Gedenken: Vor 15 Jahren Anschlag auf Oberwart-Roma
Bei dem Mordanschlag von Franz Fuchs starben vier Menschen. An der Gedenkfeier und beim Ökumenischen Gebet nehmen u.a. Bischof Iby und Verteidigungsminister Darabos teil
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| Bischof Paul Iby |
Eisenstadt (KAP) Mit einer Gedenkfeier und einem Ökumenischen Gebet wird am Donnerstagabend in Oberwart der vier Todesopfer des Rohrbombenattentats auf die Romasiedlung Am Anger vom 4. Februar 1995 gedacht. An der Gedenkveranstaltung, die um 18 Uhr am Ort des damaligen Mordanschlags beginnt, werden gemeinsam mit zahlreichen Volksgruppenvertretern der Roma auch der Eisenstädter Diözesanbischof Paul Iby, der burgenländische Superintendent Manfred Koch und Verteidigungsminister Norbert Darabos teilnehmen. Prof. Rudolf Sarközi, Vorsitzender des Volksgruppenbeirats der Roma, wird eine Gedenkrede halten, Johann Baranyai eine Botschaft von Bundespräsident Heinz Fischer verlesen.
Der Anschlag des später gefassten Bombenattentäters Franz Fuchs auf die Romasiedlung erschütterte vor 15 Jahren ganz Österreich. Vier Roma - Peter Sarközi, Josef Simon, Karl und Erwin Horvath - wollten ein auf dem Weg vor ihrer Siedlung angebrachtes Schild mit der Aufschrift "Roma zurück nach Indien" entfernen. Dabei explodierte ein Sprengsatz, der die vier Männer tötete.
Roma noch immer traumatisiert
Auch 15 Jahre nach dem Attentat seien die Roma "noch immer traumatisiert", sagte der österreichische Romaseelsorger Fabian Mmagu am Dienstag in einem "Kathpress"-Interview. Die Ereignisse von damals wären den Menschen stets präsent. "Nach dem Anschlag haben viele politische Verantwortungsträger gut geredet, aber niemand hat sich wirklich um die Psyche der unmittelbar Betroffenen und der ganzen Volksgruppe gekümmert", kritisierte der Priester und Psychotherapeut. "Manche Roma haben bis heute Angst", so Mmagu. Auch stellten sich die Angehörigen der Volksgruppe die Frage: "Sind wir überhaupt gefragt, können wir die Gesellschaft mitgestalten?".
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Der Eisenstädter Diözesanbischof Paul Iby errichtete nach dem Anschlag ein eigenes Referat für ethnische Gruppen, um die Seelsorge an den Roma und Sinti im Burgenland zu stärken. Erster auch von der Bischofskonferenz ernannter Romaseelsorger war der burgenländische Pfarrer Werner Klawatsch. "Wir wollten die Roma und Sinti besonders eingeladen, am Leben der Kirche teilzunehmen und ihre Fähigkeiten und Charismen einzubringen", erinnert er sich im Gespräch mit "Kathpress" an die damalige Zeit. Bischof Iby habe die Familien in den Romasiedlungen besucht und Kontakte hergestellt. Seit August 1995 gibt es jährlich im August wieder eine Roma-Wallfahrt nach Mariazell. Eine alte Tradition, die vom NS-Regime 1938 verboten worden war.
Gesamtgesellschaftlich habe sich seit dem Attentat von Oberwart zwar "sicher etwas gewandelt", so Klawatsch, aber: "Es gibt immer noch sehr viele Vorurteile gegenüber den Roma. Es kränkt mich, dass das so eingebrannt ist in den Gehirnen und Herzen."
Auch Kirche kann mehr tun
Eine Beobachtung, die Pfarrer Mmagu teilt. Einen hilfreichen Weg zur Verbesserung der Situation sieht er vor allem in der gezielten Förderung von Bildungsmöglichkeiten für die Angehörigen der Volksgruppe der Roma. "Wenn sie mitgestalten können in der Gesellschaft, werden die Roma auch nicht mehr in eine Bettlerposition gedrängt, dann wird sich das verbessern", ist der österreichische Romaseelsorger überzeugt.
"Man kann nie genug tun", betont Mmagu zur Rolle der katholischen Kirche in der Stärkung der Volksgruppe. So setzten die Bischöfe durch ihre Teilnahme an der jährlichen Romawallfahrt nach Mariazell ein wichtiges Zeichen. Es braucht aber zusätzliche Unterstützung der Kirche für die Roma, wünscht sich Pfarrer Mmagu. "Ich erwarte mir hier auch deswegen mehr, damit sich die Volksgruppe, getragen vom Vertrauen, gegenüber der Kirche mehr öffnet."