
Ukrainekrieg: Glettler ruft zum Gebet für "Ende des Wahnsinns" auf
Zum Hoffen darauf und zum Gebet dafür, "dass es in absehbarer Zeit zumindest eine minimale Entwicklung zum Guten gibt, eine Spur in Richtung eines halbwegs gerechten und nachhaltigen Friedens", hat Bischof Hermann Glettler mit Blick auf die Situation in der Ukraine am Höhepunkt des vierten Kriegswinters aufgerufen. "Ein Ende des Wahnsinns" sei dringend vonnöten, so der Innsbrucker Bischof auf Instagram. Zum nahenden vierten Jahrestag des Beginns des russischen Angriffskrieges lud Glettler zu einem Ökumene-Gebet am 22. Februar um 18.30 Uhr in den Innsbrucker Dom ein.
Glettler erinnerte an die aktuelle verzweifelte Situation in Kiew. "Wir hören und sehen die Nachrichten: Unzählige Menschen harren in den U-Bahnschächten aus, um vor der bedrohlichen Kälte zu fliehen. Immer wieder Bombenexplosionen und Zerstörungen soweit das Auge reicht. Hunderte Wohnblöcke sind betroffen", so der Bischof, der sein Posting mit Fernsehbildern aus der ukrainischen Hauptstadt hinterlegte: Dutzende nachts in einer U-Bahn-Station campierende Menschen, tiefverschneite ukrainische Panzer am Maidan-Platz und nächtliche Flammen in Wohnsilos, die von den Explosionen der Luftangriffe stammen.
Auch ein Foto der von der ukrainischen Regierung aufgestellten Wärmezelte, in welchen die frierende Stadtbevölkerung Zuflucht sucht, verbreitete der Bischof mit dem Verweis darauf, dass Russland systematisch die Stromnetze und Umspannwerke zerstöre, um die Lage der Stromversorgung immer aussichtsloser werden zu lassen. Die Folge seien Stromabschaltungen mehrmals am Tag in großen Landesteilen, wodurch die Bevölkerung ohne Licht und ohne Heizung ausharren müsse. "Auch Betriebe und Spitäler sind betroffen", erinnerte Glettler.
Erschwerend komme hinzu, dass es kaum Bewegung in den laufenden Friedensverhandlungen gebe, sondern vielmehr "bedenkliche Nähe zwischen der russischen und amerikanischen Position". Dem Gefühl vieler Ukrainer würden die Friedensverhandlungen "zu keiner nachhaltig guten Lösung führen", gab Glettler die Einschätzung der ukrainischen Ökonomin und Politologin Tatiana Zhurzhenko vom Berliner Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien (ZOIS) wieder.
Die Appelle österreichischer Kirchenvertreter in Bezug auf Frieden in der Ukraine haben sich jüngst gehäuft. Caritas-Europa-Präsident Michael Landau etwa berichtete am Sonntag im Wiener Stephansdom über die dramatische Lage, dass derzeit über zwölf Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer inmitten des vierten Kriegswinters auf humanitäre Hilfe angewiesen seien und inmitten weiterer Angriffe teils ohne Strom und Heizung ums Überleben gegen den Kältetod ankämpften. "Lassen wir nicht nach im Einsatz!", rief Landau auf zur Unterstützung etwa von Wärmestuben, Essensausgaben oder Caritas-Kinderzentren. Zugleich kündigte er eine abendliche Kerzenaktion für die Ukraine am 19. Februar am Wiener Stephansplatz an.
Gleich zweimal hat Kardinal Christoph Schönborn in den vergangenen Tagen als Kolumnist in der Tageszeitung "Heute" zu Spenden und Gebet für die leidende Ukraine aufgerufen. Die Not der Zivilbevölkerung sei unvorstellbar, die Zahl der Erfrorenen steige ständig. Schönborn: "Der Krieg zeigt seine grausame Fratze. Wie lange noch? Vier Jahre und immer noch kein Frieden!" Der emeritierte Wiener Erzbischof lud für 24. Februar um 14.30 Uhr zu einem ökumenischen Gebet in den Stephansdom.
Quelle: kathpress