
Krautwaschl über Romero-Preisträger:
Kirche nicht selbstgenügend
Krautwaschl über Romero-Preisträger:
Kirche nicht selbstgenügend
Bischof Wilhelm Krautwaschl und der Träger des renommierten Romero-Preises 2025, der Priester Luis Zambrano (79), haben am Sonntag den Gottesdienst im Wiener Stephansdom zelebriert. Zwischen dem Einsatz des peruanischen Menschenrechtsaktivisten und dem an diesem Tag gefeierten Christkönigsfest bestehe ein Zusammenhang, befand der Grazer Oberhirte: Wenn die Kirche Christus als Herrn schlechthin anerkenne, so sehe sie die Welt als "etwas, was der Vervollkommnung bedarf", erst recht, wenn es sich um himmelschreiendes Unrecht handle. Niemals dürfe sie sich selbst genügen.
Krautwaschl verwies auf die Arbeit Zambranos im peruanischen Hochland, wo Gemeinden von Armut, politischer Instabilität und struktureller Benachteiligung betroffen seien. Berichte über jüngste Übergriffe auf Menschen, die sich dort friedlich gegen ihre Lebensumstände gewandt hätten, zeigten nach seinen Worten, dass Einsatz für grundlegende Rechte "nicht selbstverständlich geschützt" sei. Der Romero-Preisträger stehe exemplarisch für Personen, die sich trotz widriger Bedingungen für Würde und Gerechtigkeit einsetzten.
Gleichzeitig erinnerte der Bischof daran, dass Österreich seit Jahrzehnten in stabilen und sicheren Verhältnissen lebe. Daraus erwachse eine besondere Verantwortung, Menschen in Regionen mit prekären Lebensbedingungen zu unterstützen. Christlicher Glaube meine stets auch Blickrichtung über die eigenen Grenzen hinaus. "Wir feiern nie nur für uns", sagte Krautwaschl und betonte, liturgisches Handeln schließe immer die gesamte Menschheitsfamilie ein.
Auch auf Herausforderungen in westlichen Gesellschaften ging der Bischof ein. Kritik an kirchlichem Engagement oder am persönlichen Glaubenszeugnis sei heute verbreitet; manche würden als "Gutmensch" bezeichnet oder ihr religiöses Leben als rückwärtsgewandt bewertet. Für Krautwaschl verdeutlichen solche Erfahrungen, dass Glaubenspraxis weiterhin "Bekenntnis und Haltung" erfordere.
Der Romero-Preis, der jährlich an Personen vergeben wird, die sich in besonderer Weise für Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit einsetzen, sei nach Ansicht Krautwaschls ein Zeichen kirchlicher Verbundenheit mit diesen Anliegen. Er dankte Zambrano für dessen Einsatz und versicherte ihm die Solidarität der österreichischen Kirche. "Ihr seid nicht allein", betonte der Bischof. "Wir wissen uns mit euch verbunden und tragen euch im Gebet."
Einsatz für Opfer staatlicher Gewalt
Zambrano hatte eine Woche zuvor den von der Katholischen Männerbewegung und der entwicklungspolitischen Aktion Sei so frei vergebenen Romero-Preis 2025 erhalten. Die Auszeichnung gilt als eine der bedeutendsten österreichischen Ehrungen für Engagement im Bereich Entwicklung und Menschenrechte in Afrika und Lateinamerika. Bischof Krautwaschl hatte den Preis im Rahmen eines Festakts in Graz überreicht.
Zambrano studierte Theologie in Lima, Innsbruck und Tübingen und kehrte nach der Priesterweihe 1982 in die Diözese Puno zurück. Dort engagierte er sich während der gewaltsamen Konfliktjahre der 1980er gegen Übergriffe, dokumentierte Menschenrechtsverletzungen und unterstützte Betroffene juristisch wie humanitär. Später gründete er die Organisation FEDERH und initiierte soziale Projekte. 2023 begleitete er Überlebende eines Massakers in Juliaca und setzte sich für deren Rechte ein. Seine befreiungstheologisch geprägte Arbeit spiegelt sich auch in seinen poetischen Texten wider. Eine vom ORF produzierte Dokumentation über sein Wirken wird im Dezember ausgestrahlt.
Kirche soll "prophetischer" sein
In einem Interview mit der "Kleinen Zeitung" (Sonntag) zeigte sich Zambrano froh darüber, "dass es auch in Österreich ein Bewusstsein für unsere Lage gibt", wobei er sich auch auf die schon lange währende Unterstützung seiner Arbeit durch die KMBÖ bezog. Er hoffe darauf, dass der ihm zuerkannte Romero-Preis "der Sache der Gerechtigkeit hilft".
Zur Situation der Kirche erklärte Zambrano, er sehe "keinen Mangel von Priestern, sondern von engagierten Laien, Frauen und Männern". In Lateinamerika stünden diese trotz des Vatikanischen Konzils und trotz aller Bemühungen von Papst Franziskus noch immer am Rand. "Was wir brauchen, ist eine prophetische Kirche - getragen vom Papst, den Priestern und den Laien", so der peruanische Geistliche.
Quelle: Kathpress