
Theaterprojekt bringt Thema "Flucht und Grenzen" in Wiener Pfarren
Das "Pfarrnetzwerk Asyl" und das "Theater der Unterdrückten Wien" bringen im Februar und März ein interaktives Theaterstück zum Thema "Flucht und EU-Außengrenzen" in mehreren Pfarren in Wien zur Aufführung. In dem Stück sollen die Erfahrungen der Mitspielenden zu den Themen Grenzen, Migration und Flucht verarbeitet werden. Verantwortlich für das Projekt sind die pensionierte Pastoralassistentin Roswitha Feige vom "Pfarrnetzwerk Asyl" sowie Joschka Köck und Clara Pavicsits vom "Theater der Unterdrückten Wien". Ziel ist laut Verantwortlichen, Raum für Dialog, Begegnung und Reflexion zu schaffen. Sie äußerten sich dieser Tage im Gespräch mit "radio klassik Stephansdom".
Mit dem Theaterstück möchte Regisseur Köck Menschen erreichen, "die vielleicht sehr, sehr skeptisch sind, die Türen zu öffnen und Menschen willkommen zu heißen, die aber trotzdem in der christlichen Lehre sozialisiert oder gläubig sind." Im Stück werde die Frage thematisiert: "Was hat das mit den Werten zu tun, die wir als Christinnen und Christen verkörpern?"
Feige erhofft sich von der Aktion eine Öffnung über bestehende Haltungen hinaus. "Meine Hoffnung ist, dass auch jene kommen, die abwarten oder ablehnend sind, und sagen: Das schaue ich mir einmal an", so Feige: "Nur so beginnen Gespräche, sonst bleiben wir in unseren Blasen."
Ein besonderes Bild prägt dabei das Stück: "Christus im Stacheldraht". Die Idee dazu hatte Clara Pavicsits: "Ich finde die Frage spannend: Was machen Grenzen, die uns nicht per se betreffen, auch mit uns?" Jesus im Stacheldraht sei dafür ein gutes Bild, "weil seine Geschichte ja auch ein wenig darauf basiert, dass er nicht aufgenommen worden ist".
Man gehe mit der Theaterproduktion bewusst in Pfarren bzw. Kirchen, so die Verantwortlichen. "Es macht einen Unterschied, ob ich in einem Kirchenraum spiele", so Feige. Durch den Aufführungsort entstehe eine zusätzliche, spirituelle Ebene, die man "sowohl beim Spielen als auch im Auditorium" spüre, bewusst oder unbewusst. Die Zuschauenden sind eingeladen, sich aktiv einzubringen, auf die Bühne zu kommen, Szenen mit- und umzugestalten. Feige: "Man muss sich auf einen etwas anderen Theaterabend vorbereiten, der sehr viel mit einem selbst zu tun hat, und von dem man wahrscheinlich mit mehr Fragen und Anregungen rausgeht, als man reingekommen ist."
Das "Pfarrnetzwerk Asyl" ist ein Zusammenschluss von derzeit 16 evangelischen und katholischen Pfarren in Wien und Niederösterreich, die sich mit dem Thema Flucht auseinandersetzen und aktive Hilfe für Geflüchtete leisten. Der Verein "Theater der Unterdrückten Wien"ist Teil einer gleichnamigen globalen gewaltfreien Bewegung, die Theater dazu verwendet, um für Menschenrechte bzw. Menschlichkeit zu sensibilisieren.
Zwei Aufführungen sind fixiert: am 28. Februar in der Pfarre Altsimmering und am 1. März in der Pfarre Machstraße, Beginn ist jeweils 19 Uhr.
Quelle: kathpress