Papst gratulierte Obama
Die vatikanischen Erwartungen sind hoch an den neuen US-Präsidenten. Man erhofft sich an der Kurie einen neuen Zug in der US-Diplomatie. Kathpress-Kommentar von Johannes Schidelko
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Vatikanstadt (KAP) Mit gespannter Erwartung verfolgt der Vatikan den offiziellen Machtwechsel in den USA. Im Päpstlichen Staatssekretariat und den anderen Kurienbüros werden die Kardinäle, Bischöfe und Monsignori am Dienstagnachmittag die Fernseher auf die Live-Übertragung aus Washington einschalten. Und auch im Papst-Appartement dürfte man verfolgen, wie Barack Obama mit der Hand auf der Bibel des 1865 erschossenen Präsidenten Abraham Lincoln seinen Amtseid leistet.
Die vatikanischen Erwartungen sind hoch an den neuen US-Präsidenten und dessen Regierung. Beobachter registrierten erstaunt, wie der Papst bereits unmittelbar nach der Wahl vom 4. November dem Sieger ein Glückwunschtelegramm sandte - normalerweise erfolgt diese Gratulation erst zum Amtsantritt. Benedikt XVI. sprach darin von einer "historischen Chance". Er wünschte dem künftigen Präsidenten Gottes Segen für die verantwortungsvolle Aufgabe beim Aufbau einer Welt in "Frieden, Solidarität und Gerechtigkeit". Die ungewohnte vatikanische Geste bot Obama die Möglichkeit, seinerseits den unmittelbaren Kontakt zum Papst zu suchen und sich telefonisch zu bedanken.
Große Hoffnungen setzt der Heilige Stuhl auf die USA im Bereich der Außenpolitik, vor allem für den Nahen Osten. Das Heilige Land steht ganz oben auf der diplomatischen Prioritäten-Liste des Heiligen Stuhls. Die päpstlichen Diplomaten wissen, dass ein Schlüssel für den israelisch-palästinensischen Konflikt und damit auch für das Schicksal der dortigen Christen in Washington
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Kapitol |
liegt. Überhaupt erhofft man sich an der Kurie einen neuen Zug in der US-Diplomatie. Denn etwa im Hinblick auf den Irak-Krieg hatte es erhebliche Differenzen mit der US-Regierung unter George W. Bush gegeben.
Neben den internationalen Fragen von Politik und Wirtschaft, von Entwicklung, Klimaschutz und Millenniumszielen wird der Vatikan auch den innenpolitischen Kurs Obamas genau verfolgen. Im Vorfeld hatten sich Kurienkardinäle alarmiert über Reformideen des neuen Präsidenten geäußert, etwa zur Liberalisierung der Abtreibung und der Stammzellenforschung.
So argwöhnte der frühere Präsident des Päpstlichen Rats für die Interpretation von Gesetzestexten, Kardinal Julian Herranz, dass in den Laboren künftig alles erlaubt sein könnte, wenn es nur therapeutischen Zwecken diene. Der Vatikan wird an die Adresse der neuen Regierung sicher bald deutlich machen, dass das menschliche Leben in allen seinen Phasen von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod respektiert werden müsse. Zweifellos dürfte die bisherige US-Regierung dem Heiligen Stuhl in diesen Fragen näher gestanden sein.
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Ohnehin war das persönliche Verhältnis zwischen Benedikt XVI. und George W. Bush gerade in den letzten beiden Jahren auffallend herzlich. Im vergangenen April bereitete Bush dem Papst einen farbenprächtigen Geburtstagsempfang auf dem Rasen des Weißen Hauses - auch wenn das vatikanische Protokoll jeden Anschein einer Vereinnahmung zu vermeiden suchte. Der Papst wiederum revanchierte sich Mitte Juni zu Bushs Abschiedsbesuch mit einem legeren Zeremoniell im idyllischen Grün der Vatikangärten.
Die US-Bischöfe haben dem neuen Präsidenten ihre Zusammenarbeit angeboten - immerhin hat die Mehrheit der Katholiken Obama gewählt. Auch der Papst und die Kurie werden sich in Offenheit und mit positiven Erwartungen um einen guten und kooperativen Kontakt bemühen. Man wird gespannt sein, wann Obama dem Papst im Vatikan seine Aufwartung macht. Nach der Reise vom April 2008 nach Washington und New York dürfte Benedikt XVI. auf absehbare Zeit nicht wieder amerikanischen Boden betreten. Aber schon die nächsten Schritte in Nahost dürften Aufschluss auf das künftige Zusammenspiel der USA mit der geistlichen Weltmacht Vatikan geben.
Papst gratulierte Obama
Papst Benedikt XVI. hat dem neuen US-Präsidenten Barack Obama Erfolg und Gottes Segen zum Aufbau einer gerechten und freien Gesellschaft gewünscht. In einem am Dienstag vom Vatikan veröffentlichten Telegramm äußerte das Kirchenoberhaupt die Hoffnung, dass der neue Präsident zu gegenseitigem Verständnis, zu Zusammenarbeit und Frieden unter den Nationen beitrage.
"Möge das amerikanische Volk unter Ihrer Leitung in ihrem eindrucksvollen religiösen und politischen Erbe die geistigen Werte und die ethischen Prinzipien finden, die für den Aufbau einer
gerechten und freien Gesellschaft notwendig sind", heißt es in dem Schreiben. Diese müsse gekennzeichnet sein vom Respekt für die Würde, Gleichheit und Rechte eines jedes Menschen, vor allem der Armen, der Ausgestoßenen und derer, die keine Stimme haben. Er versichere Obama sein Gebet, auf dass Gott unbestechliche Weisheit und Kraft für die Wahnehmung dieser hohen Verantwortung schenke. An der feierlichen Amtseinführung in Washington ist der Vatikan durch den Papst-Botschafter in den USA, Erzbischof Pietro Sambi, vertreten.
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