Schönborn: "Aus der Wirtschaftskrise nichts gelernt?"
Der Wiener Kardinal warnt in "Heute" davor, dass die Einkommensschere zwischen "maßlosen Managergehältern" und immer mehr Menschen, die in Armut leben müssen, noch weiter auseinander gehen werde. Kann erste "Jubelmeldungen" nicht nachvollziehen
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Wien, 21.08.2009 (KAP) Kardinal Christoph Schönborn befürchtet, dass die Finanz- und Wirtschaftskrise nicht zu einer nachhaltigen Verhaltensänderung führt. "Haben wir schon genügend aus der Krise gelernt", fragt der Wiener Erzbischof am Freitag in seiner wöchentlich erscheinenden Kolumne in der U-Bahn-Zeitung "Heute". Oder werde es "einfach fröhlich weitergehen mit den Finanzspekulationen, die die Börse zum Casino gemacht haben?"
Erste "Jubelmeldungen" über ein Ende der Krise könne er angesichts eines 30-prozentigen Anstiegs der Arbeitslosigkeit und einer drohenden Rekordzahl an Insolvenzen nicht nachvollziehen, so Kardinal Schönborn. Er warnt davor, dass die Einkommensschere zwischen "maßlosen Managergehältern" und immer mehr Menschen, die in Armut leben müssen, in Zukunft noch weiter auseinander gehen werde. Schönborn: "Geht das Fest einfach weiter, nur dass halt die Zahl der Verlierer größer geworden ist? Soll es das schon gewesen sein?"
Ohne Ehrfurcht vor dem Menschen in allen seinen Lebensphasen könne letztlich keine Wirtschaft, keine Finanz und kein Land gedeihen, betont der Kardinal: "Werden wir die Chance, dies nun zu begreifen, gleich wieder verspielen?"