
Emeritierter Bischof Kapellari begeht 85. Geburtstag
Am Dienstag feiert der emeritierte Grazer Bischof Egon Kapellari seinen 85. Geburtstag. Der 33 Jahre lang zuerst als Kärntner - von 1982 bis 2001 -, dann bis 2015 als steirischer Diözesanbischof wirkende Jubilar begeht 2021 neben seinem halbrunden Geburtstag auch sein 60-jähriges Priesterjubiläum und wurde vor 40 Jahren zum Bischof geweiht. Der Altbischof sei "ein zutiefst katholischer Mensch und Priester - katholisch im Sinne von allumfassend", würdigte der steirische Bischof Wilhelm Krautwaschl seinen Vorgänger in der Diözese Graz-Seckau in einem Brief. Kapellari war österreichweit u.a. als Jugendbischof und dann von 2001 bis 2015 als stellvertretender Vorsitzender der Bischofskonferenz und als "Medienbischof" aktiv.
Kapellaris Engagement und Aufmerksamkeit habe sich in Richtung Kirche, Kunst, Politik, Wissenschaft, Gesellschaft und Glauben gleichermaßen verteilt. "Er versucht zu helfen, wo Hilfe gefragt ist, setzt Ehrlichkeit an oberste Stelle und versteht es wie wenige andere, Zusammenhänge zu sehen und zu deuten", beschrieb Krautwaschl Kapellaris vielfältigen Einsatz.
Dank und Anerkennung zollte Krautwaschl seinem Amtsvorgänger für dessen Einsatz für die Diözese in verschiedenen Verantwortungen: Sei es als Seelsorger der katholischen Hochschulgemeinde, sei es als Bischof. Auch seine mehr als 20 Bücher "legen Zeugnis ab für die intellektuelle Tiefe des studierten Juristen und Theologen, der sieben Päpste erlebt und zwei persönlich empfangen hat", schreibt Krautwaschl. "Lieber Bischof Egon, bewahre Dir den kritischen Blick auf die Entwicklungen in Kirche und Gesellschaft und deinen feinen Humor, der hoffentlich in deinem nächsten Buch Niederschlag findet", so Bischof Krautwaschl abschließend.
Gebürtiger Leobner wird Weltenbürger
Geboren wurde Egon Kapellari am 12. Jänner 1936 in Leoben. Er studierte Theologie und Rechtswissenschaften. Nach seiner Priesterweihe 1961 war Kapellari viele Jahre als Kaplan bzw. als Hochschulseelsorger und in der Leitung des Afro-asiatischen Instituts (AAI) in Graz tätig. Diese prägende Zeit habe ihn auch für seine spätere Tätigkeit als Europabischof geprägt, meinte Kapellari in einem Interview in der ORF-Sendung "Steiermark heute" (10. Jänner). Von 1968 an war er auch für das Grazer Priesterseminar mitverantwortlich.
Ab 1982 wirkte Kapellari als Bischof der Diözese Gurk, 2001 kehrte er nach Graz zurück. Parallel dazu hatte er vielfältige nationale und internationale Aufgaben in der Österreichischen Bischofskonferenz. In seiner Zeit als Kärntner Bischof initiierte er u.a. die "St. Georgener Gespräche" mit Referenten wie Joseph Ratzinger, Karl Lehmann, Hans Urs von Balthasar oder Johann Baptist Metz. Von 1982 bis 1992 war Kapellari österreichischer "Jugendbischof" und zwei Funktionsperioden lang auch Mitglied des früheren Päpstlichen Rates für den Dialog mit den Nichtglaubenden. Von 2001 bis 2015 war Kapellari stellvertretender Vorsitzender der österreichischen Bischofskonferenz. Als "Medienbischof", war er u.a. Präsident der Katholischen Medien Akademie, Präsident und Herausgeber der Kathpress und Ansprechpartner für österreichische Medien.
In die flächenmäßig größte österreichische Diözese Graz-Seckau wechselte Kapellari nach dem Rücktritt seines Vorgängers Johann Weber. Ein Höhepunkt seiner Amtsperiode in der Steiermark sei dabei der Besuch von Papst Benedikt XVI. in Mariazell (2007) gewesen. Beeindruckt zeigte er sich aber auch von Papst Franziskus. Dieser sei ein "'Big Player', was die großen Fragen der Menschheit heute betrifft: Hunger, Frieden zwischen den Restsystemen und den Religionen und auch Frieden in der Kirche", so Kapellari im ORF-Interview.
Neben seinen vielfältigen Aufgaben als Bischof ist Kapellari auch Autor theologisch und spirituell anspruchsvoller Bücher. Sein bekanntestes Buch, "Heilige Zeichen in Liturgie und Alltag", wurde auch auf Italienisch, Polnisch, Slowenisch, Slowakisch, Spanisch und Koreanisch aufgelegt.
Heute lebt der emeritierte Bischof bei den Elisabethinen in Graz. Man bleibe zwar immer Bischof, aber "man hat versprochen - sich selbst und öffentlich -, niemandem hineinzureden, aber zu helfen, wo man noch kann", erläuterte er im ORF-Interview seinen Rückzug. Kapellari ist nach wie vor als Seelsorger und als Buchautor tätig. Er werde oft gefragt, ob er noch einen weiteren Band schreiben wolle. "Ich glaube, dass es höchstens ein Buch über Humor geben könnte", antwortete Kapellari dem "Sonntagsblatt": "Christen haben ja auch immer etwas zu lachen gehabt, auch wenn die jeweiligen Zustände eher zum Weinen gedrängt haben. So ist es auch heute."
Marketz: "Kapellari außergewöhnlicher Mensch"
Der Kärntner Diözesanbischof Josef Marketz hat den ehemaligen Gurker und nunmehrigen emeritierten Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari als "außergewöhnlichen Menschen, Priester und Bischof" gewürdigt. Bischof Kapellari sei in seiner Konsequenz, mit welcher er seinen Weg als Mensch, Priester und Bischof gehe, zu bewundern. "Bischof Kapellari ist darin für viele, auch für mich, im positiven Sinne eine bleibende Herausforderung", so Marketz, der dem Jubilar auch in einem persönlichen Schreiben zu seinem 85. Geburtstag gratuliert hat, wie die Diözese Gurk am Dienstag mitteilte.
Kapellari verstehe es in "einzigartiger und besonderer Weise, herausragenden Intellekt mit ausgeprägtem sozialen Verständnis zu verbinden". Als 64. Bischof der Diözese Gurk habe Bischof Kapellari "bleibende Spuren in Kärnten hinterlassen", die er, so Bischof Marketz, anlässlich des Bischöflichen Jubiläums von Bischof Kapellari im Dezember noch entsprechend würdigen werde.
Kapellari wird sich zeitnah zum 7. Dezember, 40 Jahre nach seiner Ernennung zum Kärntner Diözesanbischof, mit seinen amtierenden Nachfolgern in den Diözesen Gurk und Graz, den Bischöfen Marketz und Krautwaschl, im steirischen Benediktinerstift St. Lambrecht zum Gebet und Gedankenaustausch treffen, wie es in der Aussendung der Diözese Gurk hieß.
Quelle: kathpress