 21. bis 27. Oktober im oberösterreichischen Pupping bei Eferding wird Generalminister José Rodríguez Carballo die Verschmelzung der bisherigen "Tiroler Franziskanerprovinz vom Seligen Engelbert Kolland" und der "Wiener Franziskanerprovinz vom heiligen Bernadin von Siena" zur gemeinsamen "Provinz Austria vom heiligen Leopold in Österreich und Südtirol" bekanntgeben.
Die Bestellung des neuen Provinzials und der neuen Provinzleitung wird ebenfalls beim Kapitel erfolgen. Derzeit werden die beiden Provinzen von P. Rupert Schwarzl (Tiroler Provinz) und P. Anton Bruck (Wiener Provinz) geleitet. Betroffen von der Fusionierung sind rund 140 Franziskaner in insgesamt 27 Klöstern. Sitz des neuen Provinzialates wird das Franziskanerkloster in Salzburg.
Am 26. Oktober werden die rund 70 Kapitel-Teilnehmer außerdem an der Seligsprechung Franz Jägerstätters im Linzer Dom teilnehmen. Jägerstätter war in Enns Mitglied im Dritten Orden der Franziskaner.
Die bisherige Tiroler Franziskanerprovinz unterhält Klöster in Oberösterreich, Kärnten, Salzburg, Tirol und Südtirol. Zehn Brüder wirken darüber hinaus als Missionare in Bolivien. Zur Wiener Franziskanerprovinz gehören Klöster im Burgenland, in Niederösterreich, der Steiermark und Wien. Eine enge Zusammenarbeit gibt es darüber hinaus mit der polnischen Franziskanerprovinz Kattowitz.
Provinzgründungen 1451 und 1580
Als historisch gesichert gilt, dass die ersten Franziskanerbrüder bereits zu Beginn des 13. Jahrhunderts durch Tirol zogen. Dabei genossen sie ein hohes Ansehen in der Bevölkerung, waren theologisch gebildet, gern gehörte Prediger und gesuchte Beichtväter. Im Jahr 1580 wurde schließlich die Tiroler Provinz errichtet. Die Gründung der Wiener Provinz durch den Päpstlichen Legaten Johannes von Capistran geht auf das Jahr 1451 zurück. Die Anfangszeit der Provinz war geprägt von den Unruhen der osmanischen Belagerungen und der Reformation.
Ihre Blütezeit erlebten die beiden Franziskanerprovinzen unter Kaiserin Maria Theresia. Damals zählten die Tiroler Konvente 500 Brüder, in der Wiener Provinz lebten 908 Brüder in 24 Klöstern.
Schwere Zeit des Josephinismus
1781 unterband Kaiser Joseph II. die Verbindungen der Provinzen mit dem Gesamtorden. Die Klöster gerieten immer stärker unter den Einfluss regionaler Machthaber und Bischöfe, so dass es zu einer weitgehenden Isolierung der österreichischen Provinzen kam. Der Mitgliederstand der Wiener Provinz wurde gesetzlich auf nur 99 Brüder festgeschrieben. Es kam zu Enteignungen und zur Aufhebung zahlreicher Klöster. Schließlich verlor die Wiener Franziskanerprovinz ihre Selbstständigkeit. Erst unter Leopold II. und Franz II. wurden die meisten Dekrete wieder rückgängig gemacht. Dennoch wirkten sich die josephinischen Reformen und die josephinisch geprägte Beamtenschaft noch lange negativ auf das Leben in der Tiroler und Wiener Provinz aus. Die Neuerrichtung der Wiener Franziskanerprovinz erfolgte schließlich im Jahr 1900.
Der Erste Weltkrieg brachte nicht nur personelle Verluste, sondern in späterer Folge auch die Abtrennung der Südtiroler Klöster von der Tiroler Provinz im Jahr 1927. Zur Vereinigung kam es erst im Jahr 2001. Personelle Verluste und Klosteraufhebungen mussten die Franziskaner auch im Zweiten Weltkrieg erfahren. So wurde u.a. das Salzburger Franziskanerkloster von der Gestapo beschlagnahmt.
Aktiv in Armenfürsorge und Bildung
Aktiv sind die Franziskaner, die 2009 ihr 800-Jahr-Jubiläum feiern, insbesondere in der Armenfürsorge und in der Bildung. So unterhalten sie zwei Gymnasien bzw. Internate in Hall/Tirol und Bozen. Weitere bedeutende Einrichtungen sind die "Missionsprokura" in Schwaz, das "Generalkommissariat für das Heilige Land" in Wien und das Hilfswerk "Franziskaner für Mittel- und Osteuropa" (FMO) in Wien. Großen Anklang finden die Meditationszentren im Südtiroler Kaltern ("Projekt Tau"), in Pupping ("Shalom-Kloster") und in Telfs (Rezesskloster zum Mitleben).
Weltweit zählt der Franziskanerorden heute rund 16.000 Mitglieder. Er ist damit nach den Jesuiten der zweitgrößte Orden der katholischen Kirche. (ende)