Papst Benedikt XVI. ist jetzt ein "Mariazeller"
Papst Benedikt XVI. erhielt die Ehrenbürgerschaft von Mariazell. Eine Delegation mit Bischof Egon Kapellari an der Spitze, überreichte ihm die Urkunde in Rom
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Überreichung der Urkunde in Rom |
Papst Benedikt XVI. ist jetzt offiziell Ehrenbürger des Marienwallfahrtsorts Mariazell. Eine Delegation unter Leitung von Diözesanbischof Egon Kapellari sowie des Mariazeller Superiors P. Karl Schauer und des Mariazeller Bürgermeisters Helmut Pertl überreichte dem Papst am Mittwoch im Anschluss an die Generalaudienz im Vatikan die Ehrenbürgerurkunde der steirischen Gemeinde.
Er freue sich, nun so nahe bei der Muttergottes "wohnen" zu dürfen, sagte der Papst in einer kurzen Rede bei der Begegnung mit den rund 30 österreichischen Rom-Pilgern. Er werde, so Benedikt XVI. zwar aller Voraussicht nach physisch nicht mehr nach Mariazell fahren können, der Wallfahrtsort bleibe aber in seinem Herzen verankert. "In der Erinnerung mache ich immer wieder Halt in Mariazell, weil ich spüre, wie uns die Gottesmutter dort begegnet und zueinander führt". Mariazell sei mehr als ein Ort, betonte der Papst: "Mariazell ist Gegenwart lebendiger Geschichte einer jahrhundertelangen Pilgerschaft des Glaubens und des Betens, die man förmlich wahrnimmt".
Benedikt XVI. erinnerte an seinen ersten Besuch in Mariazell aus Anlass der Wallfahrt der europäischen Notare im Jahr 2004. Damals habe man gespürt, was Europa bauen kann und worin seine Identität liege. Den schlechten Wetterverhältnissen zum Trotz hat der Papst auch seinen offiziellen Besuch im September 2007 in bester Erinnerung. Gerade der Regen haben die Pilger noch stärker zueinander geführt. "Man hat gesehen, dass Katholiken wetterfest sind, und so ist gerade im Regen Freude entstanden", sagte Benedikt XVI.
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Papst Benedikt XVI. nach der Überreichung der Ehrenbürgerurkunde
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"Heiliger Vater, ab heute sind Sie ein 'Mariazeller'!", verkündete Bürgermeister Pertl bei der Audienz, an der auch der Bruder des Papstes, Prälat Georg Ratzinger, teilnahm. Pertl wies auf die nachhaltige Bedeutung des Besuchs von Benedikt XVI. in Mariazell hin. "Ihr Pilgerbesuch hat uns als Kirche, geprägt von verschiedenen Kulturen und Sprachen, für eine gemeinsame Zukunft in einem größeren Europa bestärkt". Dass der Papst die Ehrenbürgerwürde annehme, sei eine besondere Auszeichnung für die Stadt Mariazell, aber auch für alle Menschen, die zur "Magna Mater Austriae" pilgern, so Pertl.
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| Ehrenbürgerurkunde |
Mit der Ehrenbürgerurkunde überreichte die Mariazeller Delegation dem Papst regional typische Geschenke wie Lebkuchen und Kräuterlikör. Georg Ratzinger wurde aus Anlass seines 85. Geburtstags ebenso eine Kopie der Mariazeller Gnadenstatue überreicht wie dem Sekretär des Papstes, Prälat Georg Gänswein.
Mariazell steht für den Glauben in Europa
"Mariazell wurde durch den Papstbesuch in seiner Bedeutung als europaweit ausstrahlendes Zentrum nachhaltig gestärkt", sagte der Grazer Diözesanbischof, der die österreichische Delegation bei der Audienz anführte. Der Gruppe gehörten u.a. auch der Botschafter Österreichs beim Heiligen Stuhl, Martin Bolldorf, "Anima"-Rektor Franz-Xaver Brandmayr und der Brucker Bezirkshauptmann Bernhard Preiner sowie der frühere Bundesratspräsident em. Prof. Herbert Schambeck und der emeritierte Präsident der österreichischen Notariatskammer, Prof. Georg Weißmann, an.
Der Mariazeller Superior P. Schauer betonte im Gespräch mit "Kathpress", dass die Annahme der Ehrenbürgerwürde durch den Papst eine Auszeichnung für die Stadt und die Basilika Mariazell sei. "Mariazell heißt immer auch über die Grenzen dieses kleinen Ortes hinauszudenken", erinnerte P. Schauer an die zahlreichen Pilger aus Mitteleuropa und dem ganzen europäischen Raum, die in das Marienheiligtum kommen. Diese Weite stehe auch für die Person und das Denken Benedikts XVI.: "Er hat sichtbar gezeigt, dass ihm dieser Ort ans Herz gewachsen ist".
P. Schauer übergab dem Papst am Mittwoch auch einen Brief des niederösterreichischen Landeshauptmanns Erwin Pröll. Der Landeshauptmann bedankt sich darin u.a. für den freundlichen Empfang der großen niederösterreichischen Pilgergruppe, die Anfang Dezember im Vatikan mit Pröll und dem St. Pöltner Bischof Klaus Küng an der Spitze den vom Land Niederösterreich gestifteten Christbaum für den Petersplatz übergeben hatte. Die Annahme der Ehrenbürgerschaft durch den Papst bedeute für Mariazell eine "immense Aufwertung", so Pröll in dem Schreiben.
Mit Benedikt XVI. ist die Reihe der Ehrenbürger von Mariazell um einen hohen kirchlichen Würdenträger reicher. 2006 wurden auch Kardinal Christoph Schönborn und Diözesanbischof Egon Kapellari zu Ehrenbürgern ernannt. Auch Johannes Paul II. war Ehrenbürger von Mariazell. Für Benedikt XVI. ist es nicht die erste Auszeichnung dieser Art: Der Papst ist u.a. auch Ehrenbürger der Städte Regensburg, Altötting und Brixen.
Erstexemplar "Gottes Projekt" überreicht
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Ansprache von Bischof Egon Kapellari
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Bei der Begegnung mit Benedikt XVI. am Mittwoch übergab Bischof Kapellari Papst Benedikt XVI. und dessen Bruder Georg Ratzinger auch Erstexemplare des Buches "Gottes Projekt. Nachdenken über Gott und die Schöpfung". Das soeben im "Pustet"-Verlag erschienene Werk basiert auf Mitschnitten von Vorträgen, die Kardinal Joseph Ratzinger 1985 bei den "St. Georgener Gesprächen" im Kärntner Bildungshaus St. Georgen am Längsee gehalten hatte. Herausgeber des Dokumentationsbands sind der langjährige Koordinator der „St. Georgener Gespräche", der nunmehrige Kärntner diözesane Kulturreferent Karl-Heinz Kronawetter, und der Regensburger Theologe Prof. Michael Langer. Sie gehörten am Mittwoch ebenso der Delegation an wie der deutsche Theologe Prof. Georg Schmuttermayr, der am Buch mitgearbeitet hat. Der Band ist Georg Ratzinger zu dessen 85. Geburtstag gewidmet. Der Bruder des Papstes hatte den damaligen Kurienkardinal stets nach St. Georgen und auch zu zahlreichen Kärnten-Urlauben begleitet.
Bischof Kapellari, der während seiner Zeit als Bischof der Diözese Gurk die "St. Georgener Gespräche" initiiert hat, erinnerte bei der Überreichung des Buches an die Anfänge der Veranstaltungsreihe, die 1984 mit Vorträgen von Hans Urs von Balthasar gestartet wurde. Aus Verbundenheit mit Hans Urs von Balthasar und "weil es ihm wichtig war, das ins theologische Abseits geratene Thema 'Schöpfung' vor einem großen und geistig sehr wachen Publikum wieder ins Licht zu setzen" (Bischof Kapellari), habe Kardinal Ratzinger die Reihe in St. Georgen im Jahr darauf fortgesetzt.
In den Vorträgen, die nun für den Dokumentationsband zu sechs Texten zusammengefasst worden sind, veranschaulichte der damalige Kurienkardinal, dass der Mensch nicht ein Zufallsprodukt der Erde, sondern ein Projekt Gottes sei. "In sehr klarer Sprache ist nachzuvollziehen, wie sich aus dem biblischen Schöpfungsverständnis ein Welt- und Menschenbild entwickelt, auf dem letztlich die Begründung der Menschenwürde fußt", erklärte Herausgeber Karl-Heinz Kronawetter im Gespräch mit "Kathpress".
In seinem Vorwort zu dem Band betont Bischof Kapellari, dass die mehr als 20 Jahre zurückliegenden Vorlesungen bis heute "nichts an Aktualität" verloren haben. Die "Rede von Gott als dem Schöpfer, gerade in einer Gesellschaft, die zunehmend die Kategorie der Geschöpflichkeit und damit den Menschen als Menschen aushöhlt", sei bis heute kennzeichnend für die Werke des Papstes.
Empfang in der Botschaft
Bereits am Mittwochmorgen hatte die österreichische Pilgergruppe in der österreichisch-deutschen Nationalkirche Santa Maria dell'Anima unweit der Piazza Navona an einem Gottesdienst mit Bischof Egon Kapellari und "Anima"-Rektor Franz Xaver Brandmayr teilgenommen.
Den Abschluss der Pilgerfahrt bildete nach der Papstaudienz ein Empfang durch den österreichischen Botschafter beim Heiligen Stuhl, Martin Bolldorf. Gemeinsam mit der Gruppe aus Österreich waren dort u.a. Prälat Georg Ratzinger, der frühere Apostolische Nuntius in Österreich, Erzbischof Georg Zur, der Sekretär des Päpstlichen Rates für die Laien, Bischof Josef Clemens, sowie der Leiter der deutschsprachigen Abteilung im Päpstlichen Staatssekretariat, Winfried König, zu Gast.
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