
Wehrdienst: Militärbischof Freistetter befürwortet Verlängerung
Militärbischof Werner Freistetter hat sich angesichts der Empfehlungen der Wehrdienstkommission für eine Verlängerung des Wehrdienstes ausgesprochen. "Ich würde angesichts der Einsatzsituationen, die im Rahmen der Landesverteidigung auf die Soldatinnen und Soldaten zukommen, eine Verlängerung prinzipiell befürworten", erklärte Freistetter am Dienstag in einer Stellungnahme gegenüber Kathpress.
Die organisatorischen und technischen Anforderungen seien heute deutlich höher als früher, etwa durch Drohnen, Luftabwehrsystemen oder die Abwehr von Cyberangriffen, argumentierte Freistetter. Es liege daher im Interesse aller, "nicht nur gelernt, sondern auch gut geübt zu haben". Überdies brauche es auch Überlegungen, "wie man den Wiedereinstieg ( Anm. nach dem Wehrdienst) in das Berufsleben erleichtern kann", so der Bischof.
Die von Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) eingesetzte Kommission hatte am 20. Jänner eine Verlängerung von Wehr- und Zivildienst vorgeschlagen und dabei das Modell "Österreich plus" empfohlen. Dieses sieht acht Monate Grundwehrdienst sowie zusätzlich zwei Monate verpflichtende Milizübungen vor. Parallel dazu soll der Zivildienst auf zwölf Monate ausgedehnt werden. Ob die Vorschläge umgesetzt werden, ist nun Gegenstand politischer Entscheidungen. Laut der Kommission muss bei jeder Änderung des Wehrdienstes auch der Zivildienst verlängert werden.
Bischof Freistetter verwies zudem auf seine eigene Ausbildung Anfang der 1970er-Jahre. Damals habe es zwei Modelle gegeben: entweder acht Monate durchgehenden Wehrdienst oder sechs Monate Ausbildung plus zwei Monate Waffenübungen. "Damals wurden die Grundwehrdiener auf den Ernstfall einer Verteidigung Österreichs vorbereitet", so der Militärbischof. Die spätere Verkürzung auf sechs Monate Präsenzdienst in den 2000er-Jahren sei in einer Phase erfolgt, "als die allgemeine Überzeugung herrschte, dass ein Krieg in Europa unter den geänderten politischen Bedingungen nicht mehr wahrscheinlich, ja sogar unmöglich geworden sei". Sechs Monate seien unter den damaligen Umständen ausreichend gewesen, gleichzeitig hätten die Armeen weitgehend abgerüstet.
Seither hätten sich die Rahmenbedingungen grundlegend verändert: "Heute sehen wir uns mit moderner Ausrüstung und technisch komplexen Einsatzfahrzeugen und Waffensystemen konfrontiert. Die organisatorischen und technischen Herausforderungen sind enorm gestiegen", so der Militärbischof, der auch auf die europäische Dimension der Sicherheitspolitik verwies. Österreich werde im Krisenfall nicht alleine dastehen, vielmehr müsse "das Zusammenwirken in einem internationalen Verbund" geübt werden, was Zeit erfordere.
Ein längerer Wehrdienst bietet aus Freistetters Sicht auch die Möglichkeit, die politische und militärethische Bildung zu intensivieren. Eine solche Bildung könne "viel zur moralischen Orientierung und zu einem ethisch fundierten Selbstverständnis der jungen Menschen" beitragen. Positiv bewertete der Militärbischof zudem zwei Empfehlungen der Wehrdienstkommission: Die Kosten von Wehr- und Zivildienst sollten "nicht auf den Arbeitnehmer abgewälzt werden", zudem sei es notwendig, "die finanzielle Vergütung in beiden Formen des Dienstes zu überdenken".
Quelle: kathpress