
Landau-Aufruf zur Hilfe: "Die Ukraine kämpft ums Überleben!"
Caritas-Europa-Präsident Michael Landau hat eindringlich zur verstärkten Hilfe für die Menschen in der Ukraine aufgerufen. Er wolle den jüngsten Solidaritätsappell von Kardinal Christoph Schönborn aufgreifen, so Landau, der am Sonntag im Wiener Stephansdom dem Hochamt vorstand. "Die Ukraine kämpft ums Überleben! Lassen wir nicht nach im Einsatz! Das ist kein Sprint, das ist ein Marathon. In Wahrheit ist es ein Ultrahilfsmarathon, den Österreich und Europa laufen müssen", so Landau in seiner Predigt. Er berichtete über die aktuelle Lage in der Ukraine und hob zugleich ganz generell die Sorge für die Armen als zentral für die Kirche hervor.
Die Ukraine kämpfe gegen den Kältetod, mehr als 12 Millionen Menschen seien im mittlerweile vierten vollen Kriegswinter nach dem russischen Überfall auf humanitäre Hilfe angewiesen, so Landau. In der Hauptstadt Kiew und der umliegenden Region seien hunderttausende Menschen ohne Heizung und ohne Strom. Die gezielten Raketen- und Drohnenangriffe auf die kritische Infrastruktur hätten das nationale Energiesystem schwer beschädigt. Und das mit katastrophalen Folgen: "Hunderte mehrstöckige Wohngebäude der Hauptstadt sind ohne Heizung, nach Schätzung sind mindestens eine halbe Million Menschen allein in der Region der Hauptstadt betroffen."
Landau berichtete von den Auswirkungen auf die Menschen: "In den Treppenhäusern haben sich zum Teil Eiszapfen gebildet; hinter verschlossenen Türen leben Menschen, die aufgrund ihrer körperlichen Verfassung das Haus nicht verlassen können. In vielen Wohnungen beträgt die Temperatur nur noch sechs oder sieben Grad." Besonders gefährdet seien einmal mehr Menschen mit Behinderungen, alleinstehende Seniorinnen und Senioren sowie Familien mit kleinen Kindern.
Die Caritas würde in dieser dramatischen Situation als Teil des weltweiten Caritas-Netzwerks eng mit den staatlichen Behörden und anderen kirchlichen Strukturen zusammenarbeiten, um die dramatische Not zu lindern.
Landau nannte einige Beispiele: "Wärmestuben und Essensausgaben wurden eingerichtet. Ein einziger Teller mit warmer Suppe kann den physischen Zustand eines Menschen entscheidend stützen." Dankbar denke er an die Caritas-Kinderzentren, "Orte des Schutzes und, so gut es geht, der Geborgenheit und des Kindseins, zumindest für Stunden". Und er habe selbst gesehen, "wie wichtig eine einfache Brennholzspende, die Lieferung von etwas Holz sein kann, um das pure Überleben von Menschen zu sichern". Fazit: "Die Hilfe kommt an! Und sie rettet Leben!"
Landau lud auch dazu ein, sich am 19. Februar am Stephansplatz an einer Caritas-Kerzenaktion zu beteiligen. An diesem Abend sollen tausende Kerzen zum Leuchten gebracht werden, "um der Toten und Leidenden in der Ukraine zu gedenken und um mit Papst Leo verbunden um Frieden zu beten; ein Frieden, der immer auch Werk der Gerechtigkeit ist."
Sorge für die Armen
Der Caritas-Europa-Präsident erinnerte in seiner Predigt auch daran, dass der neue Wiener Erzbischof Josef Grünwidl seinen ersten Bischofsgottesdienst nach der Weihe im Wiener Priesterseminar zusammen mit armutsbetroffenen Menschen feierte. Ausbildung und Sorge für die Armen, beides sei von zentraler Bedeutung: "Das Priesterseminar als ein Herzstück der diözesanen Arbeit und die Armen als der Schatz der Kirche, wie der Heilige Laurentius bezeugt hat und Papst Franziskus nicht müde wurde zu erinnern."
Landau rief dazu auf, um Berufungen in der Kirche zu beten, "und vergessen wir die Armen nicht, in denen uns Christus auch heute in besonderer Weise begegnet und anspricht". Das gelte für die Ukraine, wie auch für Österreich. Er sei deshalb etwa auch so dankbar für die pfarrlichen Wärmestuben mit über 1.000 Freiwilligen, für die Suppenbusse, den Caritas-Kältebus oder auch für die Gruft und andere Caritas-Notquartiere. Landau: "Die Kirche kann und darf nicht schweigen angesichts des Leids und der Not. Wir können und müssen da wie dort helfen." Das sei kein Auftrag der Politik, "sondern ein Auftrag der Menschlichkeit!"
Quelle: kathpress