"Hospiz-Pionierin" Sr. Hildegard Teuschl gestorben
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Wien, 18.2.09 (KAP) Sr. Hildegard Teuschl, Pionierin der Hospizbewegung in Österreich, ist am Mittwoch nach schwerer Krankheit gestorben. Die 71-jährige Ordensfrau der Schwesterngemeinschaft "Caritas Socialis" litt an Knochenkrebs.
1987 kehrte Teuschl tief beeindruckt vom Besuch eines britischen Sterbehospizes nach Österreich zurück, zwei Jahre später organisierte sie das erste mobile Hospizteam in Wien. 1993 schließlich wurde sie zur Mitbegründerin des Dachverbandes "Hospiz Österreich", dessen Vorsitzende sie bis Ende 2007 war. Teuschl war zudem auch eine Pionierinnen des Sozialschulwesens in Österreich.
Landau: "Starke Frau, die viel bewegt hat"
Der Wiener Caritasdirektor Michael Landau würdigte Sr. Teuschl als eine der großen Pionierinnen der österreichischen Hosipzarbeit. "Sie war eine starke Frau, die auch aus dem Glauben heraus ungeheuer viel bewegt hat und der die Kirche und unser Land sehr, sehr viel verdanken." Wenn es heute in Österreich selbstverständlich sei, "dass Menschen an der Hand eines anderen Menschen sterben und nicht durch die Hand, dann ist das ganz wesentlich ein Verdienst von Sr. Hildegard Teuschl", so Landau im Gespärch mit "Kathpress".
Sr. Teuschl habe die Hospizarbeit auf eine breite Basis gestellt und das multiprofessionelle Miteinander von Ärzten, Pflegepersonen und Seelsorgern in diesem Bereich gefördert. Der Caritasdirektor erinnerte an das Engagement Sr. Teuschls in der Ausbildung ehrenamtlicher Mitarbeiter für die Hospizarbeit: "Sie hat Generationen durch ihre Kurse für Lebens-, Sterbe- und Trauerbegleitung geprägt".
Klasnic: "Arbeit in ihrem Geist fortsetzen"
Die frühere steirische Landeshauptfrau Waltraud Klasnic, die vor einem Jahr von Sr. Teuschl das Amt der Vorsitzenden des Dachverbandes "Hospiz Österreich" übernommen hat, zeigte sich in einer ersten Reaktion gegenüber "Kathpress" tief betroffen vom Tod Hildegard Teuschls. Gleichzeitig fühle sie aber eine große Dankbarkeit für die große Lebensleistung von Sr. Hildegard, die auch weiterhin Tag für Tag für die Betroffenen und deren Angehörige spürbar bleiben werde. "Wir werden die Arbeit in ihrem Geist fortsetzen", so Klasnic.
Sr. Teuschl habe pionierhaft ein Fundament für die Hospizarbeit in Österreich gelegt, stellte Klasnic gegenüber "Kathpress" fest: "Dass es eine funktionierende Hospiz- und Palliativbewegung in allen österreichischen Bundesländern gibt, ist maßgeblich ihr zu danken".
Auch die "Hospiz Österreich"-Vorsitzende würdigte Teuschls Einsatz für ein Netzwerk aus ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Hospizbereich und ihr Engagement in der Aus- und Weiterbildung.
Klasnic erinnerte daran, dass Sr. Teuschl nach ihrem Eintritt in die "Caritas Socialis" den Vornamen der Gründerin der Schwesterngemeinschaft, Hildegard Burjan, angenommen hatte: "Sie hat bewusst den Namen Hildegard angenommen, weil sie, wie Hildegard Burjan, die Zeichen der Zeit erkannt hat. Sie hat nicht nur gesprochen, sondern auch erfolgreich und entschieden gehandelt".
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Sr. Hildegard Teuschl sprach im Februar 2008 über ihre eigene Krebserkrankung
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Sozial engagiertes Leben
Waltraud (Hildegard) Teuschl wurde am 3. August 1937 in Wien geboren, wo sie 1955 am "Sacre Coeur" die Reifeprüfung ablegte. Schon während ihres Lehramtsstudiums an der Universität Wien engagierte sie sich in der Hochschülerinnen-Kongregation der Jesuiten (Alte Burse) und arbeitete am Aufbau des Afro-Asiatischen Instituts mit. Während der Ungarnrevolution war sie im Bereich der Caritas und amerikanischen Care-Hilfe sozial tätig.
1962 trat Teuschl in die Schwesterngemeinschaft "Caritas Socialis" ein und nahm den Ordensnamen Hildegard an. Nach dem Noviziat war sie von 1964 bis 1966 im "Heim für schwererziehbare Mädchen" in Klosterneuburg tätig. Von 1966 bis 1998 leitete sie als Direktorin das Caritas-Ausbildungszentrum für Sozialberufe in der Seegasse. Anfang der 70er Jahre gründete sie die Fachschulen für Altendienste. 1978 initiierte sie "Lehrgänge für Behindertenarbeit" für Berufstätige, als Weiterentwicklung wurde im Jahr 1989 am Wiener Caritas-Ausbildungszentrum die "Lehranstalt für Heilpädagogische Berufe" gegründet.
1989 organisierte Teuschl das erste mobile Hospizteam in Wien. 1993 schließlich wurde sie zur Mitbegründerin des Dachverbandes "Hospiz Österreich", dessen Vorsitzende sie bis Ende 2007 war.
Von 1994 bis 1998 hatte sie die Leitung des Entwicklungsprojekts "Fachhochschulstudiengang Sozialmanagement" inne. Sie war auch Mitbegründerin des ersten Interdisziplinären Palliativlehrgangs in Österreich (1998) und federführend an der Gründung der "Kardinal-König-Akademie" 1999 in Wien-Lainz beteiligt.
Für ihr vielfältiges Engagement erhielt Sr. Teuschl zahlreiche Auszeichnungen und Preise. 1998 wurde sie beispielsweise mit dem Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet. 2006 erhielt Teuschl als Vorsitzende des Hospiz-Dachverbandes den "Felix Ermacora-Menschenrechtspreis". 2008 war sie erste Preisträgerin des Liese-Prokop-Preises.
Von der "Hospizfachfrau" zur betroffenen Patientin
Sr. Maria Judith Tappeiner CS, Generalleiterin der Schwesterngemeinschaft "Caritas Socialis", würdigte in einer ersten Stellungnahme vor allem die Persönlichkeit von Sr. Teuschl: "Heute hat Sr. Hildegard ihr Ziel erreicht. Dankbar für ihren Weg in unserer Gemeinschaft, aber auch Trauer und Schmerz bewegen uns. Durch ihre Herzlichkeit, ihren Beziehungsreichtum und ihren unerschütterlichen Glauben, konnte sie bis zuletzt vielen Menschen beratend und ermutigend beistehen".
Mehr als 20 Jahre war Sr. Teuschl federführend in der Hospizbewegung in Österreich engagiert. Als sie 2008 anlässlich der Vorsitz-Übergabe von "Hospiz Österreich" an Waltraud Klasnic Bilanz zog, konnte sie auf mehr als 200 Einrichtungen verweisen, die bundesweit dem Dachverband angehören, davon 150 mobile Hospizdienste und 30 Hospiz- und Palliativstationen. 1.500 Angehörige medizinischer und pastoraler Berufe hatten bereits eine mehrsemestrige Zusatzausbildung in Palliative Care absolviert. Mehr als 3.000 Personen hatten Kurse in humaner Sterbebegleitung besucht und sich ehrenamtlich engagiert.
Ein letztlich nicht überbietbares Zeugnis für die Bedeutung menschlicher Zuwendung im Umgang mit Sterbenden legte Sr. Teuschl schließlich ab, als sie selbst an Krebs erkrankte. Der Rollenwechsel von der "Hospizfachfrau" zur betroffenen Patientin falle ihr nicht leicht, bekannte sie damals freimütig. Er verdeutliche ihr aber, "was für kranke Menschen wirklich zählt: Der mitmenschliche und wahrhaftige Umgang bedeutet mir wesentlich mehr als die neuesten Medikamente".
Der Gedanke an den nahen Tod schrecke sie nicht, bekräftigte Sr. Hildegard immer wieder. Sie hoffe nur, "dass ich am Ende die Kraft habe, mich bedingungslos - völlig frei von Angst - in die Liebe Gottes fallen zu lassen".