
Bischof Scheuer: Plädoyer für ehrenamtliches Engagement
In einer Kultur, die alles verrechnen will und den Umgang der Menschen miteinander in ein "Korsett von Rechten und Pflichten" zwingt, zeigen Ehrenamtliche, dass das "Leben ein unverdientes Geschenk ist". Darauf hat Bischof Manfred Scheuer in einem Plädoyer für kirchliches Engagement am "Tag für ehrenamtlich Engagierte in den oberösterreichischen Pfarren" hingewiesen. In seinem am Mittwoch von der Diözese Linz veröffentlichten Grußwort an rund 100 Engagierte, die sich auf Einladung der Katholischen Aktion Oberösterreich, dem Katholischen Bildungswerk und dem Pastoralamt der Diözese Linz im Stift Wilhering trafen, unterstrich Scheuer die vielen Formen des Ehrenamtes als "Ausdruck des Glaubens". Den wissenschaftlichen Impuls lieferte die Theologin Regina Polak mit einem Referat zu "Gemeinden als Initiatorinnen des Aufbruchs".
Hintergrund des "Tag für ehrenamtlich Engagierte" am vergangenen Samstag war das geplante Strukturmodell der Pfarren und Pfarrgemeinden der Diözese Linz, das den Ehrenamtlichen in Zukunft eine wesentliche Rolle zuschreiben will. So sollen Engagierte u.a. als Mitglieder der lokalen Seelsorgeteams (Mit-)Verantwortung in der Leitung der Pfarrgemeinden übernehmen.
Ehrenamtliche spielten vor allem in der Förderung von Berufungen eine wichtige Rolle, so Scheuer. Sie seien "Vorbilder, die angreifbar und ansprechbar sind", mit der Fähigkeit, den Ruf Gottes in anderen hörbar zu machen. Zudem gehe es im freiwilligen Engagement auch um "die Schlüsseldimensionen eines christlichen Gottes- und Menschenbildes, also um die Gottes- und Nächstenliebe", meinte der Linzer Bischof. Engagement sei damit auch "ein Echo der Dankbarkeit und Weitergabe der Liebe, die wir selbst erfahren haben", so Scheuer.
Polak: Gemeinden als Initiatorinnen des Aufbruchs
Gemeinden seien historisch betrachtet Orte der Lernerfahrung gewesen, erläuterte Polak, Vorständin am Institut für Praktische Theologie der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien. In ihrem Referat verwies die Theologin u.a. auf biblische Gemeinden, die laut Bibel auch von Migrationsphänomenen oder schwierigen Situation wussten.
Aktuell befinde sich die Kirche - damit auch die Gemeinden - in einer Art "Transformationskrise", betonte Polak. Sie bezeichnete vor allem aktuelle Phänomene wie etwa die sozioreligiösen Umbrüche in Europa oder die Migration als Zeichen der Zeit und somit als Lernherausforderung für christliche Gemeinden. Wenn sich Gemeinden auf diesen Lernprozess einlassen, können sie Initiatorinnen des Aufbruchs werden und Lernorte für den Glauben, zeigte sich die Theologin und Migrationsforscherin überzeugt.
Gemeinden könnten auch heute noch Aufbrüche initiieren und dadurch Kirche verändern, betonte auch Pastoralamtsdirektorin Gabriele Eder-Cakl. Für die Gemeinschaftsbildung und zur Zusammenarbeit mit Menschen braucht es dabei vor allem soziale Kompetenz, Selbstbewusstsein, Kommunikationsfreude, einen guten Umgang mit Konflikten und die Fähigkeit, Gefühle und Meinungen zum Ausdruck zu bringen. "Jedes Gemeindemitglied kann seine Stärken in diesem Sinne einsetzen", ermutigte Eder-Cakl die anwesenden Ehrenamtlichen. Aber: "Nicht jede und jeder muss alles können", betonte die Theologin.
Quelle: kathpress