
Bischof Glettler: Nein zur Orientierung am Recht des Stärkeren
Der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler hat zum Dreikönigsfest zu Ehrlichkeit und Barmherzigkeit statt rücksichtsloser Machtspiele und Orientierung am Recht des Stärkeren aufgerufen. "Gottes Geist inspiriert, ermutigt und befähigt uns immer mehr zu einem alternativen, menschlicheren Weg - auch wenn uns Ideologien, welcher Art auch immer, weismachen wollen, dass es nur Schwarz und Weiß gibt", sagte Glettler am Dienstag beim Gottesdienst zum Hochfest "Erscheinung des Herrn" (Epiphanie) im Innsbrucker Dom. "Es liegt an uns, den anderen Weg zu wählen", betonte der Bischof. Der "Schatz des Glaubens" gebe dabei Orientierung.
Die biblische Erzählung von den Sterndeutern sei "alles andere als eine liebliche Geschichte zum Dreikönigstag", sondern "unfassbar aktuell", so Glettler. Sie handle von extremer Orientierungslosigkeit, Angst vor Machtverlust und Täuschung und Rache. "Aber es geht auch um eine herzhafte Gottsuche, um Aufbruch, Freude, Anbetung und Neuorientierung", unterstrich der Bischof.
Rücksichtslose Machtspiele forderten heute das Leben von Millionen, ging Glettler auf die politische Weltlage ein. "Wahrheit und Menschenrechte werden dem Willen der Stärkeren untergeordnet. Nicht das Völkerrecht zählt, sondern das Ölgeschäft", kritisierte er.
Statt Desinformationen und Propaganda brauche es die Entscheidung für die Wahrheit, forderte der Bischof und dankte Bundespräsident Alexander Van der Bellen ausdrücklich für dessen Worte in der Neujahrsansprache: "Wir können der Welt zeigen, dass es zwischen dem Recht des Stärkeren und rein kapitalistischen Interessen einen anderen Weg gibt. Dieser Weg nimmt den Rechtsstaat und die Freiheit der Menschen zur Selbstentfaltung ernst."
Zwischen einer Tendenz zum Verzweifeln, weil ohnehin nichts mehr Sinn mache, und dem gefährlichen Griff zur Gewalt, um etwas zu erreichen, gebe es alternativ "den Weg der Geduld und Kompromissbereitschaft mit kleinen, beständigen Schritten", erklärte Glettler. "Zwischen dem miesen Vertuschen oder Aufblähen von Unrechtserfahrungen gibt es einen anderen Weg - den Weg von Ehrlichkeit und Barmherzigkeit. Alternativen dieser Art sind eine Einladung, uns vom Geist Gottes führen zu lassen", sagte der Bischof. Es gelte Christus neu zu entdecken und seine Inspiration für einen alternativen, geistvollen Lebensstil aufzunehmen. Glettler: "Die Entscheidung liegt bei uns."
Quelle: kathpress