Zum Abschied ein Fest für Bischof Herwig Sturm
Wien, 10.12.07 (KAP) Mit einem feierlichen Gottesdienst in der Wiener Lutherischen Stadtkirche und einem Empfang in der Nationalbibliothek wurde am Sonntag der österreichische evangelisch-lutherische Bischof Herwig Sturm verabschiedet. Sturm tritt mit Ende des Jahres nach Erreichen der Altersgrenze in den Ruhestand. Sein Nachfolger im Bischofsamt ist Michael Bünker. An Gottesdienst und Empfang nahmen zahlreiche Repräsentanten der evangelischen Kirchen, der Ökumene und des politischen Lebens teil, u.a. der Apostolische Nuntius, Erzbischof Edmond Farhat, Vizekanzler Wilhelm Molterer, Bildungsministerin Claudia Schmied, Weihbischof Helmut Krätzl, Altbischof Maximilian Aichern, Metropolit Michael Staikos, Oberin Christine Gleixner und der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft, Anas Schakfeh.
Bischof Krätzl verlas das Grußwort von Kardinal Christoph Schönborn, in dem der Wiener Erzbischof dem scheidenden evangelischen Bischof "für viele gute Zeichen der Gemeinsamkeit" dankt. Wörtlich stellte Kardinal Schönborn fest: "Immer wieder durften wir gemeinsam erfahren, dass der Herr größer und näher ist als alles, was uns (noch) trennt". Mit besonderer Freude denke er an das "gemeinsame Zeugnis", das die christlichen Kirchen in Österreich etwa anlässlich des Verfassungskonvents oder jüngst bei der Dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung (EÖV3) in Sibiu "mit einer Stimme ablegen konnten". Sturm sei es gelungen, die Wahrnehmung seiner Kirche im In- und Ausland "eindrucksvoll zu vergrößern", meinte Bischof Krätzl weiter. Beispiel dafür sei nicht zuletzt der neue Wiener Sitz der "Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa" (GEKE). Der Weihbischof würdigte Sturms "unermüdlichen Einsatz für die Ökumene", durch ihn sei eine "Ökumene des Vertrauens gewachsen". Im Verhältnis zur katholischen Kirche habe Sturm "das Trennende nie verschwiegen, aber das Gemeinsame deutlich hervorgehoben".
Claudia Schmied dankte namens der Republik Österreich der evangelischen Kirche für ihre "besondere Sensibilität für Minderheiten". Konkret erwähnte sie Sturms Engagement in der Asylpolitik und im Hinblick auf das "Ökumenische Sozialwort der Kirchen".
"Ein Bischof kann die Kirche mit anderen nur dannleiten, wenn er eine geistliche Persönlichkeit ist. Du, lieber Herwig, bist eine solche Persönlichkeit", sagte der Präsident der Generalsynode und der lutherischen Synode, Peter Krömer, in seiner Laudatio. Der Synodenpräsident dankte dem scheidenden Bischof, dass er vor 12 Jahren das schwierige Amt übernommen habe. Gleichzeitig verwies Krömer auf Martin Luther, der gesagt habe: "Nur der Herr allein ist Bischof". Als wichtigste Ereignisse in der evangelisch-lutherischen Kirche während der Amtszeit Sturms nannte Krömer unter anderem die Einbeziehung der geistlichen Amtsträger in das ASVG, die Umstrukturierung der Kirchenleitung, die Einleitung des Organisationsentwicklungsprogramms "Offen Evangelisch" sowie die Einführung des kinderoffenen Abendmahls.
Von einem "diakonischen Profil" Herwig Sturms sprach der Präsident der "Diakonie", Roland Siegrist. Er erinnerte an das "Sozialwort der Kirchen in Österreich", das Sturm stark gefördert habe. Ebenso habe Sturm die Zusammenarbeit der lutherischen, der reformierten und der evangelisch-methodistischen Kirchen ermöglicht. Der Diakoniepräsident, der selbst Methodist ist, hob hervor, Sturm sei sich darüber im Klaren gewesen, dass eine Kirche, die um ihre Identität weiß, auch leichter im Dialog mit ihren Schwesterkirchen stehe. Siegrist dankte auch Bischof Sturms Ehefrau Gertrude, dass sie das diakonische Engagement ihres Mannes mitgetragen habe. Insbesondere sei sie selbst am Aufbau des Laura-Gatner-Flüchtlingshauses in Hirtenberg maßgeblich beteiligt gewesen.
Im Hinblick auf das gemeinsame Engagement zu Gunsten der "an den Rand Gedrängten" und die gute Zusammenarbeit zwischen Diakonie und Caritas war auch der Wiener Caritasdirektor Msgr. Michael Landau anwesend. Landau sagte im Gespräch mit "Kathpress", dass er Sturm besonders dankbar dafür sei, dass der scheidende evangelische Bischof den gemeinsamen Einsatz für die Benachteiligten und für die soziale Gerechtigkeit möglich gemacht habe.
"Protestantismus und Literatur"
Dem scheidenden evangelischen Bischof ist auch das Buch "Protestantismus&Literatur" gewidmet, das die Herausgeber - Oberkirchenrat Michael Bünker und Ministerialrat Karl Schwarz - am Sonntag der Öffentlichkeit präsentierten. 34 Autorinnen und Autoren untersuchen darin auf 750 Seiten den österreichischen Protestantismus im Kontext der Literatur. Erschienen ist das Buch im Evangelischen Presseverband. Die evangelischen Superintendenten dankten dem Bischof, der - so Superintendentin Luise Müller - mit seiner "starken natürlichen Autorität" auch in schwierigen Situationen ausgleichend gewirkt habe. Im Namen seiner Amtskollegen überreichte Manfred Sauer dem Bischof ein Bild des Kärntner Künstlers Valentin Oman.
Sturm rief in seinen Dankesworten dazu auf, die "geschichtsträchtige Stunde eines zusammenwachsenden Europa" wahrzunehmen. Dass es kein Abschied von der Person Herwig Sturm ist - der scheidende Bischof wurde im November für weitere zwei Jahre als Vorsitzender des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich bestätigt -, betonte Landeskurator Horst Lattinger, der gemeinsam mit seiner Stellvertreterin Gerhild Herrgesell durch das Programm führte. Den musikalischen Rahmen gestalteten der Chor des "Club Carinthia" und die "Vienna Police Brass".
"Getragen vom Erbarmen Gottes"
"Mein ganzes Leben, insbesondere mein Amt als Bischof, war getragen vom Erbarmen Gottes": Das betonte Bischof Sturm in seiner Abschiedspredigt in der Wiener Lutherischen Stadtkirche. Beim Festgottesdienst in der überfüllten Stadtkirche sagte der scheidende Bischof: "Es ist das Evangelium, das Räume dieser Welt aufschließt, das Menschen aufschließt". Das Evangelium könne Menschen so verwandeln, "dass sie Gewalt überwinden und Frieden stiften". Sturm, der allen dankte, die ihn auf seinem Weg als Bischof begleitet haben, wünschte der evangelischen Kirche für die Zukunft "Orte, die dem Geist Raum schaffen" und anstelle einer "Innenorientierung" die "Sendung nach außen".
Die Liturgie des Abendmahlsgottesdienstes wurde mit Pfarrerin Ines Knoll auch von zahlreichen Gästen aus der Ökumene gestaltet. So wurden die Bibeltexte von Generalbischof Milos Klatik von der evangelisch-lutherischen Kirche der Slowakei und dem reformierten Landessuperintendenten Thomas Hennefeld gelesen. Der syrisch-orthodoxe Chorbischof Emanuel Aydin, der anglikanische Erzdiakon Patrick Curran sowie Monika Heitz von der altkatholischen Kirche sprachen das Kyriegebet.
Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst unter der Leitung von Landeskantor Matthias Krampe mit Werken von Johann Philipp Krüger, Johann Rosenmüller, Bertil Palmar Johansen, Heinrich Schütz, John Rutter und Leopold Mozart. Die Kollekte des Festgottesdienstes war bestimmt für die Errichtung eines Gedenkortes für zu früh verstorbene Kinder in der evangelischen Kapelle des Allgemeinen Krankenhauses in Wien. (ende)
