
OÖ: Neue Suizid-Präventionskampagne "Weil es das Leben wert ist"
Mit einer landesweiten Kampagne möchte das Land Oberösterreich das Bewusstsein für das Thema Suizidprävention stärken und Zugänge zu Unterstützungsangeboten aufzeigen. Mit Plakaten, Citylights und Railscreens wird in den Bahnhöfen in Linz und Wels und in allen Gemeinden ab sofort und bis 30. Juni auf das Thema aufmerksam gemacht. Die Kampagne steht unter dem Motto "Weil es das Leben wert ist". Kooperationspartner ist die Suizidprävention SUPRA.
Jährlich sterben mehr Menschen in Österreich durch Suizide als durch Verkehrsunfälle. Mehr als drei Menschen begehen täglich in Österreich Suizid. Damit ist die Selbsttötung bei den unter 50-Jährigen eine der häufigsten Todesursachen, bei der Altersgruppe der 15- bis 29-Jährigen sogar die zweithäufigste nach Unfällen, wie es im Rahmen einer Pressekonferenz am Freitag in Linz hieß.
"Das sind nicht nur Statistiken, das sind Schicksale, die uns alle berühren. Es ist unsere Verantwortung als Gesellschaft, nicht wegzusehen, sondern aktiv zu werden", so Landeshauptmann-Stellvertreterin Christine Haberlander. Die Kampagne sei ein Aufruf zum Handeln und zur Menschlichkeit. Es gehe darum, "Hoffnung zu vermitteln und zu zeigen, dass es immer Unterstützung gibt, egal wie ausweglos die Situation erscheinen mag".
"Oft ist es ein einfaches, offenes Gespräch, das den Unterschied ausmacht zwischen Hoffnungslosigkeit und dem Finden eines Lichtblicks", ergänzte Silvia Breitwieser, Leiterin der Telefonseelsorge OÖ. Die Kampagne unterstreiche die Kraft des Dialogs, indem man die Hand ausstrecke, ein offenes Ohr biete und über verfügbare Ressourcen informiert.
Hilfe suchen ist Zeichen von Stärke
Auch die Psychiaterin Katharina Glück betonte die Wirkkraft der Prävention: "Als Ärztin sehe ich täglich die Auswirkungen von Krisen auf das menschliche Leben, und ich weiß, wie wichtig frühzeitige Interventionen sind. Unsere Kampagne zielt darauf ab, Interventionen leicht zugänglich zu machen, indem wir Informationen über Unterstützungsangebote einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Wir möchten, dass jeder weiß: Es gibt Hilfe, es gibt Hoffnung, und es ist mutig, um Unterstützung zu bitten!"
Suizide würden nicht nur Personen mit psychiatrischen Erkrankungen betreffen, sondern könnten auch dann auftreten, wenn eine Lebenskrise das bisherige Sein auf den Kopf stellt und ein Weiterleben unter den momentanen Umständen nicht mehr möglich erscheint. Wie der Rückgang der Suizidrate in Österreich seit Mitte der 1980er-Jahre zeigt, lasse sich dieser Zustand jedoch durch gezielte präventive Maßnahmen überwinden, was zu einer Senkung der Suizidrate führt.
Johann Pluy, Mitglied des Vorstands der ÖBB-Infrastruktur AG, wies auf die Vorfälle mit tödlichem Ausgang auf Bahnanlagen hin. Besonders belastend sei es, wenn es sich nicht um einen Unfall handle. "Neben unseren eigenen Initiativen für mehr Bewusstsein rund um die Gefahren auf Bahnhöfen, bei Stromleitungen und Gleisen unterstützen wir im Rahmen unserer Möglichkeiten auch präventive Maßnahmen wie jene der Seelsorge", so Pluy. Deshalb nehme man auch an der Kampagne teil.
(S E R V I C E - Sie sind in einer verzweifelten Lebenssituation und brauchen Hilfe? Sprechen Sie mit anderen Menschen darüber. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr und gebührenfrei unter der Notrufnummer 142 erreichbar sowie unter www.telefonseelsorge.at. Spezielle Hilfe für Jugendliche bietet "Rat auf Draht", Notrufnummer 147. Hilfsangebote für Personen mit Suizidgedanken und deren Angehörige bietet das Gesundheitsministerium unter www.suizid-praevention.gv.at)
Quelle: kathpress