Vatikan würdigt verstorbenen Erzbischof Christodoulos
Vatikan würdigt Erzbischof Christodoulos
Vatikanstadt, 29.1.08 (KAP) Der Vatikan hat den am Montag verstorbenen Athener orthodoxen Erzbischof Christodoulos gewürdigt. Die Vatikan-Zeitung "Osservatore Romano" erinnert in ihrer Dienstagsausgabe an den Besuch von Papst Johannes Pauls II. im Jahr 2001 in Athen und an den Gegenbesuch des Oberhauptes der orthodoxen Kirche Griechenlands im vergangenen Jahr bei Benedikt XVI. im Vatikan. Zugleich zitiert das Blatt die katholischen Bischöfe Griechenlands, die den Tod des Erzbischofs als "schweren Verlust für die orthodoxe Kirche Griechenlands und für den ökumenischen Weg" bezeichnen.
"In dem Moment, in dem unsere griechisch-orthodoxen Mitbrüder den Tod ihres Hirten beweinen, schließen wir uns ihnen im Gebet an: Er war ein tüchtiger Hirte und überzeugter Verfechter des ökumenischen Weges", gibt der "Osservatore" die Erklärung der katholischen Bischöfe des Landes wieder: "Beten wir, dass der Heilige Geist eine ebenso starke und profunde Führung folgen lässt".
Der katholische Erzbischof Nikolaos Printesis von Naxos betonte, dass Christodoulos "immer für die guten Beziehungen zwischen der orthodoxen Kirche und der katholischen Kirche gelobt worden ist". Er habe sich immer neu um eine Annäherung zwischen den Kirchen bemüht. Der Papstbesuch in Athen und die Vatikan-Visite von Christodoulos seien "zwei Meilensteine auf dem ökumenischen Weg mit der Orthodoxie gewesen".
Kardinal Poupard bei Trauerfeier
Der französische Kurienkardinal Paul Poupard leitet am Donnerstag die Vatikandelegation bei den Trauerfeierlichkeiten für Christodoulos. Das wurde am Dienstag in Rom bekannt. Begleitet werde Poupard vom Sekretär des vatikanischen Einheitsrates, Bischof Brian Farrell, und dem Nuntius in Griechenland, Erzbischof Patrick Coveney.
Kardinal Walter Kasper, der im Vatikan für Fragen der Ökumene zuständig ist, kann wegen der Teilnahme an einem Dialogtreffen mit den Altorientalischen Kirchen in Damaskus nicht an den Beisetzungszeremonien in Athen teilnehmen. Allerdings dürfte der Präsident des Päpstlichen Einheitsrates zur Amtseinführung des Nachfolgers in die griechische Hauptstadt reisen.
Oberhaupt der orthodoxen Kirche Griechenlands litt an Krebs
Athen, 28.1.08 (KAP) Erzbischof Christodoulos, Oberhaupt der orthodoxen Kirche Griechenlands, ist Montag früh nach längerer Krankheit in seiner Residenz in Athen gestorben. Dies berichtete das staatliche griechische Fernsehen (NET). Der 69-jährige litt an Leber- und Darmkrebs.
Christodoulos wurde im Juni 2007 in ein Krankenhaus in Athen eingeliefert, wo die Ärzte bei ihm Leberkrebs feststellen. Eine geplante Lebertransplantation im Oktober wurde abgebrochen, als sich zeigte, dass sich der Krebs weiter ausgebreitet hatte. Eine Behandlung in einem Krankenhaus in seinen letzten Lebenswochen lehnte er ab.
Christodoulos wurde am 17. Jänner 1939 in Athen geboren. Sein weltlicher Name war Christos Papaskevaides. Am 29. April 1998 wurde er vom Heiligen Synod der griechischen orthodoxen Kirche zum Oberhaupt gewählt worden.
In seiner knapp zehnjährigen Amtszeit baute Christodoulos die Spannungen mit dem Vatikan ab: Der Besuch von Papst Johannes Paul II. im Mai 2001 in Athen gilt als einer der Höhepunkte seines Wirkens. Es war der erste Besuch eines Papstes in Griechenland seit der Trennung der beiden Kirchen im Jahr 1054.
Als erster griechischer Erzbischof besuchte Christodoulos dann im Dezember 2006 Rom. In einer gemeinsamen Erklärung unterstrichen Papst Benedikt XVI. und Erzbischof Christodoulos damals ihren Willen zu einer weiteren ökumenischen Annäherung. "Es ist unsere gemeinsame Verantwortung, in Liebe und Wahrheit die vielfältigen Schwierigkeiten und schmerzlichen Erfahrungen der Vergangenheit zu überwinden", hieß es in einem von beiden unterzeichneten Dokument.
Entschieden forderten beide eine fruchtbare Zusammenarbeit zur "Wiederentdeckung" der christlichen Wurzeln des europäischen Kontinents. Dies werde den europäischen Völkern helfen, die fundamentalen menschlichen und spirituellen Werte zu leben.
Die Religionen müssten den Frieden in der Welt fördern und dürften keinerlei Raum für Intoleranz und Gewalt bieten, hoben Benedikt XVI. und Erzbischof Christodoulos hervor. Sie riefen andere religiöse Führer auf, ebenfalls den Dialog zu suchen und sich für Frieden und Brüderlichkeit zwischen den Völkern einzusetzen.
"Erzbischof Donnerschlag"
Als Christodoulos im April 1998 gewählt wurde, sah die Mehrheit der Griechen in ihm einen Reformer der orthodoxen Landeskirche. Rasch gewann der charismatische und sympathisch auftretende neue Primas höchste Popularität. Von Beginn an aber polarisierte er vor allem mit seinen politischen Äußerungen auch die öffentliche Meinung. Schon bald regte sich Kritik an seiner "Einmischung" in tagesaktuelle politische und gesellschaftliche Fragen. Laizistische Medien porträtierten den Erzbischof als "feurigen Traditionalisten" und "nationalistischen Volkstribun". Wie auch immer Griechenlands Journalisten zu Christodoulos standen, in einem waren sie sich einig: "Erzbischof Donnerschlag" war immer für Schlagzeilen und hohe Einschaltquoten gut.
Anfang 2005 war die griechische Orthodoxie in eine schwere Vertrauenskrise geraten, als Medien von Skandalen in den Reihen der Kirche berichteten. Enthüllungen über Antiquitätenschmuggel, Veruntreuung von Kirchengeldern sowie Sex- und Drogengeschichten erschütterten damals die Glaubwürdigkeit des Klerus schwer. Auch hochrangigen Mitgliedern der Hierarchie wurde vorgehalten, darin verwickelt zu sein. Christodoulos entschuldigte sich im Februar 2005 öffentlich für den entstandenen Schaden und Glaubwürdigkeitsverlust.
Wann das Begräbniss von Erzbischof Christodoulos stattfindet, wurde bisher noch nicht bekanntgegeben. Die Synode der griechischen orthodoxen Kirche wird innerhalb von 20 Tagen einen neuen Erzbishof wählen, berichtete das griechische Fernsehen. 97 Prozent der Griechen bekennen sich als orthodoxe Christen.
Begräbnis am Donnerstag
Das Begräbnis für Christodoulos am Donnerstag hält der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. Der Patriarch würdigte den Verstorbenen am Montag als "begnadete, hochtalentierte Persönlichkeit" der orthodoxen Kirche.
Der Wiener griechisch-orthodoxe Metropolit Michael Staikos sagte gegenüber "Kathpress", Christodoulos sei eine "sehr dynamische, sehr enthusiastische" Persönlichkeit gewesen. Sein Tod sei ein Verlust für die gesamte Orthodoxie. In der Wiener griechisch-orthodoxen St.Georgs-Kathedrale am Fleischmarkt wird am kommenden Sonntag, 3. Februar, um 12 Uhr, ein feierliches Totengedenken für Erzbischof Christodoulos abgehalten. Am Mittwoch von 10 bis 15 Uhr liegt in der Griechischen Botschaft, 1040 Wien, Argentinierstraße 14, ein Kondolenzbuch auf.
Barroso: Förderer interreligiösen Dialogs
EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Durao Barroso würdigte in Brüssel den verstorbenen Erzbischof. In einem Beileidsschreiben hob er besonders den herausragenden Beitrag von Christodoulos zum interreligiösen Dialog in Europa hervor.
Im Mai 2007 gehörte der Erzbischof zu den Teilnehmern eines hochrangigen Treffens der drei EU-Institutionen mit religiösen Führern aus Europa.
"Pro Oriente": "Erneuerer" seiner Kirche
Den ökumenischen Einsatz des verstorbenen Athener Erzbischofs hob die Wiener Stiftung "Pro Oriente" hervor. Mit Aufmerksamkeit und hoher Wertschätzung habe man die Bemühungen von Christodoulos verfolgt, "die bitteren Erfahrungen der Vergangenheit zu überwindenund zur Wiederentdeckung der christlichen Wurzeln beizutragen".
Der Leiter der Grazer "Pro Oriente"-Sektion, Prof. Bert Groen, bezeichnete den Erzbischof als einen starken Führer der Orthodoxen Kirche Griechenlands, der stets die enge Verbindung zwischen der Orthodoxie und dem griechischen Volk betonte. Er habe seine Kirche besonders im Bereich der Diakonie und der Medien erneuert und herzliche Kontakte zu den anderen orthodoxen Kirchen gepflegt.
