Obama und Benedikt sprachen über Lebensschutz & G8
Rund 40 Minuten dauerte die Unterredung, über deren genauen Inhalt zunächst nichts bekannt wurde. Der Papst überreichte dem US-Präsidenten seine neue Sozialenzyklika
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Vatikanstadt (KAP) US-Präsident Barack Obama hat am Freitagnachmittag seinen ersten Besuch im Vatikan absolviert. "Es ist mir eine große Ehre. Thank you so much", begrüßte Obama Papst Benedikt XVI. strahlend und mit einem langen Händedruck. Nach einigen Fotos zogen sich die beiden, flankiert jeweils von einem Dolmetscher, in die Bibliothek zurück und die Türen schlossen sich.
Rund 40 Minuten dauerte die Unterredung. Wie es im offiziellen Abschlusskommunique hieß, standen Ergebnisse des G 8-Gipfels, der Nahost-Konflikt sowie Fragen des Lebensschutzes im Mittelpunkt der Unterredung zwischen Papst Benedikt XVI. und US-Präsident Barack Obama. Gerade über die Friedensperspektiven im Nahen Osten habe Übereinstimmung bestanden. Auch habe man Probleme von Migration und dabei vor allem die Familienzusammenführung diskutiert.
Vatikansprecher P. Federico Lombardi SJ betonte im Gespräch mit Journalisten, Benedikt XVI. sei über das Treffen mit Obama und dessen Verlauf "sehr zufrieden". Obama habe ein "Charisma", das für alle faszinierend gewesen sei, die den US-Präsidenten am Freitag im Vatikan getroffen hätten. Der Präsident habe dem Papst versprochen, er werde sich dafür einsetzen, dass die Zahl der Abtreibungen in den USA zurückgehe, fügte P. Lombardi hinzu.
Bei der herzlichen Begegnung habe man zunächst "über Fragen gesprochen, die im Interesse aller Menschen sind und die eine große Herausforderung für die Zukunft jeder Nation und den echten Fortschritt aller Völker darstellen", hieß es im Kommunique weiter. Dazu gehörten "die Verteidigung und die Förderung des Lebens".
Auch habe man über Fragen zum Dialog zwischen den Kulturen und Religionen sowie über die globale Finanz- und Wirtschaftskrise und ihre ethischen Implikationen gesprochen, hieß es weiter. Schließlich sei es um Fragen der Nahrungsmittelsicherheit sowie um Entwicklungshilfe vor allem für Afrika und Lateinamerika gegangen.
Ganz besonders hätten Benedikt XVI. und Obama die Notwendigkeit einer Erziehung zur Toleranz in jedem Land hervorgehoben, so das Kommunique.
Familie besuchte Vatikanische Museen
Zum Abschluss des Treffens wurde die First Lady Michelle Obama in die päpstliche Privatbibliothek geleitet und Benedikt XVI. vorgestellt. Auch die beiden Kinder des Ehepaars sowie die Schwiegermutter des Präsidenten konnten am Ende der Audienz den Papst begrüßen, allerdings abseits der Fernseh-Kameras. Michelle Obama war bereits eine Stunde vor ihrem Mann mit den beiden Kindern im Vatikan eingetroffen, um die Vatikanischen Museen zu besuchen.
Der Papst überreichte dem US-Präsidenten - wie allen seinen Gästen in diesen Tagen - ein Exemplar seiner am Dienstag erschienenen Sozialenzyklika "Caritas in veritate". Obama wiederum brachte Benedikt XVI. als Geschenk eine Stola des heilig gesprochenen vierten Bischofs von Philadelphia, John Neumann (1811-60), eines Altösterreichers aus Prachatice in Südböhmen.
P. John Neumann war als junger Missionar des Redemptoristenordens 1836 in New York angekommen. Ab 1852 leitete er die damalige Diözese Philadelphia. Bei seiner Weihe war er der bis dahin jüngste Bischof der USA. In seiner nur acht Jahre währenden Amtszeit begann er den Bau der Kathedrale von Philadelphia und richtete ein Priesterseminar ein. Er gründete mehr als 100 Kirchen und fast ebenso viele Schulen. Dadurch legte er den Grundstein für das kirchliche Pfarrschul-System in den heutigen USA. Als Bischof kümmerte sich Neumann vor allem um die einfachen und armen Leute. 1977 wurde er von Paul VI. heilig gesprochen.
Zwölfter US-Präsident im Vatikan
Obama ist der zwölfte US-Präsident, der den Papst im Vatikan aufsucht; der erste war 1919 Woodrow Wilson.
Vom G 8-Gipfel in L'Aquila kommend, war Obama kurz nach 16 Uhr im Vatikan eingetroffen. Entlang der Via della Conciliazione hatten sich zuvor zahlreiche Schaulustige eingefunden, darunter viele amerikanische Touristen, die dem Präsidenten applaudierten. Für den Besuch waren am Freitag die Sicherheitsvorkehrungen rund um den Vatikan stark verschärft worden. Die Polizei sperrte alle Eingänge zum Petersplatz sowie die umliegenden Straßen.
Bei dem Treffen im Vatikan wurde der US-Präsident u.a. von seinen Sicherheitsberatern Jim Jones und Denis McDonough begleitet worden. Zum Gefolge gehörte der auch erst vor wenigen Wochen ernannte neue US-Botschafter beim Heiligen Stuhl, Miguel H. Diaz.