Politiker wie Priester zu Verständlichkeit verpflichtet
Politiker sollten sich in Wahlkampfreden ebenso an den Zuhörern orientieren, wie dies auch Priester in den Predigten stets versuchen müssten: Das hat der Generalsekretär der Österreichischen Bischofskonferenz, Peter Schipka, am Mittwochmorgen in einem Gottesdienst mit Abgeordneten und Mitarbeitern des Nationalrates, der Ministerien und des Wiener Gemeinderates in der Wiener Augustinerkirche hervorgehoben. Das "verständlich machen, worauf es einem ankommt", sei ein gemeinsames Anliegen von Kirche und Politik.
Als Vorbilder für Priester- wie auch Politikeransprachen nannte der Generalsekretär den Apostel Paulus, der "auf Mission und sozusagen immer im Wahlkampf" gewesen sei. Seine in der Tageslesung aus der Apostelgeschichte (17,15 ff.) entnommene Rede auf dem Athener Aeropag enthalte durchaus nötige Kriterien für Ansprachen: Wichtig sei demnach, dem anderen mit Wohlwollen zu begegnen und ihn zu gewinnen, auch wenn man seine Grundhaltung nicht teile. Wichtig sei auch, die Zuhörer erst zu nehmen, in ihrem Horizont zu bleiben und stets zu wissen, was man ihnen zumuten könne oder was nicht.
Schipka unterstrich zugleich, ein guter Redner dürfe das "Zentrum der Botschaft" nicht vergessen. Für Priester sei es stets so, dass der Tod und die Auferstehung Jesu Christi nicht weggelassen werden könnten. Dafür gelte es auch ein Risiko einzugehen - im Falle des Völkerapostels habe dies im Spott und Arroganz seiner Zuhörer bestanden. Auch wenn es dem Apostel nicht bewusst gewesen sei, seien durch ihn dennoch einige zum Glauben gekommen, erinnerte der Generalsekretär. Dass die Rede trotz aller Genialität insgesamt wenig Erfolg hatte, "dürfte auch seiner Bescheidenheit gedient haben".
Gottesdienste mit Politikern sind in Wien in der jüngsten Vergangenheit zu einer neuen Tradition geworden. Bereits vor einem Monat war in einer ähnlichen parteiübergreifenden Messfeier, zu der Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka geladen hatte, der Anfang April verstorbenen ÖVP-Frauensprecherin Barbara Krenn gedacht worden, wobei ein Chor von Abgeordneten des Parlaments die musikalische Gestaltung übernahm. Zwei weitere, schlicht gehaltene Gottesdienste sind bis zur Sommerpause des Parlaments bereits terminisiert.
Quelle: kathpress