
Soziologe: Rechtsextremismus reicht bis in gesellschaftliche Mitte
Über die sozialen, psychologischen und gesellschaftlichen Ursachen von Rechtsextremismus hat der Leipziger Soziologe Alexander Yendell am Mittwochabend an der Katholischen Privat-Universität Linz gesprochen. Im Rahmen der Maximilian-Aichern-Vorlesung der interdisziplinären Arbeitsgruppe "Wirtschaft - Ethik - Gesellschaft" präsentierte der Wissenschafter aktuelle empirische Befunde aus der Autoritarismusforschung und warnte vor vereinfachenden Erklärungen für extremrechte Einstellungen.
Er verstehe sich als "Überprüfer von Theorien", sagte Yendell. Indem er Daten aus repräsentativen Umfragen untersuche, könnten manche Theorien empirisch bestätigt, andere widerlegt werden. Meist handle es sich um verschiedene Aspekte, die Rechtsextremismus begünstigen. So entwickelten sich etwa persönliche Dispositionen zu extremistischen Haltungen besonders in Krisensituationen. Gleichzeitig warnte der Experte davor, eindimensionale Zusammenhänge herzustellen.
Unter dem Titel "Autoritarismus und Rechtsextremismus. Von individuellen Erfahrungen zu kollektiven Bewegungen." führte Yendell "empirisch signifikante, also deutlich erkennbare Zusammenhänge" auf. So bestehe ein Zusammenhang zwischen bestimmten Männlichkeitsbildern und Einstellungen zu Krieg und Gewalt mit dem Wahlverhalten. Dabei stellte Yendell die Frage, ob es sich bei Stimmen für extrem rechte Parteien lediglich um Protestwahlen handle oder um Ausdruck gefestigter antidemokratischer Überzeugungen.
Anhand von Ergebnissen der von ihm mitherausgegebenen Autoritarismus-Studie zeigte der Wissenschaftler am renommierten Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) an der Universität Leipzig, inwiefern extrem rechte Einstellungen bis in die gesellschaftliche Mitte hineinreichen. Auch individuelle Erfahrungen, etwa im familiären Umfeld, könnten dazu beitragen, dass Menschen sich rechtsextremen Bewegungen anschließen, sagte er.
Die Maximilian-Aichern-Vorlesung würdigt die Verdienste des früheren Linzer Diözesan- und österreichischen Sozialbischofs Maximilian Aichern. Veranstalter ist die interdisziplinäre Arbeitsgruppe "Wirtschaft - Ethik - Gesellschaft" der Katholischen Privat-Universität Linz.
Quelle: kathpress