
Synodenpräsident Krömer sieht Religionsfreiheit unter Druck
Nach mehr als 30 Jahren als Präsident der Evangelischen Synode A.B. und der Generalsynode (Evangelische Kirche A.u.H.B), legt der St. Pöltner Rechtsanwalt Peter Krömer mit Anfang Juli dieses Ehrenamt zurück. Im Interview mit Kathpress und dem Evangelischen Pressedienst epd zog Krömer eine Bilanz seiner Tätigkeit an der Spitze des höchsten Gremiums der Evangelischen Kirche in Österreich. Sorgen bereiteten dem Juristen dabei so manche rechtliche Entwicklungen, die die Religionsfreiheit zunehmend unter Druck bringen.
Kritisch äußerte der Jurist etwa zu manchen Konsequenzen des Diskriminierungsverbotes. Für welche Stellen kann die Evangelische Kirche noch dezidiert verlangen, dass die Bewerberinnen und Bewerber evangelisch sein müssen? Bei geistlichem Personal sei das keine Frage, doch wo liege die Grenze. So hätte der Gesetzgeber ursprünglich intendiert, dass die Kirche etwa bei der Ausschreibung für das Sekretariat einer Pfarrgemeinde - die Erstanlaufstelle für organisatorische wie kirchlich-seelsorgliche Angelegenheiten-, oder den Dienst als Küster (Mesner), der auch liturgische Aufgaben beinhalten kann, nicht mehr verlangen dürfe, dass die Person evangelisch sein müsse. Nach mühsamen Verhandlungen habe man diese Punkte vorerst weitgehend abwenden können, doch es bleibe ein steter Abwehrkampf, so Krömer.
Auch die von der Datenschutz-Grundverordnung massiv betroffene Krankenhausseelsorge ist für Krömer ein "zutiefst frustrierendes" Thema. Seit Einführung der DSVGO werden die Daten evangelischer Patientinnen und Patienten nicht mehr an die Seelsorge weitergegeben, was eine Betreuung oft verhindere. Die evangelischen Seelsorgerinnen und Seelsorger seien auf diese Daten angewiesen, da sie aus Kapazitätsgründen nicht immer in den Krankenhäusern präsent sein könnten. In manchen Spitälern sei die Krankenhausseelsorge auf Null zurückgegangen, schlug Krömer Alarm.
"Nach wie vor schmerzlich ist der Karfreitag", erinnert Krömer zudem an dessen Abschaffung als gesetzlichen Feiertag für Evangelische und Altkatholiken in Österreich.
Seit 1992 Synodenpräsident
Bereits ab 1971 war Peter Krömer in kirchlichen Funktionen tätig. 1984 wurde er das erste Mal in die Synode als Delegierter Niederösterreichs gewählt, im November 1992 das erste Mal zum Präsidenten. Auf die Frage, was ihm als Synodenpräsident gelungen sei, meinte er, "das sollen Kirchenhistoriker beurteilen". Er selbst freue sich jedenfalls etwa über die Einführung des neuen Evangelischen Gesangbuches Mitte der 1990er-Jahre, "eine meiner ersten schwierigen Aufgaben". Dieses präge immerhin das gottesdienstliche Leben entscheidend mit, genauso wie die seinerzeitige Einführung des "Kinderoffenen Abendmahls". Nach diesbezüglich anfänglichen heftigen Diskussionen in der Synode sei es heute nicht mehr vorstellbar, Abendmahl ohne Kinder zu feiern. Ebenfalls positiv sieht er die Einbindung ins kirchliche Leben von Menschen auf der Flucht, die zum Christentum und evangelischen Glauben konvertieren. In vielen Pfarrgemeinden sei durch Migration eine positive Bewegung eingetreten. Überhaupt befassten sich die meisten Resolutionen, die von der Synode A.B. und Generalsynode unter seiner Amtszeit gefasst wurden, mit Fremden- und Flüchtlingsfragen, resümiert der Langzeitpräsident.
Evangelische Kirche wird kleiner
Sorge bereitet Krömer, dass die Evangelische Kirche in den letzten 30 Jahren deutlich kleiner geworden sei. Der Grund dafür liegt laut dem scheidenden Synodenpräsident einerseits daran, dass es mehr Sterbefälle als Taufen sowie mehr Kirchenaustritte als -eintritte gibt. Das Schrumpfen sei aber auch darauf zurückzuführen, dass nach ökumenischen Trauungen "wesentlich mehr Evangelische ihre Kinder römisch-katholisch taufen haben lassen". Anlass dafür seien oft ganz praktische Gründe wie Unterschiede beim Stundenplan des jeweiligen Religionsunterrichts.
Trotzdem: Was die Ökumene betrifft, zog Krömer grundsätzlich ein positives Resümee. In vielen Regionen gehöre es "zur guten Tradition", dass verschiedenste evangelische Pfarrgemeinden mit anderen Konfessionen einige Male im Jahr ökumenische Gottesdienste feiern. Positiv bewertete der scheidende Synodenpräsident auch, dass 1994 die Römisch-katholische Kirche als Vollmitglied dem Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) beigetreten ist.
Nach wie vor spannungsvoll sieht Krömer das Thema der Segnung von gleichgeschlechtlichen Ehepaaren in der lutherischen Kirche. 2019 hatte die Synode A.B. nach langer Debatte einen Kompromiss gefunden, wonach die Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren in einem öffentlichen Gottesdienst möglich wurde.
Präsidentenwahl am 29. Juni
Peter Krömer hatte schon vor längerem angekündigt, noch vor Ende seiner fünften Amtsperiode als Synodenpräsident einen geordneten Übergang zu ermöglichen und vorzeitig zurückzutreten. Zwei Kandidatinnen und ein Kandidat treten am 29. Juni bei der Wahl zur Präsidentin bzw. zum Präsidenten der Synode der evangelischen Kirche A.B. und der evangelischen Generalsynode in Wien an. Es stellen sich die burgenländische Superintendentialkuratorin Christa Grabenhofer, die niederösterreichische Superintendentialkuratorin Gisela Malekpour und Helmut Tichy, Kurator der Pfarrgemeinde Wien - Innere Stadt, der Wahl um die Spitze im höchsten gesetzgebenden Gremiums der Kirche.
Das Kirchenparlament setzt sich aus rund 70 Delegierten aus allen österreichischen evangelischen Diözesen zusammen und hat weitreichende Entscheidungsbefugnisse. In der Generalsynode der evangelischen Kirche A.u.H.B. (Landeskirche) sind die Synoden der evangelisch-lutherischen Kirche (Kirche A.B.) und der evangelisch-reformierten Kirche (Kirche H.B.) zur Wahrung ihrer gemeinsamen Belange zusammengeschlossen.
Quelle: kathpress