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Caritas-Ukraine-Mitarbeiterin vor zerstörtem Wohnhaus in der Stadt Krywyj Rih
Caritas Ukraine

Vier Jahre Krieg: "Nachbar in Not" ruft zu weiterer Ukraine-Hilfe auf

10,8 Millionen Menschen in der Ukraine auf humanitäre Hilfe angewiesen - Härtester Winter seit Kriegsausbruch - Kinder, ältere und kranke Menschen sowie Familien besonders betroffen - Caritas-Auslandshilfechef Knapp: "Unsere Nachbarn nicht im Stich lassen" - UN-Agentur rechnet mit neuer Vertreibung zurückgekehrter Ukrainer

16.02.2026

Der aktuelle Winter ist der härteste seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine im Februar 2022. "Nachbar in Not" und der ORF haben deshalb einen erneuten Spendenaufruf gestartet, damit die Hilfe für die Menschen in der Ukraine auch nach vier Jahren Krieg weitergehen kann. In vielen Regionen der Ukraine herrschten seit Wochen zweistellige Minusgrade. Gleichzeitig führen massive russische Angriffe auf die Energieinfrastruktur dazu, dass im ganzen Land der Energienotstand ausgerufen wurde und es pro Tag - wenn überhaupt - nur wenige Stunden Strom oder Heizung gibt, teilten die in "Nachbar in Not" zusammengeschlossenen Hilfsorganisationen am Montag in einer Aussendung mit.

 

Der Bedarf an Hilfe sei enorm. Derzeit sind laut UN 10,8 Millionen Menschen in der Ukraine auf humanitäre Hilfe angewiesen. Besonders betroffen seien Kinder, ältere und kranke Menschen sowie Familien. Gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen leisten Caritas, Rotes Kreuz, Arbeiter-Samariter-Bund, Care, Diakonie Katastrophenhilfe, Hilfswerk International, Malteser und Volkshilfe im Rahmen von "Nachbar in Not" gezielte und wirksame Unterstützung.

 

Derzeit liegt aufgrund der niedrigen Temperaturen ein besonderer Schwerpunkt auf der Winterhilfe. So würden Wärmestellen eingerichtet, an denen Menschen sich aufwärmen können, eine Mahlzeit erhalten und psychosozial unterstützt werden.

 

Beschädigte Häuser und Wohnungen würden durch kleinere Reparaturarbeiten winterfest gemacht, zudem Öfen, Brennmaterial, Decken, Schlafsäcke, Taschenlampen und Powerbanks verteilt. Mit mobilen Gesundheitsteams werde versucht, die medizinische Versorgung auch in entlegene Gebiete zu bringen und Familien werden finanziell unterstützt, damit sie sich mit dem Nötigsten versorgen können.

 

Jede Spende hilft

 

Andreas Knapp, Vorstand von "Nachbar in Not" und Caritas-Auslandshilfechef, hielt in der Aussendung fest: "So aussichtslos die Situation oft wirkt, wir - und mit uns die Menschen in Österreich - können etwas tun: Wir helfen, retten Leben, machen den Alltag im Krieg sicherer, ermöglichen Kindern eine kurze Auszeit oder schenken etwas Stabilität und Zuversicht. Eine Spende für die Menschen in der Ukraine zeugt davon, dass wir Solidarität leben und unsere Nachbarn nicht im Stich lassen."

 

In die gleiche Kerbe schlug auch Michael Opriesnig, Vorstandsvorsitzender von "Nachbar in Not" und Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes: "Unser Einsatz in der Ukraine wird noch sehr lange nötig sein. Daher bitten wir die Österreicherinnen und Österreicher um ihre Unterstützung - jeder gespendete Euro hilft Menschen in Not!"

 

Insgesamt hat "Nachbar in Not" seit Februar 2022 mehr als 71 Millionen Euro an Spenden erhalten und wurde zusätzlich durch die österreichische Bundesregierung mit insgesamt 48 Millionen Euro aus dem Auslandskatastrophenfonds unterstützt. Damit konnte mehr als drei Millionen Menschen im Rahmen von 82 Hilfsprojekten in der Ukraine und den Nachbarländern, wie der Republik Moldau, Rumänien oder Georgien, geholfen werden. Der ORF unterstützt die Hilfsaktion weiterhin mit Spendenaufrufen in Fernsehen und Radio sowie Berichterstattung in allen Medien mit Programmschwerpunkten. Spenden: Nachbar in Not - Hilfe für die Ukraine, IBAN: AT21 2011 1400 4004 4003, Online spenden: https://nachbarinnot.ORF.at

 

UN-Agentur rechnet mit neuer Vertreibung zurückgekehrter Ukrainer

 

Vor dem Hintergrund der russischen Angriffe auf die Wärme- und Stromversorgung in der Ukraine könnten sich nach Schätzungen der Vereinten Nationen in den kommenden Monaten 325.000 bereits zurückgekehrte ukrainische Kriegsvertriebene erneut auf die Flucht machen. Mehr als ein Drittel erwäge, wieder ins Ausland zu ziehen, teilte die Internationale Organisation für Migration (IOM) am Montag in Genf mit. Grundlage ist eine telefonische Umfrage, die zwischen dem 15. Oktober und 22. Dezember durchgeführt wurde.

 

Resilienz allein reiche nicht aus, um Familien durch einen weiteren Winter mit Stromausfällen und eisigen Temperaturen zu bringen, sagte IOM-Generaldirektorin Amy Pope. Sichere Unterkünfte, zuverlässige Energieversorgung und elementare Dienstleistungen seien für die Sicherheit, das Überleben und die Würde der Menschen von grundlegender Bedeutung.

 

Nach IOM-Angaben lebten im Jänner 3,7 Millionen Personen innerhalb der Ukraine als Binnenvertriebene. Seit Kriegsbeginn vor vier Jahren kehrten mehr als 4,4 Millionen Menschen nach einer Vertreibung zurück, darunter über eine Million aus dem Ausland. Allerdings konnten laut IOM nicht alle, die in die Ukraine zurückkehrten, auch in ihre Heimatorte zurück; 372.000 Menschen seien weiterhin innerhalb des Landes auf der Flucht.

 

Rückkehrer besonders belastet

 

Die von Befragten geäußerte Absicht, das Land zu verlassen, spiegelt laut der UN-Organisation die Belastung durch Unsicherheit, beschädigte Wohnungen und eingeschränkte Versorgung mit Elektrizität und Heizung wider. Die Mitteilung verwies auf Wintertemperaturen von bis zu -20 Grad und anhaltende Stromausfälle im ganzen Land. Erst vor kurzem zurückgekehrte Personen seien bei der Krisenbewältigung besonders gefordert und in höherem Maß psychisch belastet.

 

Die IOM rief die internationale Gemeinschaft auf, die Menschen mehr bei Vorkehrungen gegen die Winterkälte, bei der Reparatur von Wohnraum, der Sicherung der Lebensgrundlagen und durch psychologische und psychosoziale Dienste zu unterstützen, besonders in den Frontgebieten und Gebieten mit hoher Rückkehrerquote. Andernfalls bestehe die Gefahr weiterer Vertreibungen.

 

 

Quelle: kathpress

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