
Innsbruck: Theologische Sommertage über "Ethik und Spiritualität"
Mit dem Thema "Wofür es sich zu leben lohnt. Zum Verhältnis von Ethik und Spiritualität" beschäftigt sich die Theologische Fakultät der Universität Innsbruck auf ihrer heurigen Sommertagung. Es brauche inmitten der "Krisencluster unserer Zeit nicht nur Virologen, Soziologen, Politologen und Meinungsforscher, sondern auch Menschen, die geistige Quellen erschließen, bedrängende Fragen in einen größeren Horizont stellen und von Gott her Zukunft erschließen", zeigte sich der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler in seinem Grußwort am Montag überzeugt.
Der spirituelle Hunger sei aktuell offensichtlich. Auch wenn dieser kaum benannt werde, sei er ablesbar, "auf der Negativfolie großer Empörungsbereitschaft, Gereiztheit und Aggressivität in den diversen gesellschaftlichen Diskursen", so der Bischof. Aufgrund der hohen "Nervosität unserer Zeit" sei Spiritualität gefragt. "Das Zeugnis des Glaubens und dessen theologische Vermittlung sind wichtiger denn je", christliche Theologie müsse "verlässliche Hoffnungsspuren" aufzeigen.
Dabei sei Spiritualität im heutigen Sprachgebrauch ein "weiter, vielfach ausgefranster Begriff", der um die "zentralen Sehnsuchtsfelder von Erkenntnis, Heilung und Lebensenergie" kreise. Es sei deshalb wichtig, das Spezifische christlicher Spiritualität herauszuarbeiten. Diese sei immer jesuanisch, "hundertprozentig am Herzschlag des barmherzigen Gottes orientiert und entschlossen weltzugewandt", so Glettler.
Christliche Spiritualität lebe vom "Zuerst-Geliebt-Sein durch Gott" und wehre sich damit "geistvoll widerständig gegen jede Vereinnahmung und Funktionalisierung des Menschen". Damit sei sie "kein frommer Dekor für ein saturiertes bürgerliches Leben, sondern grundlegend für eine Ethik, die eine gute Zukunft für alle Menschen im Blick hat", so Bischof Glettler.
Umfangreiches Programm
Neben Bischof Glettler kamen am Montag und Dienstag bei den Theologischen Sommertagen zahlreiche Theologen und Ethiker zu Wort. So sprach der Innsbrucker Dogmatiker Willibald Sandler zum Thema "Evangelikal und katholisch? Chancen und Risiken eines neuen ökumenischen Phänomens". Die Ethikerin Anna Kraml referierte unter dem Thema "Was habe ich dir getan, dass du mich nun schon dreimal geschlagen hast?" über Tierethik im Alten Testament. Der in Innsbruck lehrende Theologe und Philosoph Johannes Hoff setzte sich unter der Leitfrage "Wozu braucht man Religionen heute?" mit der Spiritualität als Schlüssel zur christlichen Tradition auseinander.
Der Moraltheologe Stefan Hofmann sprach über "Die unverzichtbare Bedeutung der Spiritualität für die christliche Moral" und der Theologe und Jesuit Bruno Niederbacher stellte "eine Erkenntnistheorie der Ignatianische Spiritualität" vor. Der Theologe Wilhelm Guggenberger hielt einen Vortrag zum Thema "Gott, du Freund des Lebens! Zu einer Spiritualität der Weltverantwortung".
Die Innsbrucker Theologischen Sommertage 2022 haben es sich zum Ziel gemacht, den Forschungsertrag aktueller theologischer Arbeit einem interessierten Publikum zugänglich zu machen. Neben der kostenfreien Teilnahme vor Ort ist es für Interessierte auch im Nachgang der Tagung möglich, die Beiträge im Rahmen der Sendereihe "Sonntagsakademie" von "Radio Grüne Welle" mehrere Wochen lang in dessen Audiothek nachzuhören. (Infos: www.rgw.it)
Quelle: kathpress