
Krautwaschl: Verbindungen zur Ukraine verbieten das Wegsehen
"Wie kann es im 21. Jahrhundert sein, dass sich so ein Drama schon vier Jahre halten kann? Wie kann es von russischer Seite so viel Unmenschlichkeit geben?" - Nachdenklich und erschüttert über die Entwicklungen in der Ukraine hat sich der Grazer Bischof Wilhelm Krautwaschl am Montag mit einer Stellungnahme zum vierten Jahrestag der russischen Invasion zu Wort gemeldet. Zwischen Österreich und der Ukraine gebe es viele Verbindungen, auch historisch, unterstrich er. "Daher können wir nicht wegsehen und sind gerufen, für unsere Schwestern und Brüder zu beten, aber auch Almosen zu geben. Das ist gerade in der Fastenzeit angebracht", so der Bischof.
Trotz des Drohnen- und Raketenterrors im ganzen Land, der ein normales Leben in der Ukraine derzeit verunmögliche, lebe dort die Zuversicht weiter, zitierte Krautwaschl eine Nachricht des Lemberger Weihbischofs Volodymyr Hruza, mit dem er seit langem freundschaftlich verbunden ist. Den Umständen entsprechend gehe es den Menschen "einigermaßen gut, jetzt ist es winterlich und kalt, aber wir gehen zuversichtlich in Richtung Frühling", schrieb Hruza. Nicht nur von großer Not, sondern auch von großer Dankbarkeit sei die Zeit geprägt, man sei dankbar "für das Gebet und jedes Zeichen der Solidarität. Und danke, Gott, dass wir als ukrainisches Volk noch existieren."
Aus Österreich hat es bisher viel an Hilfe gegeben, auch kirchlicherseits, wie Krautwaschl am Beispiel seiner Diözese Graz-Seckau darlegte. So wurden etwa über die VinziWerke tausende Hilfsgüter-Pakete in die Ukraine geliefert, mit Lebensmitteln, Winterkleidung, Schuhen, Geschirr, Küchengeräten, Medikamenten und weiteren Hilfen wie Musikinstrumente für hochbegabte Kinder oder Unterstützung einer Lemberger Musikschule. Das Grazer Welthaus hat schon seit über 20 Jahren Partner in der Ost- und Südwestukraine, über die Lebensmittel, Hygieneartikel, Medikamente, Kleidung und Heizmaterial gebracht und psychologische Hilfe unterstützt wurde.
Caritas: Hilfe vor Ort und für Geflüchtete
Besonders umfangreich ist die Caritas-Hilfe, die primär über die österreichische Dachorganisation abgewickelt wird. Die steirische Caritas unterstützte darüber hinaus 2022 ein Nothilfeprojekt rund um Lemberg, versorgte an die 2.000 Familien mit Lebensmitteln und Hygieneprodukten und vermittelte Sachspenden, zudem gibt es Hilfen für die rund 5.700 in der Steiermark gelandeten Vertriebenen aus der Ukraine, die meisten davon Minderjährige und Senioren über 60 Jahren. Caritas-Vizedirektor Thomas Ferk sprach in einer Aussendung von "Solidarität im Sinne der Menschlichkeit".
Verstärktes Augenmerk auch auf die "Unsicherheit" mancher nach Österreich geflüchteten Menschen aus der Ukraine forderte Georg Aichberger von der Abteilung Asyl und Integration der Caritas Steiermark. Die Vertriebenen richtete sich nun auf längere Verweildauer ein, weil sich die anfängliche Hoffnung auf baldige Rückkehr aufgelöst habe. Ihre Integration verlaufe überdurchschnittlich rasch, sie seien sehr zur Arbeit motiviert, teils allerdings behindert durch mangelnde Sprachkenntnisse und Betreuungspflichten. Deutschkurse außerhalb der Arbeitszeiten und ein verbessertes Kinderbetreuungsangebot wären hier zielführend, so der Appell der Caritas.
Sehr komme es darauf an, den Ukrainern "von Anfang an ein menschenwürdiges Dasein zu ermöglichen", so Caritas-Vizedirektor Ferk. Die Schließung des Übergangsquartiers für diese Gruppe sei ein "fataler Schritt in die falsche Richtung" gewesen. Ferk weiter: "Politik, die die ohnehin schwierige Lage geflüchteter Menschen erschwert und nicht auf ihre Bedürfnisse eingeht, hilft niemandem."
Infos: www.caritas.at/ukraine; VinziHerz: AT88 2081 5000 4552 3271; Welthaus: AT79 2081 5000 0191 3300, Verwendungszweck: Ukraine Nothilfe
Quelle: Kathpress