
Erzdiözese Wien: Grünwidl trifft erste Personalentscheidungen
Der neue Wiener Erzbischof Josef Grünwidl hat am Mittwoch zwei erste personelle Neubesetzungen bekannt gegeben: Mit 1. Februar wird mit dem Perchtoldsdorfer Pfarrer und Dechant Richard Kager (57) ein neuer Bischofsvikar das Vikariat Unter dem Wienerwald (Vikariat Süd) verantworten und damit Grünwidl selbst in dieser Funktion nachfolgen. Im September wird Andreas Kaiser (53), derzeit Pfarrer und Dechant in Stockerau und Vorsitzender des diözesanen Priesterrates, das Amt des Generalvikars übernehmen. Er folgt auf Nikolaus Krasa.
Das Vikariat unter dem Wienerwald bildet den Süden der Erzdiözese Wien ab, liegt zur Gänze im Bundesland Niederösterreich und umfasst rund 280.000 Katholiken in knapp 200 Pfarren. Die beiden anderen Territorialvikariate sind die Stadt Wien plus Klosterneuburg und das Vikariat unter dem Manhartsberg, das von Weinviertel und Marchfeld gebildet wird.
Richard Kager (57), der neue Vikar, also der Stellvertreter des Bischofs in diesem Gebiet, ist ein "Einheimischer": Er ist in Tauchen am Wechsel (NÖ) als Jüngster von sechs Geschwistern am elterlichen Bauernhof aufgewachsen. Nach der Matura trat er ins Wiener Priesterseminar ein und wurde 1994 zum Priester geweiht. Sein Theologiestudium in Wien und Würzburg setzte er in Fribourg im Fach Dogmatik fort, wo er 2004 promovierte und eine Assistentenstelle innehatte. Von 2004 bis 2006 war er theologischer Berater von Kardinal Schönborn.
Nach seelsorglichen Einsätzen in Neuottakring, Perchtoldsdorf und Ober St.Veit wurde Richard Kager 2004 Pfarrer in Schwadorf und umliegenden Pfarren, bevor er 2023 den Seelsorgeraum Föhrenberge mit den Pfarren Perchtoldsdorf, Gießhübl und Kaltenleutgeben übernahm, wo er auch als Dechant wirkt. Kager bleibt auch als Bischofsvikar zugleich Pfarrer in den genannten Gemeinden. "Dort schlägt mein priesterliches Herz, dort erlebe ich Kirche in ihrer Vielfalt und Lebendigkeit mitten im Alltag der Menschen", wird Kager in der Aussendung zitiert.
Wunschkandidat mit Gottvertrauen
Bisheriger Vikar im Süden der Erzdiözese war der nunmehrige Erzbischof Josef Grünwidl selbst. Er hat eine Befragung unter den Dechanten und den Vikariatsräten durchgeführt, bei der, wie der Erzbischof nun bekanntgab, von sehr vielen der Name Richard Kager genannt worden sei: "Ich schätze ihn, habe ihn mir als meinen Nachfolger als Pfarrer von Perchtoldsdorf gewünscht und er ist auch mein Wunschkandidat als Bischofsvikar."
Für Kager kam, wie er selbst sagt, die Ernennung zum Bischofsvikar "sehr unerwartet". Aber er nehme diese große Aufgabe an - "in Demut und in Dankbarkeit für das große Vertrauen, das mir seitens unseres neuen Erzbischofs Josef sowie meiner Dechanten und Vikariatsräte entgegengebracht wurde".
Neuer Generalvikar der Erzdiözese Wien
Am 1. September wird Andreas Kaiser von Nikolaus Krasa das Amt des Generalvikars übernehmen, der insbesondere die Verwaltung der Diözese und ihres mit 2.000 Klerikern und Laienangestellten sehr umfangreichen Personalstandes managt. Ein Generalvikar ist Stellvertreter und "alter ego" des Diözesanbischofs, in dessen Auftrag er die Verwaltung der Diözese leitet.
Kaiser ist derzeit Pfarrer des Pfarrverbandes Am Jakobsweg-Weinviertel, zu dem Hausleiten, Stockerau, Leitzersdorf, Haselbach und Niederhollabrunn gehören, und seit 2023 geschäftsführender Vorsitzender des Priesterrates der Erzdiözese. Die Leitung des Pfarrverbandes wird er mit Beginn des neuen Arbeitsjahres (1. September 2026) aufgeben. Die Suche für einen Nachfolger beginnt demnächst. Aus diesem Grund, und um eine Einarbeitungsphase zu ermöglichen, hat sich Erzbischof Grünwidl entschlossen, diese Ernennung bereits frühzeitig bekanntzugeben, teilte die Erzdiözese Wien mit. "Andreas Kaiser ist ein umsichtiger und erfahrener Seelsorger und Dechant, er kennt die Erzdiözese und ist diözesan gut vernetzt", so Erzbischof Grünwidl in der Aussendung der Erzdiözese.
Andreas Kaiser ist Jahrgang 1972 und in Reichenau an der Rax aufgewachsen. Nach der Matura am BRG Neunkirchen und dem Präsenzdienst absolvierte er zunächst ein Studium der Forstwirtschaft und trat danach in das Wiener Priesterseminar ein. Die Priesterweihe fand 2006 statt. Während seiner Tätigkeit als Pfarrer hat Andreas Kaiser den Doktortitel für Theologie im Fachbereich Liturgie erworben.
Die pastoralen Einsätze erfolgten in der Dompfarre Wien und in den Pfarren Cyrill & Method sowie Zellerndorf, bevor er 2009 in Ober St. Veit Pfarrer wurde. Seit 2022 leitet er den Pfarrverband Am Jakobsweg im Weinviertel mit den Pfarren Stockerau, Hausleiten, Leitzersdorf, Niederhollabrunn und Haselbach und ist seit 2025 auch Dechant des Dekanats Stockerau. Dazu unterrichtet er katholische Religion an Grundschulen. Er ist seit zehn Jahren gewähltes Mitglied im Priesterrat und seit drei Jahren auch dessen geschäftsführender Vorsitzender als Nachfolger von Josef Grünwidl.
Kaiser sagt zu seinen künftigen Aufgaben: "Ich freue mich auf die Aufgaben und Gestaltungsmöglichkeiten, die dieses für mich neue Amt möglich machen. Vor allem aber freue ich mich auf die Zusammenarbeit mit Erzbischof Josef, um ihn mit meinen Möglichkeiten in seinem Dienst unterstützen zu können."
Krasa: "Froh, das Amt in jüngere Hände zu legen"
Bis 31. August bleibt Nikolaus Krasa Generalvikar, der dieses Amt dann mehr als 15 Jahre lang innegehabt haben wird. Krasa (65) ist damit der längstdienende Generalvikar seit mehr als 70 Jahren, seit Franz Kamprath, der 21 Jahre (von 1929 bis 1950) Generalvikar war. Erzbischof Grünwidl hob hervor, dass Krasa "den von Kardinal Christoph Schönborn initiierten Erneuerungsprozess unserer Erzdiözese klug, konsequent, mit viel Energie und Herzblut weitergeführt" hat.
Krasa selbst erklärte in einer Stellungnahme an die Mitglieder der Diözesanleitung: "Ich bin froh, in einem Alter, in dem meine Schulkollegen bereits teilweise mehrere Jahre in Pension sind, die durchaus herausfordernde Aufgabe eines Generalvikars in jüngere Hände legen zu dürfen." Die künftigen Aufgaben des scheidenden Generalvikars werden derzeit vorbereitet und zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben.
Quelle: kathpress