
Umfrage: Mehrheit sieht Vielfalt in Kindergärten positiv
Die Mehrheit der Bevölkerung steht religiöser und kultureller Vielfalt in österreichischen Kindergärten positiv bis neutral gegenüber, bemängelt jedoch unzureichende personelle und finanzielle Ressourcen für den pädagogischen Umgang damit. Das geht aus einer aktuellen INTEGRAL-Studie im Vorfeld des neunten "Tages der Elementarbildung" am 24. Jänner hervor, die in Kooperation mit dem Netzwerk Elementare Bildung Österreich (NeBÖ) durchgeführt und am Donnerstag präsentiert wurde. Befragt wurden 500 Personen zwischen 16 und 75 Jahren im November 2025.
45 Prozent halten es für grundsätzlich positiv, dass in Kindergärten Familien mit unterschiedlichen Sprachen, Religionen oder Traditionen aufeinandertreffen, weitere 37 Prozent stehen dem Thema neutral gegenüber, so das Ergebnis der Umfrage. Nur 18 Prozent äußern eine kritische Haltung. Besonders aufgeschlossen zeigen sich junge Erwachsene zwischen 16 und 29 Jahren, Personen mit Matura, Befragte aus Wien sowie Menschen mit Migrationshintergrund.
Im Alltag machen sich kulturelle Unterschiede laut Befragten vorwiegend sprachlich bemerkbar: 74 Prozent nennen Sprachbarrieren als häufigste Auswirkung, 66 Prozent verweisen auf Unterschiede bei Festen und Jahrestagen - etwa Ostern und Nikolaus - sowie bei Fragen der Kindererziehung. Unterschiede in der Esskultur werden von 65 Prozent, unterschiedliche Rollenbilder von Frauen von 60 Prozent wahrgenommen.
Zwei Drittel der Befragten (68 Prozent) meinen, dass in österreichischen Kindergärten ausreichend auf kulturelle Unterschiede eingegangen wird. "Die Ergebnisse zeigen klar die Wertschätzung für die Arbeit der Elementarpädagogik auf, die trotz budgetärer Engpässe kompetente Unterstützung in dieser wichtigen Weichenstellung für die Zukunft leistet. Kulturelle Vielfalt in unseren Kindergärten kann mit einer gelungenen Strategie aus einer Herausforderung eine Chance machen", sagte dazu INTEGRAL-Studienleiterin Sandra Cerny.
Die Auswirkungen kultureller Vielfalt werden hingegen differenziert eingeschätzt: 35 Prozent verbinden damit ein besseres gegenseitiges Verständnis, jeweils 30 Prozent sehen eine Bereicherung für alle Kinder beziehungsweise eine Förderung der Integration. Gleichzeitig geben 38 Prozent an, dass Vielfalt auch zu Konflikten führen könne, 26 Prozent befürchten eine mögliche Benachteiligung einzelner Kinder.
Kritik an fehlenden Ressourcen
Deutlich kritischer fällt hingegen die Bewertung der vorhandenen Ressourcen aus. Nur gut ein Drittel der Befragten hat den Eindruck, dass Kindergärten über ausreichende finanzielle und personelle Mittel verfügen, um kulturelle Bedürfnisse angemessen berücksichtigen zu können. "Das ist ein klarer Auftrag an die Politik, unsere elementaren Bildungseinrichtungen bestmöglich in ihrem sehr kompetenten Umgang mit den kulturellen Herausforderungen zu unterstützen", betonte NeBÖ-Vorsitzende Natascha J. Taslimi.
Positiv wird hingegen die Bedeutung der Elementarbildung gesehen, die laut Umfrage einen historischen Höchststand erreicht hat: 89 Prozent der Befragten halten es für sehr oder eher wichtig, dass bereits im Kindergarten Bildung vermittelt wird. Gleichzeitig ist der "Tag der Elementarbildung" selbst nur acht Prozent der Bevölkerung bekannt.
Zuvor hatten bereits Österreichs große Sozialorganisationen im Zuge der laufenden Kindergartenreform eine stärkere Verankerung von Inklusion und Sozialarbeit in der Elementarpädagogik gefordert. So warnten Diakonie und Caritas davor, dass strukturelle Benachteiligungen bereits im frühen Kindesalter verfestigt werden. Inklusion, soziale Unterstützung und frühe Förderung müssten zusammen adressiert werden, um Bildungsgerechtigkeit von Anfang an zu stärken, so die beiden Hilfswerke.
Quelle: kathpress