
Wien: 142 Erwachsene und Jugendliche zur Taufe zugelassen
142 Jugendliche und Erwachsene werden in den Wiener Pfarren heuer in der Osterzeit die Taufe empfangen. So viele Katechumenen (Taufbewerberinnen und Taufbewerber) waren am Donnerstagabend in der Wiener Michaelerkirche versammelt, um von Erzbischof Josef Grünwidl die Zulassung zum christlichen Initiationssakrament zu empfangen. Der Anstieg bei den Erwachsenentaufen hält damit an; mit rund 200 Taufen von Über-14-Jährigen rechnet die Erzdiözese Wien übers ganze Jahr 2026, österreichweit gehen die Verantwortlichen von rund 400 Erwachsenentaufen aus.
Die Täuflinge wurden bei der Feier von ihren Patinnen und Paten sowie den jeweiligen Gemeindepriestern begleitet. Zentrale Elemente der Feier waren neben Gebeten das Unterschreiben im Buch der Namen und die Begegnung mit Erzbischof Grünwidl. Dieser verglich in seiner Predigt die Taufe mit einem Lied, das Gott in den Menschen lege, als Begleitung im Leben mit seinen Freuden, Herausforderungen und Mühen: "Die Taufe ist wie Gottes Liebeslied, mit dem Gott zu euch sagt: Du bist mein geliebtes Kind. Es ist auch wie ein Wanderlied, das wir unterwegs singen, denn mit der Taufe beginnt ein neuer Weg, der bis zu unserem letzten Atemzug reicht. Und es ist ein Segenslied, das sagt: Du bist gesegnet und beschützt auf deinem Weg."

Unter den Neuzugelassenen bilden in Österreich Geborene die größte Gruppe, gefolgt von Katechumenen aus dem Iran, Deutschland und Kroatien sowie 21 weiteren Nationen aller Kontinente außer Australien. Der Altersschnitt liegt bei etwa 25 Jahren, der Männeranteil liegt über dem der Frauen. Knapp drei Viertel (106) stammen aus dem Wiener Stadtgebiet, die anderen aus niederösterreichischen Pfarren des Vikariats Süd der Erzdiözese, welches das Industrieviertel umschließt, und aus dem Weinviertel (Vikariat Nord).
Der Taufzulassung geht eine umfangreiche, einjährige Vorbereitung in den Pfarren voraus. Dabei wird ein grundlegendes Glaubenswissen vermittelt, "von Bibel, dem Leben Jesu über Kirchenjahr und Gebet bis hin zu ethischen Fragen wie die Zehn Gebote", erklärte Daniel Vychytil, Katechumenats-Zuständiger der Erzdiözese und auch bei der Österreichischen Bischofskonferenz, gegenüber Kathpress. Aber auch schwierige Themen wie die Trinität würden offen angesprochen, es werde stets von Fragen der Katechumenen ausgegangen. Zentral ist auch das Mitfeiern und die Teilnahme an Gottesdiensten mit der Gemeinde vor Ort.

Auch wenn in der katholischen Kirche die Säuglingstaufe weiterhin mit Abstand die häufigste Form der Taufe darstellt, so hat in den vergangenen 15 Jahren die Zahl der Erwachsenentaufen beständig zugenommen. Dieser Trend zeichnet sich ist in vielen westeuropäischen Ländern ab, besonders in Frankreich und Belgien, etwas abgeschwächt auch in Österreich und Deutschland.
Den Anstieg ordnete Vychytil in einen größeren Zusammenhang ein. "Die Säkularisierung schreitet weiter voran. Viele suchen Ordnung, Halt und Sinn in einer Welt, die immer unübersichtlicher wird, wobei manchen die Kirche als stabile Größe erscheint". Was dann den Ausschlag gibt, um die Taufe zu verlangen, sei ganz unterschiedlich: Ein im Glauben verwurzelter christlicher Partner, die Geburt eines Kindes oder fallweise die Anfrage nach einer Patenschaft etwa, teils auch der Religionsunterricht und immer wieder auch eine direkte Gotteserfahrung. Auch wenn es noch kein "Gegentrend" zur Säkularisierung sei, könne man davon ausgehen, dass sich die Entwicklung fortsetzen werde, so Vychytil.
Auch in mehreren anderen österreichischen Diözesen gibt es in den kommenden Tagen zentrale Taufzulassungen, oftmals mit den jeweiligen Bischöfen. In Wien ist aufgrund der großen Zahl von Bewerberinnen und Bewerbern ein weiterer Taufzulassungstermin im Herbst üblich.
Quelle: Kathpress