
Kapellari 90: "Homme de Lettres mit dem Hirtenstab"
Eine Würdigung für die umfangreiche publizistische Tätigkeit des früheren steirischen und Kärntner Bischof Egon Kapellari seitens des Österreichischen Schriftsteller/-innenverbands (ÖSV) hat dessen Vorsitzende Christian Teissl in der Wochenzeitung "Die Furche" (Ausgabe 8. Jänner) veröffentlicht. Der Kirchenmann, der am 12. Jänner seinen 90. Geburtstag feiert, sei ein "Homme de Lettres mit dem Hirtenstab", schöpfe "aus tiefen Quellen" und spreche "eine Sprache jenseits aller Moden - eine behutsame Sprache, die Zukunft verspricht", formulierte Teissl.
Der Verbandsvorsitzende erinnerte daran, dass Kapellari bereits in seiner Zeit als Grazer Studentenseelsorger in den 1970er Jahren mit dem Publizieren begonnen und "sich seither immer weiter aufgefächert" habe. Fundierte Auseinandersetzungen mit moderner bildender Kunst seien in seinen Büchern ebenso zu finden wie etwa auch einfühlsame Interpretationen der Werke deutschsprachiger Lyrikerinnen und Lyriker, "ohne sie vereinnahmend katholisch zu machen", so Teissl. Im inzwischen vergriffenen Band "Aber Bleibendes stiften die Dichter" etwa behandelte Kapellari von Größen von Rainer Maria Rilke bis Hilde Domin und von Hölderlin bis Nelly Sachs.
Auch als Bischof habe Kapellari in seinem "Dienst an den Menschen" immer wieder an einem Ausspruch des Kirchenlehrers Augustinus Maß genommen, nämlich: "Streitende besänftigen, Armen helfen, Gute ermutigen, Böse ertragen, und - ach - alle lieben", so Teissl weiter. Er habe es dabei stets vermieten, "sich von einem bestimmten Flügel innerhalb seiner Kirche vereinnahmen zu lassen". Einer seiner Buchtitel - "Schritte zur Mitte" - stehe dafür.
Auch auf das weithin bekannteste Werk Kapellaris verwies Teissl: Die zuerst 1987 erschienenen, von Romano Guardini inspirierten "Heiligen Zeichen in Liturgie und Alltag". Später um etliche Abschnitte erweitert und in mehrere Sprachen - sogar ins Koreanische - übersetzt, sei dieses Buch eine "Annäherung an Gestalt und Geheimnis der christlichen Liturgie". In "konzentrierten Miniaturen" seien dem Autor "erhellende Meditationen über die tragenden Elemente menschlichen Daseins" gelungen, wie etwa zu Leib und Seele, Hand und Herz, Licht und Wort, Salz und Brot, Wasser und Wein.
Egon Kapellari, geboren am 12. Jänner 1936 in Leoben, war von 1982 bis 2001 Diözesanbischof von Gurk und von 2001 bis 2015 Diözesanbischof von Graz-Seckau. Seit seinem Rücktritt 2015 lebt er weitgehend von der Öffentlichkeit zurückgezogen bei den Elisabethinen in Graz. Sein schriftstellerisches Werk umfasst mehr als 20 Bücher zu Themen aus den Bereichen Kirche, Kunst, Politik und Wirtschaft. Seinen 90er begeht er am Montag im kleinen Kreis mit einem Gottesdienst in der Kapelle des Grazer Priesterseminars.
Quelle: kathpress