Benedikt XVI. erinnert an letzten Weg seines Vorgängers
Vatikanstadt, 2.4.08 (KAP) Mit einer Gedenkmesse auf dem römischen Petersplatz hat Benedikt XVI. zusammen mit rund 50.000 Gläubigen aus aller Welt seines vor genau drei Jahren verstorbenen Vorgängers Johannes Paul II. gedacht. Benedikt XVI. erinnerte in seiner Predigt an die "vielen menschlichen und geistlichen Qualitäten" Karol Wojtylas. Zu diesen Qualitäten habe auch eine "außerordentliche spirituelle und humanistische Sensibilität" gehört. Die Menschen hätten das auch verstanden, daher habe sich der Petersdom in den Tagen nach dem Tod Johannes Pauls II. für einige Tage in das "Herz der Welt" verwandelt. Der Tod des polnischen Papstes sei gleichsam das "Siegel" einer ganz auf Christus ausgerichteten Existenz gewesen. Benedikt XVI. erinnerte an die überlieferten letzten Worte seines Vorgängers: "Lasst mich zum Vater gehen".
Zu Beginn der Messfeier - die von der RAI und anderen TV-Anstalten direkt übertragen wurde - waren der Papst, die Kardinäle und Bischöfe über den Petersplatz in langer Prozession zum Altar vor der Eingangsfront des Petersdoms gezogen. Mit dem Papst konzelebrierten rund 30 Kardinäle und zahlreiche Bischöfe, unter ihnen Kardinal Christoph Schönborn und der frühere Papst-Sekretär Kardinal Stanislaw Dziwisz.
Tod nach langer Parkinson-Erkrankung
Johannes Paul II. war am Abend des 2. April 2005 um 21.37 Uhr nach langer Parkinson-Erkrankung und kurzem Todeskampf gestorben. Mit über 26 Jahren war sein Pontifikat das zweitlängste der Kirchengeschichte. Für den Wojtyla-Papst ist ein Seligsprechungsverfahren im Gang. Ein Abschluss des Verfahrens ist noch nicht in Sicht. Der "Postulator" des römischen diözesanen Seligsprechungsverfahrens, der Priester Slawomir Oder, sagte aber in einem RAI-Interview am Mittwochvormittag, er "hoffe", dass die Seligsprechung am 16. Oktober, dem 30. Jahrestag der Wahl Karol Wojtylas zum Papst, möglich sein werde.
Papst Benedikt bewegt über letzte Lebensphase seines Vorgängers
In seiner Predigt hatte sich Benedikt XVI. bewegt über die letzte Lebensphase seines Vorgängers geäußert. Er verwies auf die riesige Menschenmenge, die sich in der Todesstunde im Jahr 2005 auf dem Platz versammelt hatte, auf den ununterbrochenen Pilgerstrom, der dann an der sterblichen Hülle Johannes Pauls II. vorbeizog und ihm die letzte Ehre erwies.
Benedikt XVI. erinnerte an den letzten Karfreitag von Johannes Paul II., der - von schwerer Krankheit gezeichnet - während des Kreuzwegs am Kolosseum in seiner Privatkapelle das Kreuz fest umarmt habe. Man könne das gesamte Leben seines geliebten Vorgängers, "vor allem sein Petrusamt", im Zeichen des auferstandenen Christus lesen, sagte Benedikt XVI. Das Pontifikat Johannes Pauls II. sei von einer "österlichen Dynamik" geprägt gewesen.
Mut und Furchtlosigkeit
Johannes Paul II. habe die Kirche und Welt auf ihrem Weg zum Jahr 2000 zu Mut und Furchtlosigkeit aufgerufen, betonte Benedikt XVI. Er erinnerte an den Amtsantritt des Wojtyla-Papstes 1978, als dieser den Gläubigen zurief "Habt keine Angst" - ein Appell, den er oft und mit Nachdruck wiederholt habe. Man könne aber auch nicht sein "letztes und schweigendes Zeugnis" vergessen, als er auch der Sprache beraubt war, erinnerte der Papst. Wörtlich sagte Benedikt XVI.: "Möge die Kirche seiner Lehre und seinem Vorbild folgen und treu und ohne Kompromisse ihre Mission der Evangelisierung fortsetzen und unermüdlich die barmherzige Liebe Christi ausbreiten, die Quelle des wahren Friedens für die Welt ist".
Gruß an Teilnehmer des Barmherzigkeitskongresses
Ausdrücklich grüßte Benedikt XVI. in seiner Predigt die Teilnehmer des Ersten Apostolischen Weltkongresses der Barmherzigkeit, der am Mittwoch in Rom mit dem Gedenkgottesdienst für Johannes Paul II. begonnen hat. Der Papst hatte seinen Vorgänger bereits am Sonntag als "Apostel der göttlichen Barmherzigkeit" gewürdigt. Karol Wojtyla war von Jugend an zutiefst mit der Spiritualität der später von ihm heilig gesprochenen Ordensfrau Faustyna Kowalska verbunden, in deren Visionen die Barmherzigkeit Gottes von zentraler Bedeutung ist; zugleich mit ihrer Heiligsprechung proklamierte Johannes Paul II. im Jubiläumsjahr 2000 den Sonntag nach Ostern zum "Sonntag der Barmherzigkeit". Im Jahr 2002 weihte er bei seinem letzten Polen-Aufenthalt am einstigen Wirkungsort von Sr. Faustyna in Lagiewniki bei Krakau das eindrucksvolle neue Heiligtum der GöttlichenBarmherzigkeit.
Zur Teilnahme am Weltkongress haben sich tausende Interessenten aus aller Welt in Rom eingefunden. Bis zum Sonntag stehen in der Basilika San Giovanni in Laterano, in anderen Kirchen der Stadt und auf der zentralen Piazza Navona Vorträge, Gebete und Zeugnisse auf dem Programm. Initiator und Hauptverantwortlicher des Kongresses ist Kardinal Christoph Schönborn.
Ein "Kathpress"-Korrespondentenbericht von Johannes Schidelko:
Vatikanstadt, (KAP) Für viele ist er bereits jetzt ein Heiliger. Schon bei der Totenmesse für Johannes Paul II. forderten Sprechchöre und Transparente "Santo subito". Auf einer breiten Woge der Sympathie setzte Benedikt XVI. für den "geliebten Vorgänger" sämtliche Wartefristen außer Kraft und ordnete die sofortige Einleitung eines Seligsprechungsverfahrens an. Allerdings nimmt ein solcher Prozess, bei dem 26 Jahre eines aktiven Pontifikats dokumentiert werden müssen, doch einige Zeit in Anspruch. Die Hoffnung aus der polnischen Heimat, die feierliche Seligsprechung am heurigen 16. Oktober - zum 30. Jahrestag der Papstwahl - hat somit wenig für sich.
Am Mittwoch, 2. April, jährt sich zum dritten Mal der Todestag Johannes Pauls II. Mit einer großen Messe auf dem Petersplatz erinnert dann Benedikt XVI. an die letzten Stunden seines Vorgängers. Tagelang bangte die Welt Ende März 2005 um das Leben des Papstes. Jeden Abend beteten Zigtausende auf dem Petersplatz für Johannes Paul II. Nach langer Parkinson-Krankheit und kurzem Todeskampf starb Karol Wojtyla am 2. April um 21.37 Uhr im Alter von 84 Jahren - während einer Messe, die sein Sekretär Stanislaw Dziwisz (der heutige Krakauer Erzbischof und Kardinal) am Krankenbett zelebrierte.
Mit dem Tod Johannes Pauls II. endete das zweitlängste Pontifikat der Kirchegeschichte, eine Ära, in der die Kirche neues Ansehen und neue Weltgeltung gewann. Nicht nur die Katholiken trauerten um den Petrus-Nachfolger, der maßgeblich zum Sturz des Kommunismus beigetragen, den ökumenischen und den interreligiösen Dialog forciert und sich mit moralischer Autorität für Versöhnung, Frieden und Gerechtigkeit in der Welt eingesetzt hatte. Vier Millionen Menschen zogen an seinem Katafalk im Petersdom vorbei.
Bei der Totenmesse versammelten sich alle Großen der Welt, der US-Präsident saß vor dem iranischen, der israelische neben Politikern aus Syrien und Irak. Der damalige Kardinal-Dekan Joseph Ratzinger sprach vielen aus dem Herzen, als er in einer bewegenden Predigt vom "geliebten Papst" sprach, der "jetzt am Fenster des Hauses des Vaters steht, uns sieht und uns segnet".
Trotz der Fülle des Materials lief der wenig später begonnene Seligsprechungsprozess zügig an. Nach nur zwei Jahren wurde der Prozess auf Diözesanebene in Rom und in Krakau abgeschlossen. Die mehr als 2.000 Seiten umfassende "Positio" des "Postulators" Msgr. Slawomir Oder wird demnächst der vatikanischen Heiligsprechungskongregation übergeben; das Volumen der Dokumente dürfte sich dabei vervielfachen.
"Das lässt sich nicht in einem halben Jahr bewältigen", hört man aus der Heiligsprechungskongregation. Denn das Verfahren solle so korrekt wie für jeden anderen geführt werden. Allerdings: Es soll bereits ein Wunder-Nachweis vorliegen, die unerklärliche Heilung einer an Parkinson leidenden französischen Ordensfrau.
In dem ebenfalls aktiven Pontifikat von Benedikt XVI. schwand zuletzt der Rückbezug auf die Amtszeit des Vorgängers. Dennoch ist die Verehrung für Johannes Paul II. nicht nur bei polnischen Pilgern ungebrochen. Der Menschenstrom zu seinem Erdgrab mit der schlichten Marmorplatte in den Grotten von St. Peter reißt nicht ab.