
St. Pölten: Gebet für christliche Einheit und für Armenien
Für die Einheit der Kirchen wurde am Sonntag in der Pfarre St. Johannes Kapistran in St. Pölten in besonderer Weise gebetet. Christinnen und Christen aus mehreren Konfessionen feierten gemeinsam einen ökumenischen Gottesdienst im Rahmen der Gebetswoche für die Einheit der Christen, die an diesem Tag begann. Die St. Pöltner Kirchenzeitung "Kirche bunt" berichtete über den Gottesdienst. Die Unterlagen für die Gebetswoche wurden von Gläubigen der Armenisch-apostolischen, Armenisch-katholischen und der Evangelischen Kirche in Armenien erstellt. Im Gottesdienst wurde u.a. auch für die Christen in Armenien und jene, die aus Berg-Karabach vertrieben worden waren, gebetet.
Der evangelische Superintendent Michael Simmer hob in seinen einleitenden Worten den geistlichen Reichtum der christlichen Tradition in Armenien hervor. Auch der Herzogenburger Chorherr Mauritius Lenz nahm in seiner Predigt Bezug auf Armenien. "Dieses Land, das vielen von uns fremd sein mag, ist stark vom Christentum geprägt", so Lenz. Er erinnerte daran, dass Armenien die erste christliche Nation der Weltgeschichte war. Eine Nation, die auch viel Leid ertragen musste. Auch heute sei die politische Lage im Land angespannt.
Lenz ging in seiner Predigt aber auch auf die Debatte um die christliche Kultur in Europa ein und zitierte Aussagen von US-Präsident Donald Trump über einen angeblichen "kulturellen Niedergang" in Europa. Der Chorherr stellte die Frage, was christliche Kultur eigentlich bedeute. Die Antworten seien unterschiedlich: Für die einen stehe sie für Offenheit, Gastfreundschaft und soziale Gerechtigkeit, für andere sei sie das Festhalten an traditionellen Werten, sichtbaren christlichen Symbolen und teils auch Abgrenzung gegenüber Nichtchristen. Lenz: "Da stehen verschiedene Strömungen einander gegenüber und die Brüche gehen durch die Kirchen, eigentlich bei allen Konfessionen."
Der Chorherr erinnerte an Worte von Papst Johannes Paul II., der bei seiner Antrittsrede als Kirchenoberhaupt 1978 vor dem Hintergrund eines geteilten Europas sagte: "Habt keine Angst." - "Worte, die auch für uns heute gelten! Wir brauchen keine Angst haben! Das Licht Christi macht uns Mut", so Lenz wörtlich.
Mit Superintendent Simmer und P. Lenz standen u.a. auch der altkatholische Pfarrer Wolfgang Grabensteiner, der rumänisch-orthodoxe Pfarrer Catalin Soare, die evangelische Pfarrerin Baukje Leitner, der ukrainisch-katholische Geistliche Ruslan Stetsyk, sowie Angelika Beroun-Linhart, Vorsitzende des Katholischen Akademikerverbands, der Präsident der Katholischen Aktion St. Pölten, Reinhard Länger, sowie Daniela Wiedl vom Ökumenischen Arbeitskreis St. Pölten dem Gottesdienst vor.
Quelle: kathpress