
"Erwartet wurden Zahlen, gekommen sind Menschen"
Das Heilige Jahr 2025 hat nach Einschätzung des Heilig-Jahr-Beauftragten der Österreichischen Bischofskonferenz, Michael Max, in Rom vor allem als geistliches Ereignis der Hoffnung nachhaltige Wirkung entfaltet. "Erwartet wurden Zahlen, gekommen sind Menschen", resümierte der Rektor der deutschsprachigen Priesterkirche Santa Maria dell'Anima zum Abschluss des Jubiläumsjahres im Interview mit "Vatican News". Die Begegnungen mit Pilgerinnen und Pilgern aus aller Welt, ihre Fragen, ihre Gottesdienste und ihre persönliche Glaubenssuche hätten das Heilige Jahr geprägt und für ihn selbst zu einer eindrucksvollen Erfahrung gemacht, sagte Max.
Das Heilige Jahr mit seinem Motto "Pilger der Hoffnung" endet offiziell am 6. Jänner mit der Schließung der Heiligen Pforte am Petersdom durch Papst Leo XIV. Das Leitmotiv sei im Alltag des Jubiläums vielfach konkret erfahrbar gewesen, betonte der Anima-Rektor. Zwar habe es unter den Pilgernden eine große Bandbreite an Zugängen gegeben - von Neugier bis tiefer Vorbereitung -, doch insbesondere der Weg durch die Heilige Pforte habe für viele eine spürbare innere Verdichtung bedeutet. Auf der Via della Conciliazione sei häufig eine wachsende Spannung in den Gruppen zu erleben gewesen, die sich im Durchschreiten der Pforte entladen habe. "Man hat gespürt: Das ist für die Menschen etwas Besonderes", berichtete Max.
Auch in der Beichtpraxis habe sich das Heilige Jahr bemerkbar gemacht. In der Anima sei es dank eines kontinuierlichen Beichtdienstes zu zahlreichen Gesprächen gekommen, darunter mit Menschen, die seit Jahrzehnten nicht mehr gebeichtet hätten. Der Zusammenhang zwischen Beichte, Versöhnung und dem Gang durch die Heilige Pforte sei vielfach bewusst gewesen. Ob und wie tief diese Erfahrungen nachwirkten, lasse sich nicht messen, räumte Max ein. Dennoch sei er überzeugt, dass viele Pilgerinnen und Pilger "ein bisschen anders nach Hause zurückgekehrt sind, als sie gekommen sind".
Mit Blick auf die kirchliche Bedeutung des Jubiläums stellte Max fest, dass das Heilige Jahr 2025 stärker nach innen gerichtet gewesen sei als frühere Jubiläen. Während das Heilige Jahr 2000 unter Johannes Paul II. auch deutliche politische Akzente gesetzt habe, sei der diesmalige Schwerpunkt stärker spirituell gewesen. Einen Schlüssel dafür sieht Max in der Ankündigungsbulle von Papst Franziskus, der das Jubiläum in einen größeren zeitlichen Bogen stelle - von 2000 über das Heilige Jahr der Barmherzigkeit 2016 bis hin zum Jahr 2033, dem Jubiläum "2000 Jahre Erlösung".
Grundsätzlich hätten Heilige Jahre auch im dritten Jahrtausend ihre Berechtigung. Sie machten sichtbar, dass Kirche eine weltumspannende Gemeinschaft mit einer weltumspannenden, hoffnungsvollen Botschaft sei. Mit Blick auf 2033 - ein Jubiläum, das auch ökumenische Perspektiven eröffnen könnte - zeigte sich Max überzeugt, dass solche Jahre Menschen mobilisieren, Themen setzen und Kirche im besten Sinn missionarisch wirksam werden lassen.
Geprägt von Franziskus und Leo
Besonders prägend seien für ihn persönlich die abendlichen Rosenkranzgebete auf dem Vorplatz des Petersdoms während der Krankheit von Papst Franziskus gewesen. In schlichter Form, aber großer Intensität hätten sich dort Menschen versammelt, um gemeinsam zu beten. Diese Abende seien zu einem starken Zeichen der Hoffnung geworden - auch über das eigentliche Heilige Jahr hinaus. Franziskus sei in seiner Schwäche selbst zu einem "Pilger der Hoffnung" geworden, so Max.
Das Jubiläum 2025 war zugleich erst das zweite Heilige Jahr der Kirchengeschichte, das von zwei Päpsten geprägt wurde. Der Tod von Franziskus und die Wahl von Papst Leo XIV. hätten dem Jahr eine besondere Dynamik verliehen. Während die ersten Monate von der Abwesenheit des Papstes geprägt gewesen seien, habe sich nach dem Konklave eine spürbare Aufbruchsstimmung eingestellt. Von einem sprunghaften Anstieg der Pilgerzahlen wollte Max jedoch nicht sprechen, da große Wallfahrten langfristig geplant würden.
Für den neuen Papst sei das laufende Heilige Jahr eine Hilfe gewesen, rasch in seine Rolle hineinzuwachsen. Max wünschte Leo XIV. für sein erstes volles Amtsjahr vor allem, dass ihm die Freude an seinem Dienst erhalten bleibe. Diese Freude sei in der Begegnung mit Menschen deutlich spürbar. Zugleich verband er damit die Hoffnung auf viele Reisen und darauf, dass Leo XIV. seinen Weg als Hirte der Kirche im Dienst der Einheit gehe.
Quelle: kathpress