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Erzbischof Josef Grünwidl
Stephan Schönlaub / Erzdiözese Wien

"Nehmt Gottes Melodie in euch auf!"

Wortlaut der ersten Ansprache von Josef Grünwidl nach seiner Weihe zum Erzbischof von Wien und seiner Amtseinführung am Ende des Festgottesdienstes im Stephansdom

24.01.2026

Josef Grünwidl ist am Samstag im Stephansdom von Kardinal Christoph Schönborn und zahlreichen weiteren Bischöfen durch Handauflegung zum 33. Erzbischof von Wien geweiht worden. Am Ende des Gottesdienstes ergriff der neue Wiener Erzbischof erstmals das Wort. Dabei ging er auf seinen bischöflichen Wahlspruch ein und sagte: "Als Gottes Instrument will die Kirche die Melodie des Evangeliums zum Klingen bringen." Kathpress dokumentiert im Folgenden den Wortlaut der Ansprache des neuen Wiener Erzbischofs:

 

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Mitfeiernde hier im Dom und über die Medien mit uns verbunden!

 

"Wenn das, was ich für euch bin, mich erschreckt, gibt mir das, was ich mit euch bin, Zuversicht: für euch bin ich Bischof, mit euch bin ich Christ." Diese Worte des heiligen Augustinus, der einer der großen Theologen und Bischöfe unserer Kirche war, machen mir Mut. Für euch bin ich Bischof, mit euch bin ich Christ!

 

Alle, die sich in der Wiener Diözesangeschichte ein wenig auskennen, wissen, dass es hier einmal eine Bischofsweihe geben sollte, die nicht stattgefunden hat, weil der Kandidat während der Weiheliturgie gesagt hat. Ich bin nicht würdig. Nein, ich bin nicht bereit. Und den Dom verlassen hat, und draußen hat sein Chauffeur mit dem Auto gewartet. Das war dann der spätere Erzbischof Franz Jachym. Meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Sekretariat haben mir gesagt: Verlass dich nicht drauf, dass ein Auto draußen steht.

 

Aber ich habe gesagt, dass ich aus ganzem Herzen Ja sage zu dieser Aufgabe. Für euch bin ich Bischof, mit euch bin ich Christ - Josef, euer Bruder.

 

Ich danke Papst Leo, der mich ernannt hat, und ebenso dem Apostolischen Nuntius in Österreich. Exzellenz, ich weiß, sie hatten es in den letzten Monaten nicht immer leicht mit mir. Aber sie haben mich geduldig und väterlich ermahnt, ermutigt und bestärkt. Danke dafür!

 

Herr Kardinal, mein besonderer Dank gilt dir. Ich danke dir für dein Vertrauen, das du in mich gesetzt hast. Seit mehr als 30 Jahren bist du als Mensch für mich ein guter Freund, als Christ ein Vorbild und als Erzbischof ein Wegweiser für mich und meinen Dienst. Dir und den beiden Ko-Konsekratoren danke ich für die Spendung des Weihesakraments. Mit zwei Tagen Verspätung, aber umso herzlicher gratuliere ich dir im Namen aller hier Versammelten: Gottes Segen zum 81. Geburtstag!

 

Allen hier Anwesenden ein großes Danke! Angefangen bei meiner Familie, meiner Mutter und meinen Geschwistern mit ihren Familien, allen Verwandten, Freunden und Wegbegleitern. Ich danke den vielen Bischöfen von nah und fern, die heute gekommen sind um mitzufeiern, dem Dom- und Metropolitankapitel, allen Priestern, Diakonen und Pastoralassistentinnen, sowie den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Pfarrgemeinden und hier am Stephansplatz. Ich danke den Ordensgemeinschaften und Erneuerungsbewegungen, den Seminaristen, die sich auf die Weihe vorbereiten, den Vertretern der theologischen Fakultäten und den akademischen Amtsträgern, der Caritas, allen kirchlichen Laienorganisationen, Vereinen und Stiftungen, die ich jetzt nicht aufzählen kann.

 

Mein besonderer Dank gilt heute dem Generalvikar, dem gesamten Diözesanleitungsteam, das mich im vergangenen Jahr schon begleitet und gestärkt hat, und auch meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Erzbischöflichen Sekretariat. Danke für die Unterstützung und die gute Zusammenarbeit. Und ich denke auch an die rund 700 Helferinnen und Helfern, die das heutige Fest zum Teil seit Oktober geplant, organisiert und vorbereitet haben oder die vielen, die heute in irgendeiner Form mithelfen, mitbeteiligt sind - sei es sichtbar im Dom oder auch hinter dem Vorhang. Danke!

 

Sehr dankbar bin ich euch, liebe Brüder und Schwestern, den Vertreterinnen und Vertretern der Ökumene und der anderen Glaubensgemeinschaften, die heute mitfeiern. Gerne, sehr gerne gehe ich mit euch gemeinsam den Weg - wie wir diese Woche beim ökumenischen Gottesdienst gehört haben - der ökumenischen Neugier und Lernbereitschaft, gerne bringe ich mich auch ein in den interreligiösen Dialog, und ich danke für das gute Miteinander hier in unserer Erzdiözese.

 

Dass heute auch Sie, geschätzter Herr Bundespräsident, Herr Bundeskanzler, Mitglieder der Bundesregierung, Landeshauptleute von Niederösterreich und Wien sowie zahlreiche Vertreter des öffentlichen Lebens mit uns feiern, sehe ich dankbar als Zeichen der Wertschätzung für die Bedeutung der Katholischen Kirche in unserem Land und als Zeichen unserer Verbundenheit. Danke für das Mitfeiern!

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Mir ist bewusst, dass ich das Amt des Erzbischofs in politisch und wirtschaftlich bewegten und schwierigen Zeiten übernehme. Vieles ist im Umbruch weltweit, aber auch in unserer Gesellschaft, auch in der religiösen Landschaft Österreichs und was die Kirchengestalt betrifft. Doch Kirche ist mehr als ihre sichtbare Gestalt, die sich im Lauf der Kirchengeschichte immer wieder verändert hat. Kirche definiert sich auch nicht über Statistiken und Strukturen und auch nicht bloß über das Bodenpersonal Gottes, das sehr oft Großartiges leistet, aber leider auch gelegentlich traurig versagt.

 

Kirche ist mehr und sie ist besser als ihr Ruf. Die Kirche ist - um an meinen Wahlspruch zu erinnern - ein Instrument Gottes, die Lyra in der Hand des auferstandenen Christus. Als Gottes Instrument sollen wir als Kirche die Melodie des Evangeliums zum Klingen bringen.

 

Und ich frage mich, was bräuchten wir alle und besonders die jungen Menschen im Blick auf ihre Zukunft notwendiger als Gottes Liebes- und Friedenslied; als sein Protestlied gegen Gleichgültigkeit, Hass, Unrecht und Krieg? Was bräuchten wir notwendiger als das österliches Hoffnungslied des Evangeliums, das Mut macht, Zuversicht schenkt und uns zum Handeln antreibt?

 

"Nehmt Gottes Melodie in euch auf!" - Mein Wahlspruch drückt aus, wie ich meinen Dienst und meine Sendung als Erzbischof verstehe: Gottes Melodie, die Partitur des Evangeliums, im eigenen Leben und in vielen anderen Menschen zum Klingen bringen, und zwar:

 

- inspiriert und begeistert durch unseren Dirigenten, den Heiligen Geist;

 

- symphonisch und synodal vielstimmig - innerkirchlich, aber auch im ökumenischen und interreligiösen Dialog und durch Allianzen mit Menschen guten Willens;

 

- lebendig und kraftvoll - denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit, sondern einen Geist der Kraft, der Liebe und Besonnenheit gegeben;

 

- und vor allem spirituell verankert im unerschütterlichen Vertrauen: Noch bevor ich an Gott glaube, glaubt Er an mich! Und Er sagt zu uns Menschen, zu Welt und zur ganzen Schöpfung: Du bist gewollt, Du bist geliebt! Das ist der Grundton, auf dem alles Christliche aufbaut.

 

Das Lied, das die Kinder der Domsingschule heir bei der Orgel gesungen haben, bringt es auf den Punkt: "Du bist ein Ton in Gottes Melodie!" Jede und jeder einzelne ist ein tragender, wichtiger Ton und gemeinsam sind wir ein Lied. Miteinander können wir die Melodie Gottes, sein Liebes- und Friedenslied, sein Protestlied und sein österliches Hoffnungslied zum Klingen bringen.

 

Dazu bin ich gern bereit, und dazu lade ich alle herzlich ein.

 

 

Quelle: kathpress

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