"Familienfest" für Weihbischof Krätzl
Wien, 21.11.07 (KAP) Es war ein kirchliches "Familienfest": Kardinal Christoph Schönborn konnte am Dienstagabend im Wiener Stephansdom die Mehrzahl der österreichischen Bischöfe, viele Vertreter der Ökumene mit Metropolit Michael Staikos und dem evangelischen Bischof Herwig Sturm an der Spitze, zahlreiche Priester und tausende andere Gläubige beim Gottesdienst zum 30. Jahrestag der Bischofsweihe von Weihbischof Helmut Krätzl begrüßen. Der Wiener Erzbischof dankte Helmut Krätzl insbesondere dafür, dass er das Zweite Vatikanische Konzil den Menschen nahe bringe und dass er sowohl in der Erzdiözese Wien als auch auf der Ebene der Bischofskonferenz ein "Synonym für Ökumene" sei. Bischof Krätzl habe "viel erlebt, Schmerzliches und Freudiges", aber er habe nie die "Freude an der Kirche" verloren. Der 30. Jahrestag der Bischofsweihe Krätzls sei zugleich ein Anlass, des unvergessenen Kardinals Franz König zu gedenken, der damals Krätzl im Dom geweiht hatte.
Der Apostolische Nuntius in Belgien und Luxemburg, Erzbischof Karl-Josef Rauber, sagte in seiner Predigt, Krätzl gehe es immer darum, dass die Hoffnungen des Zweiten Vatikanischen Konzils erfüllt werden. Aus allen seinen Büchern spreche der Seelsorger, "der die Kirche liebt". Krätzl habe erfahren müssen, dass zur fruchtbaren Seelsorge auch "eine Portion Leid" gehört. Aber der Wiener Weihbischof sei dabei immer "heiter und gelassen, humorvoll und einfühlsam" geblieben.
Erzbischof Rauber war kurzfristig eingesprungen, weil der ursprünglich vorgesehene Prediger, Diözesanbischof Reinhard Lettmann von Münster, erkrankt ist. Lettmann ist der einzige noch lebende der drei Bischöfe, die 1977 im Stephansdom Helmut Krätzl und Florian Kuntner geweiht hatten.
Beim Gottesdienst trug der evangelische Bischof Herwig Sturm, der die Grüße und Segenswünsche der Mitgliedskirchen des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich überbrachte, die zweite Lesung vor. Es handelte sich um einen Abschnitt aus dem Zweiten Brief an Timotheus, dem auch das bischöfliche Motto Krätzls "In der Kraft Gottes" entnommen ist.
Musikalisch wurde der Gottesdienst vom Domchor und -orchester St. Stephan unter Leitung von Domkapellmeister Markus Landerer mit der "Paukenmesse" von Joseph Haydn gestaltet, an der Orgel war Dommusikus Thomas Dolezal. Die Kollekte während der Messe war für die Sanierung und den Ausbau der Behindertenwerkstätten der Caritas am Bio-Bauernhof in Unternalb bestimmt (Spenden: Kto. Nr. PSK 2.060.000, BLZ 60 000, Kennwort: 30 Jahre Weihbischof Helmut Krätzl).
Erinnerung an Weihbischof Kuntner
"Im Einvernehmen mit Kardinal Schönborn werde ich auch weiterhin alle meine Kräfte der Diözese zur Verfügung stellen": Spontaner Applaus erklang, als Krätzl bei seiner Dankesrede am Ende des Festgottesdienstes ankündigte, auch in seinem bevorstehenden Ruhestand weiterhin "für die Menschen und für meine geliebte Kirche" da zu sein.
In einem persönlichen Rückblick erinnerte sich Krätzl an den Tag seiner Bischofsweihe durch Kardinal König am 20. November 1977. Das neue Amt habe er damals zunächst als Bürde gesehen, der er mit der "geistlichen Ermutigung" seines Wahlspruches "In der Kraft Gottes" begegnen wollte.
Dankbar sei er insbesondere im Blick auf die bewegte Zeit des "nachkonziliaren Aufschwungs", die er als Priester und Weihbischof unter Kardinal König "miterleben und mitgestalten durfte". Nach "Jahren herber Enttäuschung" über den stockenden Fortgang kirchlicher Reformprozesse befinde sich die Kirche heute in einer "wachsenden Auseinandersetzung" über den zukünftigen Weg. Er danke auch allen, die anderer Meinung als er seien, betonte der Weihbischof.
Sein "ganz besonderes Anliegen" sei durch die Jahre hindurch stets die Ökumene gewesen, so Krätzl. Er sei dankbar für das Vertrauen, das immer wieder in ihn gesetzt wurde und für die "Bereicherung im eigenen Glauben", die er durch die Begegnung mit den anderen Konfessionen erfahren durfte. "Insgesamt waren es erfüllte 30 Jahre, die ich nicht missen möchte", so Krätzl.
Krätzl erinnerte an den gleichzeitig mit ihm geweihten und im Jahr 1994 an einer Tropenkrankheit verstorbenen Wiener Weihbischof Florian Kuntner. Im selben Jahr sei auch bei ihm selbst ein bösartiger Tumor diagnostiziert, aber rechtzeitig entfernt worden. Seither habe er sich immer wieder gefragt, warum Kuntner sterben musste, während er überleben durfte, so Krätzl. Er betrachte daher sein Leben noch mehr als "Geschenk" und er sehe den "Auftrag Gottes, noch mehr zu tun und die mir gegebene Zeit für die Menschen und für die Kirche zu nützen".
Am Ende des Festgottesdienstes überreichte Kardinal Christoph Schönborn Weihbischof Krätzl die Nachbildung einer mittelalterlichen Statue des Heiligen Stephanus. Dabei wies Schönborn auf einige Parallelen zwischen der Person des Stephanus und dem Wiener Weihbischof hin: "Erstens, Stephanus war ein großer Prediger. Du bist auch ein eifriger und großer Prediger. Stephanus hat sich getraut, unangenehme Dinge zu sagen. Auch das hast du mit ihm gemeinsam. Stephanus ist dafür gesteinigt worden. Du bist nicht gesteinigt worden, aber du hast einiges abbekommen".
