Wiedereröffnung des "Sanatoriums Mehrerau"
Bregenz, 19.12.07 (KAP) Das "Sanatorium Mehrerau", das einzige Ordensspital in Vorarlberg, nimmt Anfang Jänner nach umfassenden Sanierungsarbeiten seinen Normalbetrieb wieder auf. Die ersten Patienten werden am 29. Dezember aufgenommen. Gottesdienst und Festakt zur Wiedereröffnung haben bereits stattgefunden.
Abt Kassian Lauterer erinnerte dabei daran, dass in Österreich die insgesamt 38 konfessionellen Krankenanstalten der größte private Anbieter stationärer Krankenversorgung sind. Mancherorts wäre die medizinische Versorgung ohne diese Häuser überhaupt undenkbar. Jedoch sei heute der Bestand der Ordenskrankenhäuser aus mannigfaltigen Gründen gefährdet. Gerade deshalb sei die Gemeinschaft der Zisterzienser von Mehrerau allen, die zur Sicherung einer guten Zukunft des Sanatoriums beigetragen haben, zu tiefem Dank verpflichtet. Zugleich betonte der Abt, dass gerade in einem Ordensspital "Ehrfurcht und Respekt vor dem Geschenk des Lebens und der Würde der Person" bei jeder ärztlichen, pflegerischen und menschlichen Zuwendung und Entscheidung transparent werden müssen.
Mit einer Kapazität von 50 Betten können Patienten - "ohne Unterschiede bezüglich Religion, Sprache, Nationalität oder Volkszugehörigkeit", so Abt Kassian - Behandlung und Nachsorge in einem modernen Krankenhaus in Anspruch nehmen. Landeshauptmann Herbert Sausgruber bezeichnete die Rettung des "Sanatoriums Mehrerau" als ein "Wunder im säkularisierten Sinne": "Einfühlsame Menschen haben mit großer Motivation und Leidenschaft den Anstoß gegeben, eine lange Tradition neu zu beleben".
Chefärztin Hedwig Birnbaumer betonte, dass im "neuen Sanatorium Mehrerau" zeitgemäße Medizin geboten werde. Zugleich sei das ethische Programm des Hauses von der zisterziensischen Idee geprägt und lasse sich im Leitsatz von Abt Kassian Lauterer zusammenfassen: "Bona voluntate servire", bereitwillig dienen für die Patienten.
Das "Sanatorium Mehrerau" wurde 1923 gegründet und nimmt seither einen festen Platz in der Geschichte der Gesundheitsversorgung in Vorarlberg ein. 2005 kam es zur "historischen Entscheidung" der Vorarlberger Landesregierung, Mittel für die Weiterführung zur Verfügung zu stellen. In elfmonatiger Arbeit wurde mit einem Kostenaufwand von fünf Millionen Euro eine umfassende Renovierung des Sanatoriums durchgeführt.
Zugleich galt es, den Betrieb des Sanatoriums ohne finanzielles Wagnis für das Kloster Mehrerau sicher zu stellen. Auch hier konnte eine gute Lösung gefunden werden: Die Kosten teilen sich das Land (60 Prozent) und Heimatgemeinden der Patienten (40 Prozent). Auch zur Regelung der Finanzen besteht seit 2002 ein Management-Vertrag zwischen dem "Sanatorium Mehrerau" und der Vorarlberger Krankenhaus-Betriebsgesellschaft.
Das Sanatorium wird ab 2008 mit 50 Betten geführt, 20 Belegbetten und 20 für die Nachsorge, die weiteren Betten werden nach Bedarf zugeteilt. Um eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung der Patienten zu gewährleisten, sind fünf Allgemeinmediziner beschäftigt. Ausgewählte Behandlungen in verschiedenen medizinischen Disziplinen sind am Sanatorium möglich und werden von externen Ärzten angeboten: Innere Medizin, Orthopädie, Gynäkologie, Chirurgie, HNO, Urologie, Augenheilkunde und Plastische Chirurgie.
Das Kloster Mehrerau wurde 1097 von Benediktiner-Mönchen gegründet. Viele Jahrhunderte wirkten sie segensreich am Bodensee-Ufer. Im Jahre 1806 allerdings löste die bayrische Regierung den Konvent auf und vertrieb die Mönche, danach wurden Kirche und Kirchturm abgetragen und die Steine für den Bau des Lindauer Hafens verwendet. Rund 50 Jahre später ließen sich Zisterzienser aus dem Schweizer Wettingen auf dem Anwesen nieder und führen bis heute die benediktinische Tradition fort. Der Leitspruch des Klosters lautet aufgrund seiner Geschichte auch heute noch bezeichnenderweise "non mergor" (Ich gehe nicht unter).
Noch heute unterhält das Kloster Mehrerau land- und holzwirtschaftliche Betriebe wie beispielsweise die Klostergärtnerei, den Gutshof oder eine Tischlerei. Im Jahr 1854 wurde hier das älteste Bildungsinstitut Vorarlbergs, das "Collegium Bernardi", gegründet. Heute unterrichten 45 Lehrpersonen im Privatgymnasium, (Halb-)Internat und Schülerheim rund 370 Schüler. (ende)