
Krautwaschl: Glaube muss sich auch in turbulenten Zeiten bewähren
Christsein ist nichts für nur "Schönwettertage", Glaube hat sich vielmehr auch und gerade in turbulenten Zeiten zu bewähren. Darauf hat der Grazer Bischof Wilhelm Krautwaschl in einer Predigt in Altrei im Südtiroler Fleimstal hingewiesen, wo sein Vorgänger als steirischer Bischof, der dort vor 200 Jahren geborene Johann B. Zwerger, im Mittelpunkt eines Gedenkgottesdienstes stand. Krautwaschl nahm Bezug auf die Stelle im Neuen Testament, da der zunächst noch schlafende Jesus einen Sturm auf dem See Genezareth stillt und die ängstlichen Jünger zu Vertrauen und Gelassenheit auffordert. Dies sei auch heute angezeigt, wenn es angesichts von Themen wie Synodalität, Gerechtigkeit, Frieden, Klimakrise, Migration oder künstliche Intelligenz "drunter und drüber" geht.
"Auch uns wird heute Jesu unverbrüchliche Nähe verkündet", betonte Krautwaschl und erinnerte an das Versprechen Christi, "uns immer zu begleiten, bis zum Ende". Auch heute sei der Glaube gefordert und herausgefordert, und auch heute gelte es, "seinem Wort zu vertrauen, es in uns wirken, aufkeimen und Frucht bringen zu lassen".
Der Grazer Bischof sagte über seinen von 1867 bis 1893 amtierenden Vorgänger Zwerger, auch dieser habe in einer Zeit gelebt, da die Kirche "in einem Meer von Aufruhr von gefährlichen Wellen erschüttert" wurde. Der gebürtige Südtiroler habe während des Kulturkampfes rund um das Erste Vatikanische Konzil und den Verlust des Kirchenstaates versucht, "die Mitte des Glaubens zu erneuern, hatte doch die Religionskritik der Aufklärung viele Menschen in eine Distanz zum Glauben und zur Kirche gebracht". Zwergers Rückhalt sei die in seiner Heimat hochgehaltene Herz-Jesu-Verehrung gewesen, so Krautwaschl, er habe u.a. auf Volksmissionen, die Neugründung von Kirchen und ein umfangreiches Schrifttum gesetzt. Im Konzilsjahr 1870 verfasste Zwerger Abhandlungen über die Unfehlbarkeit des Papstes, über "Die Notwendigkeit, die weltliche Herrschaft des Papstes wiederherzustellen" und über die Pflichten der Katholiken in Zeiten von Bedrängnissen für die Kirche.
Zwergers Denken, Schreiben und Reden sei "in der Sprache der Zeit, in der er lebte, erfolgt", sagte Krautwaschl. "Aber die Herzmitte unseres Glaubens war damals und ist heute dieselbe: Gottes unergründliche Liebe hat sich in Seinem Sohn auf unüberbietbare Weise dieser Welt geschenkt." Und Christen aller Jahrhunderte - "mit all ihren Großartigkeiten wie auch den Schwächen" - seien dazu berufen, mitten in der Welt, in der sie leben, Jesus Christus und seine Liebe zu verdeutlichen, "die sich inmitten der Stürme der Zeit als nahe erweist".
Quelle: kathpress