Superiorenkonferenz: Fürnsinn wiedergewählt
Wien, 22.11.07 (KAP) Propst Maximilian Fürnsinn (Herzogenburg) wurde als Vorsitzender der Österreichischen Superiorenkonferenz für die kommenden drei Jahre wiedergewählt. Zu Fürnsinns Stellvertreter wählte die Vollversammlung der Superiorenkonferenz P. Lorenz Voith, Provinzial der Redemptoristen in Österreich. Als Generalsekretär bestätigt wurde P. Erhard Rauch von der Gemeinschaft der Salvatorianer. Die Vollversammlung bildete zugleich den Abschluss der diesjährigen Herbsttagung der österreichischen Ordensgemeinschaften. Zuvor hatten sich die Vertreterinnen und Vertreter der Ordensleute mit Fragen der Mission, der konfessionellen Schulen, der Alten- und Pflegeheime, der Ordensspitäler und der Ordensarchive befasst.
Der frühere Generalsekretär der Päpstlichen Missionswerke in Österreich, P. Jakob Mitterhöfer von den Steyler Missionaren, behandelte vor den Ordensleuten die Bewertung der religiösen Vielfalt in der eins werdenden Welt. Die Frage nach dem "universellen Heilswillen" Gottes stelle sich heute mit neuer Dringlichkeit, so P. Mitterhöfer. Wenig hilfreich sei dabei der alte Satz des nordafrikanischen Kirchenvaters Cyprian, dass außerhalb der Kirche kein Heil sei. Das Zweite Vatikanische Konzil habe das in den beiden Dokumenten "Lumen gentium" und "Nostra aetate" richtig gestellt und nach einer neuen Antwort gesucht. Seitdem versuche die katholische Kirche, andere Religionen auch als Heilswege zu verstehen. Entscheidend sei das Gewissen des Einzelnen. Der einzige Weg zum Miteinander der Religionen sei der Dialog.
Insgesamt sind zurzeit 508 österreichische Missionare und Missionarinnen in Entwicklungsländern tätig, darunter 312 Ordensschwestern, 125 Ordenspriester und 23 Ordensbrüder sowie Laien-Mitarbeiter. Am Rande der Tagung wurde bekannt gegeben, dass die Orden im Jahr 2006 insgesamt 7,7 Millionen Euro für Entwicklungshilfe und Missionsarbeit in Ländern des "Südens" bereit gestellt haben. Damit tragen die Orden einen beträchtlichen Teil zur kirchlichen Entwicklungshilfe in Österreich bei.
Gesamtschule ist kein Erfolg
Bei der Schultagung der Herbstkonferenz der Ordensgemeinschaften sprach sich der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, gegen unüberlegte Schulreformen aus. Kraus plädierte für ein differenziertes Schulwesen: "Wir brauchen keine Strukturdebatten, sondern ein verbessertes differenziertes Schulsystem". Die Gesamtschule sei in Deutschland kein Erfolg gewesen, sie sei teurer und leiste weniger.
Wie der Schulexperte betonte, müsse eine gerechte Schule auch eine Schule der Leistung sein. Eine Schule ohne Noten, ohne Sitzenbleiben und ohne Anforderungen könne nicht das Ziel sein. Die Schule müsse Kinder in Anspruch nehmen und Herausforderungen stellen.
Weiters hielt Kraus fest, dass es auch in Zukunft auf Wissen ankommen werde. Es gebe keine Bildung ohne konkrete Inhalte. Projektunterricht, so der Referent, sei gut und wichtig, aber vernetztes, fachübergreifendes Denken erfordere eine solide Grundlage im Einzelfach. "Wer nichts weiß, muss alles glauben", so Kraus wörtlich in Anlehnung an Marie von Ebner-Eschenbach.
Zudem wies der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes darauf hin, dass Schulerfolg immer auch eine entsprechende familiäre Atmosphäre brauche. Nicht für alles sei der Staat in Verantwortung zu nehmen. Es liege an den Eltern, ihre Kinder neugierig zu halten und ihnen Vorbild zu sein.
Heftige Kritik übte Kraus an der Debatte rund um die PISA-Studie, die seiner Meinung nach völlig überbewertet wird: "Wir brauchen Bildung statt PISA". Die Studie erfasse nur einen geringen Sektor im Bildungs- und Leistungsgeschehen. Kenntnisse in Fremdsprachen, Religion, Literatur oder Musik würden etwa nicht bewertet. Vieles in Sachen Bildung sei auch nicht messbar. Kraus: "Wir brauchen eine Rekultivierung der oft rein aufs Ökonomische fixierten Gesellschaft".
Sicherheit und Kontinuität
Auch der frühere Präsident des Wiener Stadtschulrates und jetzige Leiter des Restitutionsfonds der Stadt Wien, Kurt Scholz, sprach den katholischen Privatschulen seine Anerkennung aus. Sie würden Sicherheit und Kontinuität bieten und über eine gute Tradition verfügen. Sie hätten überdies auch den Vorteil, sich bis zu einem gewissen Grad ihre Lehrer selbst aussuchen zu können. In diesem Punkt ermutigte Scholz die Direktoren und Schulerhalter, sich diese Errungenschaft unbedingt zu bewahren.
Scholz nannte weiters zwei Prinzipien, die ihm im Sinne einer Werte-Erziehung besonders wichtig erscheinen: Der alte benediktinische Grundsatz "Ora et labora - bete und arbeite" und das dem Heiligen Augustinus zugeschriebene Wort: "Liebe und dann tu, was du willst." Die nächste Generation arbeits- und liebesfähig machen, das sei das gemeinsame Ziel, so Scholz.
Zur Debatte um die Schulreform nannte der Leiter des Restitutionsfonds drei Aspekte, die für eine höhere Bildung von grundlegender Bedeutung seien: Begabung, soziale Schicht und praktische Erreichbarkeit einer höheren Schule. Fehlten zwei dieser Elemente, sehe er für einen Matura-Abschluss keine Chance, so Scholz. Das Einzige, was Bildungspolitik wirklich leisten könne, sei die Verbesserung der Erreichbarkeit einer höheren Schule.