Gaza: Auch Christen von Luftangriffen betroffen
Jerusalem, 27.12.08 (KAP) Bei israelischen Luftangriffen auf den Gaza-Streifen ist am Samstag auch die Schule der katholischen Rosenkranz-Schwestern betroffen worden. Der Luftdruck von Explosionen in unmittelbarer Nähe habe die Fenster und Türen zerbrochen, sagte der Pfarrer von Gaza, Msgr. Manuel Musallam, der deutschen katholischen Nachrichtenagentur KNA. Die Kinder in den Klassenzimmern seien "Gott sei Dank weitgehend unverletzt" geblieben. Nur einige wenige hätten leichte Schnittverletzungen durch die zersplitterten Fensterscheiben erlitten.
Am Vormittag hatten israelische Kampfflugzeuge Sicherheitseinrichtungen der islamistischen "Hamas" im Gaza-Streifen angegriffen. Sie antworteten damit auf die permanenten Raketenangriffe aus dem Hamas-kontrollierten Gebiet auf israelische Grenzstädte. Die von den Rosenkranz-Schwestern geführte Schule liegt in der Nachbarschaft einer Polizeistation, die bei dem Angriff komplett zerstört worden sein soll.
Nach Informationen Msgr. Musallams wurden bei den Angriffen insgesamt mindestens 200 Menschen getötet. In den Krankenhäusern herrsche Chaos, erklärte er. Sie seien völlig überfüllt, es gebe kaum Medikamente und keine Blutkonserven. Überall suchten Familien nach ihren Vermissten. "Die Explosionen waren furchtbar", schilderte eine Ordensfrau ihre Eindrücke. Die Menschen seien in Panik geraten, vor allem die Kinder seien völlig verstört. Niemand habe mit diesem plötzlichen, harten Angriff gerechnet.
Msgr. Musallam erklärte, er hoffe, dass der Sonntagsgottesdienst der Pfarre stattfinden könne: "Ich werde in jedem Fall in die Kirche gehen und sehen, ob jemand kommt". Zu Weihnachten sei die Kirche voll gewesen, aber aufgrund der angespannten Lage habe eine gedrückte und traurige Stimmung geherrscht. Der Brauch, am Ende des Gottesdienstes an die Kinder Schokolade zu verschenken, sei in diesem Jahr wegen fehlender Süßigkeiten ausgefallen. Nur etwa 100 Christen hätten an den Feiertagen israelische Genehmigungen für Familienbesuche im Westjordanland bekommen: "Jetzt wissen wir nicht, ob sie zurückkommen können".
Im Gaza-Streifen leben unter 1,5 Millionen Muslimen rund 3.000 Christen. Die beiden katholischen Schulen in Gaza werden überwiegend von muslimischen Kindern besucht. Der lateinische Patriarch von Jerusalem, Fouad Twal, hatte in seiner Weihnachtsbotschaft die Blockade des Krisengebietes als "schweres Unrecht" bezeichnet. Der Gaza-Streifen werde auf diese Weise "zu einer Fabrik der Gewalt".