
Hilfswerke für inklusive Kindergartenreform und mehr Sozialarbeit
Österreichs große Sozialorganisationen fordern im Zuge der laufenden Kindergartenreform eine stärkere Verankerung von Inklusion und Sozialarbeit in der Elementarpädagogik. Anlässlich des Tags der Elementarpädagogik und des Welttags der Bildung am 24. Jänner warnen Diakonie und Caritas davor, dass strukturelle Benachteiligungen bereits im frühen Kindesalter verfestigt werden. Inklusion, soziale Unterstützung und frühe Förderung müssten zusammen adressiert werden, um Bildungsgerechtigkeit von Anfang an zu stärken, so die beiden Hilfsorganisationen.
Frühe Bildung als Schlüssel für mehr Chancengerechtigkeit rückt die Caritas in den Fokus. Zum Welttag der Bildung fordert Caritaspräsidentin Nora Tödtling-Musenbichler verstärkte Anstrengungen gegen die "Vererbung" von Bildungsbenachteiligung. "Kindergartensozialarbeit ist dafür ein starker Hebel", wird sie in einer Aussendung vom Dienstag zitiert. Der frühe Ansatz helfe, Benachteiligungen auszugleichen und bessere Startchancen für Kinder zu schaffen.
Elternberatung im Kindergarten
Hinsichtlich der Kindergartensozialarbeit verweist die Caritas auf laufende Pilotprojekte in Salzburg, Oberösterreich und der Steiermark, an denen insgesamt 52 Kinderbildungseinrichtungen beteiligt sind. Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter beraten dort Eltern direkt in den Kindergärten, vermitteln bei Bedarf an weitere Stellen und bieten Elterncafés, Workshops und Vorträge an. Die Nachfrage sei hoch: Allein im Raum Graz seien innerhalb von 14 Monaten mehr als 670 Beratungsgespräche geführt worden, in Salzburg über 650.
Thematisch reichen die Anliegen von Erziehungsfragen über Armut und Förderbedarf bis hin zu gesundheitlichen und psychischen Belastungen. "Der Kindergarten ist die erste Institution, in der sichtbar wird, welche Unterstützung Familien brauchen", erklärt Friedrich Mayer, Leiter der Kindergartensozialarbeit der Caritas in der Steiermark. Durch die niederschwellige Hilfe erlebten viele Familien das Bildungssystem erstmals als unterstützend. Während die Pilotprojekte derzeit noch bis Juli 2026 finanziert sind, ist ihre langfristige Absicherung offen.
Kinder mit Behinderungen
Die Diakonie begrüßt die von Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) angekündigten bundesweit einheitlichen Standards für Kindergärten, mahnt jedoch, dass Kinder mit Behinderungen dabei nicht erneut übersehen werden dürften. "Nur wenn Inklusion im Kindergarten vom Ausnahmefall zur selbstverständlichen Realität wird, kann Österreich seinem Bildungsauftrag gegenüber allen Kindern gerecht werden", betont Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser. Derzeit warteten allein in Wien mehr als 1.000 Kinder mit Behinderungen auf einen passenden Kindergartenplatz, zudem seien sie vom verpflichtenden letzten Kindergartenjahr vielfach ausgeschlossen.
Moser verweist darauf, dass Österreich sich mit der Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention 2017 verpflichtet habe, allen Kindern gleichen Zugang zu Bildung zu ermöglichen. Gerade im Bereich der inklusiven Elementarpädagogik hinke die Umsetzung jedoch hinterher. Studien, unter anderem der UNESCO, zeigten zudem, dass inklusive frühkindliche Bildung allen Kindern zugutekomme - mit und ohne Behinderung.
Konkret fordert die Diakonie eine bessere und transparentere Datenlage zu Kindern mit Behinderungen, die klare Verankerung von Inklusion in bundesweiten Kindergartenstandards sowie den gezielten Ausbau inklusiver Plätze mit ausreichenden personellen und finanziellen Ressourcen.
Ausbildungsoffensive und Reformpartnerschaft
Bildungsminister Wiederkehr hat in der Vorwoche angekündigt, er wolle die Kindergärten vor allem durch mehr Personal und einheitlichere Rahmenbedingungen stärken. Aktuell fehlten laut seinen Aussagen immer noch mehrere Tausend Kindergartenpädagoginnen und -pädagogen, weshalb die Regierung für diesen Bereich 32 Mio. Euro für zusätzliche 4.000 Ausbildungsplätze bis 2028/29 vorgesehen hat. Dabei setzt man u.a. auf berufsbegleitende Angebote an den Kollegs, zusätzliche Studienmöglichkeiten für Maturantinnen und mehr Plätze für Quereinsteiger. In jedem politischen Bezirk solle ein derartiges Angebot geschaffen werden. Insgesamt seien rund 4.000 zusätzliche Ausbildungsplätze vorgesehen.
Geplant ist weiters eine bundesweite Kampagne, die den Beruf der Elementarpädagogik aufwerten und neue Zielgruppen ansprechen soll. In der von Caritas und Diakonie erwähnten "Reformpartnerschaft" mit Ländern und Gemeinden sollen zudem bundesweite Mindeststandards verhandelt werden, etwa bei Qualifikationen, Gruppengrößen und Öffnungszeiten, um den bisherigen unterschiedlichen Regelungen ein Ende zu setzen.
Quelle: kathpress