
Sr. Beatrix Mayrhofer 75: "Berufung zum Dienst für Menschen am Rand"
Die langjährige Präsidentin der Vereinigung von Frauenorden Österreichs, Sr. Beatrix Mayrhofer, ist überzeugt, dass das gleichberechtigte Miteinander von Ordensmännern und Ordensfrauen ein "gutes Beispiel für das Zusammenleben von Männern und Frauen in der Kirche überhaupt" sein kann. Das sagte die Theologin und Pädagogin in der jüngsten Folge des Podcasts der Ordensgemeinschaften, "Orden on air". In dieser spricht Sr. Mayrhofer anlässlich ihres 75. Geburtstags am Samstag (15. April) über Erfahrungen bei ihren vielfältigen Tätigkeiten innerhalb Österreichs Kirche.
Besonders prägend sei für sie die Zeit Gründung der Österreichischen Ordenskonferenz gewesen, so die einst oberste Ordensfrau des Landes. Das Zusammenwachsen der Vereinigung von Frauenorden (VFÖ) mit der Superiorenkonferenz der männlichen Orden "war ein sehr bewusster Schritt, Frauen und Männer gleichzusetzen", erinnerte sich Mayrhofer, die seit mehr als 50 Jahren dem Orden der Armen Schulschwestern von Unserer Lieben Frau angehört. Ursprünglich waren die Frauengemeinschaften von der Superiorenkonferenz "mitvertreten" worden, so Mayrhofer.
Die Gründung der VFÖ basierte hingegen darauf, dass die Frauenorden sich selbst vertreten konnten und wollten. "Ich glaube, jetzt sind wir so weit in der Kirche, auch in den Ordensgemeinschaften Österreich, dass wir gleichberechtigt den gemeinsamen Weg gehen", zeigte sich Mayrhofer überzeugt. Es habe sich inzwischen zu einem guten gemeinsamen Weitergehen in die Zukunft entwickelt. "Für mich ist das eine Erfolgsgeschichte." Die hierarchisch verfasste Kirche könne von der Ordenskirche lernen, wie Männer und Frauen zusammenarbeiten, so die Schulschwester. Die Kirche könne auf die Frauen nicht verzichten.
Besonders geprägt habe sie auch das Zusammentreffen mit den Flüchtlingen in der Votivkirche 2012, "wo ich das erste Mal wirklich diesem sehr persönlichen Flüchtlingselend begegnet bin", erinnerte sich Sr. Mayrhofer. Sie empfinde diese Begegnung nachträglich sogar als Initialzündung für ihre Präsidentschaft bei den Frauenorden. "Es war ganz klar: Wenn wir im Dienst für die Menschen sind, dann stellt sich für uns die Frage, wer sind die Menschen am Rand der Gesellschaft? Wer sind die Menschen, die unsere Aufmerksamkeit brauchen? Wer sind die Menschen, auf die sonst niemand schaut?" Das sei eine "innere Berufung" für sie geworden, "eine Stimme zu sein für genau diese Menschen am Rande der Gesellschaft".
Schülerin Ratzingers
Beatrix Mayrhofer wurde 1948 als Tochter eines Mesners in Taufkirchen an der Trattnach in Oberösterreich geboren. Damit sei ihr die Berufung in eine Ordensgemeinschaft quasi in die Wiege gelegt worden, "ich bin auch sozusagen in der Herz-Jesu-Kirche in Wels buchstäblich aufgewachsen", erinnerte sie sich. Nach den Plänen der Familie sollte sie Verkäuferin werden, ihr Onkel, ein Priester, habe sie aber schließlich in die Oberstufe der Franziskanerinnen von Vöcklabruck vermittelt. "Und so verdanke ich der Großzügigkeit einer Ordensgemeinschaft, dass ich die Matura machen durfte", erklärte Mayrhofer.
Nach der Matura wurde sie zunächst Volksschullehrerin, anfangs in der Heimat, dann im 15. Wiener Gemeindebezirk bei den Schulschwestern in der Friesgasse, wo sie später für viele Jahre auch als Direktorin tätig sein sollte. Sie trat in den Orden der Schulschwestern ein, studierte Deutsch und Geschichte als Lehramt und später auch Theologie. Später wechselte sie während ihres Noviziats nach München und setzte anschließend an der Universität Regensburg ihr Theologiestudium fort - u.a. bei dem damals dort lehrenden Theologieprofessor Josef Ratzinger, der später Papst Benedikt XVI. werden sollte.
"Ich habe ihn mit großer innerer Dankbarkeit gehört; es ist mir in seinen Vorlesungen die ganze theologische Welt aufgegangen", erinnerte sich Sr. Mayrhofer an die Vorlesungen Ratzingers. "Sein theologisches Denken und seine unglaubliche Weisheit, sein Wissen, seine Kenntnis der Literatur, sein freies Zitieren quer durch die Literatur und die Kirchenväter. Es war ein Vergnügen." Während sie von dem jungen Theologieprofessor voll Enthusiasmus erzählte, sah sie den späteren Papst ein kritischer: "Man muss wohl sagen, dass er sich sehr viel besser im Denken und im Philosophieren ausgekannt hat als im Verhalten von Menschen."
Ordensfrau statt Klosterschwester
Zurück in Wien wurde Sr. Mayrhofer für zwei Amtsperioden lang zur Provinzoberin ihrer Gemeinschaft gewählt, um anschließend die Leitung des Gymnasiums im Bildungszentrum Friesgasse zu übernehmen. Später wurde sie Präsidentin der Vereinigung von Frauenorden und folgte dabei Sr. Kunigunde Fürst nach, die überraschend nach Kasachstan ging.
Prägend für die Amtszeit von Sr. Beatrix Mayrhofer war auch die Gründung von SOLWODI Österreich. Sie ging Hand in Hand mit dem Bewusstmachen eines neuen Selbstwertgefühls, das sich auch im Sprachgebrauch äußerte - weg von der Klosterschwester, hin zur Ordensfrau. "Wir sind Frauen, wir sind Ordensfrauen", zeigte sich Sr. Beatrix auch mit 75 selbstbewusst. "Und wir zeigen uns mit den Frauen dieser Welt solidarisch!" Das beweise auch die Gründung des SOLWODI-Schutzhauses, wo "es wirklich zum Ausdruck kommt, wie wir Frauen uns für Frauen und dafür, dass sie in dieser Gesellschaft in Würde Frau sein können, einsetzen".
Ans Aufhören denke sie jedenfalls nicht, sagte Sr. Mayrhofer. Auch wenn der Bildungscampus Friesgasse 2022 an die Vereinigung von Ordensschulen Österreichs übergeben wurde, sei Langweile "definitiv nicht vorhanden". Schlusssatz der Schulschwester: "Ordensfrauen gehen nicht in Pension, man wechselt nur die Aufgabe im Kloster." (Link zum Ordens-Podcast: https://ordensgemeinschaften.at/artikel/7130-17)
Quelle: kathpress