"Integration ist immer ein Miteinander"
Wien, 31.1.07 (KAP) Integration bedeutet Chancengleichheit, ein Miteinander und viel Arbeit: Darüber waren sich die Wiener grüne Landtagsabgeordnete Alev Korun, der Wiener Kultur- und Sozialanthropologe Prof. Thomas Fillitz und "Furche"-Redakteur Wolfgang Machreich bei einer Podiumsdiskussion einig, die am Dienstagabend im Wiener Afro-Asiatischen Institut (AAI) stattfand. Die Podiumsdiskussion wurde in Kooperation vom AAI und der Österreichisch-Indonesischen Gesellschaft veranstaltet. Moderator war Lakis Jordanopulos, Präsentator der ORF-Sendung "Heimat, fremde Heimat".
"Es wird immer Einwanderer geben", deshalb müsse auch Integrationsarbeit geleistet werden, betonte Alev Korun als Minderheiten- und Migrations-Sprecherin der Wiener Grünen. Der Begriff "Integration" werde je nach Zusammenhang sehr unterschiedlich aufgefasst: "Vor dem EU-Beitritt haben alle von Integration in die europäische Gemeinschaft gesprochen, und dabei war klar, dass Österreich seine sprachliche und kulturelle Selbstständigkeit nicht aufgeben wird". Auch bei der Integration von Menschen mit Behinderung sei man sich einig, dass man sie so anzunehmen hat wie sie sind. "Nur wenn es um Zuwanderer geht, heißt es, dass sie ihre Sprache und ihre Kultur aufgeben müssen", bedauerte die Politikerin. Ziel müsse der Aufbau einer integrativen Gesellschaft sein, und dies ist nach den Worten Alevs Koruns eine positive Herausforderung für Politik, Arbeitswelt, Bildungssektor und die ganze Gesellschaft.
Auch Wolfgang Machreich bedauerte, dass für die Mehrheit Integration oft Assimilation bedeute: "Viele sehen es negativ, wenn Einwanderer ihre kulturelle Vielfalt erhalten wollen". Die Gesellschaft erwarte, dass sich Immigranten anpassen. Dadurch falle es vor allem Kindern doppelt schwer, sich zu verwurzeln, so Machreich. Sie fühlten sich überall als Fremde. Es sei Aufgabe des Staates, Chancengleichheit zu garantieren - auch bei der Integration Behinderter.
Prof. Fillitz verglich Integration mit dem Zusammenleben von Paaren: "Es geht nicht, wenn der eine Partner immer nur anschaffen will. Man muss miteinander leben". Man höre so oft, dass Österreich ein mono-nationales Land sei. In Wirklichkeit sei der Wohlstand hier zu Lande vor allem durch internationale Beziehungen und Austausch entstanden. Für den Wissenschaftler hängt Integration sehr eng mit Bildung zusammen. In der Schule müsse Politik und Medienkunde auf eine Weise gelehrt werden, dass die Menschen mit Klischeebildern von "Ausländerbanden, die in Österreich einfallen", angstfreier umgehen können.
Umbau des AAI bis Herbst
Der Ort der Veranstaltung, das Afro-Asiatische Institut Wien, wird derzeit umgebaut und generalsaniert. "Der Umbau ist notwendig, um eine zeitgemäße und moderne Ausstattung zu garantieren", erklärt der Rektor des AAI, P. Markus Solo SVD. "Die Gottesdiensträume - christliche Kapelle, Moschee und Hindutempel - werden zentral an einen Ort verlegt. Damit wollen wir unserem Ziel, dem interreligiösen Dialog, stärker entsprechen", so der Steyler Missionar. Außerdem werden in Zukunft die Mensa und das Cafe des AAI auf die Straße hin ausgerichtet: "Wir zeigen damit Offenheit nach außen und bekräftigen das interkulturelle Miteinander".
Das AAI wurde 1959 von Kardinal Franz König gegründet. Das Haus steht für interreligiösen und interkulturellen Dialog, für Begegnung und für Frieden. Im Studentenheim finden Studierende aus aller Welt eine "Heimat auf Zeit". Die Umbauarbeiten werden im Herbst abgeschlossen.