
Hilfswerke fordern Maßnahmen für bessere 24-Stunden-Pflegebetreuung
Die gemeinnützigen Organisationen Caritas, Hilfswerk und Malteser Care haben von der Politik eine dringliche Weiterentwicklung und Überholung des Fördersystems für die 24-Stunden-Betreuung eingefordert. Jahrelang habe die Politik diese wie eine "heiße Kartoffel" nicht angerührt, die Förderung nicht der Inflation angemessen wertberichtigt und damit Familien, Patienten und Betreuerinnen im Stich gelassen, betonte Elisabeth Anselm, Geschäftsführerin von Hilfswerk Österreich, bei einer Pressekonferenz am Dienstag. Dabei sei die Investition in die Pflege zu Hause nicht nur menschlich richtig, sondern auch volkswirtschaftlich klug, betonte Anna Parr, Generalsekretärin der Caritas Österreich. So koste ein Aufenthalt im Pflegeheim die öffentliche Hand weit mehr als die Pflege im eigenen Heim.
Die Einkommensgrenzen sowie die Förderhöhe müssten endlich an die heutige Realität angepasst werden, betonte Parr. Jeder öffentliche Euro, der es Menschen ermögliche, zu Hause gut betreut zu werden und auch zu bleiben, entlaste das System, das heißt Pflegeheime und Krankenhäuser, und stärke damit die Stabilität im Gesamtsystem. Gemeinsam appellierten Caritas, Hilfswerk und Malteser Care an Bund, Länder und Gemeinden, ihre Forderungen im Rahmen der für Freitag angesetzten Sitzung der Pflegeentwicklungskommission zu berücksichtigen. Kritisch merkten die Hilfsorganisationen dabei an, dass sie trotz Anbietens ihrer praktischen Expertise nicht an den Verhandlungstisch eingeladen worden seien.
Im Pflegeheim wird das Pflegegeld vom Bund getragen; von der Pension verbleiben der betroffenen Person 20 Prozent sowie die 13. und 14. Monatszahlung, erklärte Hilfswerk-Geschäftsführerin Anselm. Der darüber hinausgehende Betrag bis zu den tatsächlichen Heimkosten wird von der öffentlichen Hand, konkret von den Ländern, übernommen - und zwar unabhängig vom Einkommen und vom geleisteten Eigenbeitrag. Ein Vermögensregress findet nicht statt.
Die staatliche Förderung der 24-Stunden-Betreuung betrug seit der Einführung im Jahr 2007 bis zum Jahr 2022 unverändert 550 Euro pro Monat. Im Jahr 2023 wurde die Förderung erstmals angepasst, zunächst auf 640 Euro, dann auf 800 Euro. Damit sei der Wertverlust der Förderung durch die Inflation noch lange nicht abgefedert, erklärten die Organisationen, die eine Anhebung der Förderung von 800 Euro auf 1.600 Euro fordern. Dies sei "zielführend und immer noch sehr weit entfernt von dem, was ein Platz im Pflegeheim kostet", betonte Parr, die zudem eine fortlaufende Valorisierung fordert.
Die durchschnittlichen jährlichen Nettoausgaben der öffentlichen Hand sind derzeit für eine pflegebedürftige Person im Pflegeheim mit 38.728 Euro zu veranschlagen, in der 24-Stunden-Betreuung mit 9.980 Euro und in den mobilen Diensten mit 6.307 Euro, informierten die Träger der 24-Stunden-Betreuung in Österreich. "Vergleicht man die Ausgaben der öffentlichen Hände für die unterschiedlichen Pflegeformen, dann sieht man, wie unvernünftig auch volkswirtschaftlich die Vernachlässigung der Pflege zu Hause und speziell auch der 24-Stunden-Betreuung ist", sagte Helmut Lutz, Geschäftsführer Malteser Care.
Würden alle Menschen mit 24-Stunden-Betreuung in ein Pflegeheim gehen, würde das jährlich 890 Millionen Euro mehr an Kosten und einen Personalbedarf von über 15.000 Personen mehr bedeuten, wies Anselm auf ein "ungerechtes und willkürliches Pflegesystem" hin. Es sei daher für die Organisationen unverständlich, warum man es Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen so schwer mache, eine Pflege in den eigenen vier Wänden möglich zu machen.
Lutz kritisierte zudem, dass man die Einkommensgrenze, die den Zugang zur Förderung der 24-Stunden-Betreuung regelt, nie angepasst habe. Im Jahr 2007 wurde diese Grenze mit 2.500 Euro festgelegt. Liegt das Einkommen darüber, gibt es keine Förderung. Im Schnitt koste eine 24-Stunden-Betreuung aber 3.500 Euro. Die laufenden Kosten - Betriebskosten, Therapien, Medikamente und Essen - kämen noch hinzu und machten eine 24-Stunden-Betreuung für viele unleistbar. Die Folge: "Immer mehr betreuungsbedürftige Menschen landen - ohne medizinische Not und gegen ihren Willen - in den ungleich teureren und personell schon jetzt am Limit befindlichen Pflegeheimen", sagte Lutz.
Mittlerweile müsste diese Grenze, an die Inflation angepasst, bei über 4.055 Euro liegen, forderten die Organisationen. Weiters wurden sozial gestaffelte Unterstützungen gefordert: "Um einen Zugang zur 24-Stunden-Betreuung auch dort zu erschließen, wo die Not am größten ist, sollen Menschen mit geringen Pensionen Zuschüsse aus der Sozialhilfe bekommen." Vorbild sei etwa die Steiermark: Dort wird Betroffenen mit niedrigem Einkommen ab der Pflegegeldstufe 4 eine Zusatzförderung ausbezahlt. So könnten sie sich die benötigte 24-Stunden-Betreuung leisten und zu Hause leben.
Quelle: kathpress