Spiritualität und Kompetenzen der Orden "sehr gefragt"
Wien, 20.11.06 (KAP) Die vielfältige Bedeutung der Orden für die Gesellschaft hat der Generalsekretär der Superiorenkonferenz der männlichen Orden Österreichs, P. Erhard Rauch, hervorgehoben. Im Gespräch mit "Kathpress" anlässlich der Herbsttagung der österreichischen Ordensgemeinschaften verwies Rauch u.a. auf die Bereiche Schule, Gesundheit und Wirtschaft, in denen die Orden wertvolle Dienste leisten würden.
Thematisch steht im Mittelpunkt der Ordenstagung im Wiener Kardinal-König-Haus die künftige Zusammenarbeit von Ordensleuten und Laien. Wie Rauch sagte, müssten auf Grund des fehlenden Nachwuchses zahlreich Orden ihre Einrichtungen wie Schulen, Spitäler oder Pflegeheime in andere Hände geben. Nun sei aber in Folge von den Laien der Wunsch gekommen, die Gründungsidee und besondere Spiritualität der Orden zu bewahren. Deshalb bemühe man sich um die Erarbeitung von Formen, wie dieses neue Zusammenspiel von Ordensgemeinschaft und Laien gelingen könne. Erste positive Ansätze gebe es bereits.
Rauch verwies auf früher von den Ursulinen geführte Schulen, wo es nun auch weiterhin engen Kontakt zum Lehrpersonal gebe, mit dem etwa gemeinsam Einkehrtage durchgeführt werden. In Wien hätten sich einige Ordensspitäler unter die Trägerschaft der Vinzenzgruppe begeben. Die Orden seien aber weiter sehr darum bemüht, die neuen leitenden Mitarbeiter mit vielfältigen Angeboten spirituell zu begleiten und weiterzubilden.
Der Generalsekretär nahm in diesem Zusammenhang auch zur Forderung der Ordensspitäler Stellung, wonach es für gleiche Leistung auch gleiche Bezahlung von Seiten der Länder geben müsse. Es sei nicht einzusehen, warum eine Blinddarmoperation in einem Ordenskrankenhaus weniger wert sein soll als in einem Landesspital. Je weniger die Ordensgemeinschaften in ihren Einrichtungen auf ordenseigenes medizinisches Personal zurückgreifen können, desto notwendiger sei die Kostenwahrheit. Während einige Bundesländer diese Notwendigkeit bereits eingesehen hätten, gebe es in anderen noch "Nachholbedarf", kritisierte Rauch. Er zeigte sich aber zuversichtlich, dass es zu einer Lösung kommen wird, denn sonst seien manche Ordensspitäler in ihrem Bestand gefährdet, und daran könne niemand Interesse haben.
Wie P. Rauch weiter betonte, sei vor allem auch die Sozial- und Wirtschaftskompetenz der Orden gefragt. Vor allem öffentliche Vertreter würden immer wieder auf Orden zurückgreifen, wenn es um ethische Fragen in der Wirtschaft, etwa im Bereich der Geldanlage, geht. Das sei eine europaweite Erfahrung, so der Generalsekretär. Einige Orden hätten etwa "Büros" in Brüssel und seien als kompetente Gesprächspartner der Europa-Parlamentarier sehr gefragt. Rauch: "Die Orden bieten hier ihre Dienste sehr flexibel und unbürokratisch an."
Islam und Ökumene
Ein weiterer Schwerpunkt der Herbsttagung ist der Dialog mit dem Islam. Noch von Papst Johannes Paul II. her stamme der Auftrag an die Ordensgemeinschaften, den Dialog mit den anderen Religionen und hier besonders mit dem Islam zu suchen, so der . Die Orden hätten vor allem durch ihre Missionstätigkeiten schon lange Berührungspunkte mit dem Islam, und es sei eine absolute Notwendigkeit, sich um gute Beziehungen zum Islam auch in Europa zu bemühen. Nur wenn man einander kenne könne man auch Konflikte zielführend ansprechen und lösen.
Dura: Kirchentrennung überwinden
Eröffnet wurde die Herbsttagung am Montag mit dem Treffen der Missionsorden. Dabei sprach der Wiener rumänisch-orthodoxe Bischofsvikar Nicolae Dura über Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Orthodoxie und katholischer Kirche. Dura zeigte sich überzeugt, dass das Trennende zwischen den beiden Kirchen überwunden werden könne. Letztlich seien Probleme wie unterschiedliche Zölibatsvorschriften, einige theologische und pastorale Differenzen aber auch die Stellung des Papstes aus bestimmten praktischen Umständen heraus entstanden.
So sprach der orthodoxe Vertreter etwa davon, dass eine Stellung des Bischofs von Rom, wie sie im ersten Jahrtausend gegeben war, für die orthodoxe Kirche jedenfalls akzeptabel wäre, ja sogar als Bereicherung angesehen würde. Der Papst als "primus inter pares" (Erster unter Gleichen) sei im übrigen auch schon von Papst Benedikt XVI., als er noch Kardinal war, angesprochen worden, erinnerte Dura.
Zum aktuellen Stand der Ökumene meinte der rumänisch-orthodoxe Bischofsvikar, dass - bei allen nach wie vor gegebenen Problemen - in den vergangenen Jahrzehnten doch auch viel Positives geschehen und erreicht worden sei, "was vor 50 Jahren noch undenkbar war".
Zustimmung erhielt Dura auch von P. Rauch. Es sei besonders wichtig, Zeichen zu setzen, dass die Unterschiede zwischen den Kirchen nicht so groß sind wie die Gemeinsamkeiten. P. Rauch wies auch darauf hin, dass die Klöster und Stifte immer schon um gute ökumenische Kontakte bemüht gewesen waren. Umso erfreulicher sei es, wenn jetzt "die Zeit für einen noch intensiveren Kontakt reif ist".
Im Gespräch mit "Kathpress" gestand Bischofsvikar Dura ein, dass es bezüglich der Ökumene auch unterschiedliche Standpunkte innerhalb der Orthodoxie gebe. Insofern sei die innerkirchliche Vielfalt nicht nur Bereicherung sondern schaffe auch Probleme, so der rumänisch-orthodoxe Bischofsvikar. Letztlich müsse es aber möglich sein, Meinungsverschiedenheiten in geschwisterlicher Verbundenheit zu lösen anstatt als Konkurrenten zu verharren, so Dura.