
Iran-Krieg lähmt öffentliches und religiöses Leben in Israel
Der Iran-Krieg bringt das öffentliche Leben in weiten Teilen des Nahen Ostens zum Erliegen. Seit Samstag gilt in Israel der Ausnahmezustand: Geschäfte und Arbeitsplätze sind geschlossen, ebenfalls alle Schulen. Es besteht ein Versammlungsverbot. Mehrmals am Tag und in der Nacht schicken Alarmsirenen die Bürger in Schutzräume und Bunker.
Das Versammlungsverbot gilt auch für religiöse Feiern - und lähmt somit auch das religiöse Leben, gerade in der Heiligen Stadt Jerusalem. Schon am ersten Kriegstag verfügten die Behörden die Schließung aller heiligen Stätten, Pilgerorte und Gebetshäuser - zumindest bis nächsten Samstagabend. Das gilt für Kirchen, Kapellen und christliche Gedenkstätten ebenso wie für Synagogen und Moscheen.
Es betrifft auch die beiden großen heiligen Bereiche Jerusalems: die Klagemauer und den Tempelberg mit Felsendom und Al-Aqsa-Moschee. Die Polizei greift durch. Die deutsche Benediktiner-Abtei Dormitio auf dem Zionsberg hatte zunächst ihre Kirche über dem Ort der Entschlafung Mariens für Pilger offen gehalten. Doch als Ordnungshüter freundlich, aber entschieden zur Beachtung geltender Regeln mahnten, fügten sich die Mönche und blieben traurig zurück.
Sensibler Moment
Das Verbot trifft die Gläubigen der drei großen Religionen in einem besonders sensiblen Moment: Muslime können im Fastenmonat Ramadan ihre Gebete nicht mehr auf dem Plateau des Tempelbergs abhalten. Für Juden sind die Zugänge zur Klagemauer von allen Seiten mit Gittern und dicken Ketten versperrt - ausgerechnet zum Purim-Fest, bei dem sie an die wundersame Rettung im antiken Perserreich erinnern. Ein Gedenken, das gerade im aktuellen Konflikt mit dem Iran zu manchen Parallelen anregte.
Für Christen, deren Fastenzeit am Aschermittwoch gleichzeitig mit dem muslimischen Ramadan begann, sind manche Bräuche und Liturgien zunächst ausgesetzt: Kreuzwegandachten, Fastenpredigten und Fastenimpulse. Allerdings kann die Kriegslage auch überraschende Begegnungen schaffen. Etwa wenn bei Alarm im kleinen Schutzraum der Dormitio christliche Studierende gemeinsam mit muslimischen und jüdischen Gästen auf Entwarnung warten.
Eine Ausnahme gilt für die Grabeskirche. Dort können Katholiken, Griechen und Armenier nach den Regeln des mehr als 150 Jahre alten Status quo weiter ihre Liturgien feiern - hinter verschlossenen Türen und ohne Gemeinden.
Christliche Schulen betroffen
Empfindlich trifft das Verbot indes die christlichen Schulen im Heiligen Land. Als der Krieg begann, mussten Eltern der deutschen Schmidt-Schule am Damaskus-Tor, die auch samstags Unterricht erteilt, sofort ihre Kinder abholen. Die Schultore wurden geschlossen. In Sachen Online-Unterricht sind die Lehrer uneins. Er mag für ältere Schüler sinnvoll sein; aber sechs Stunden online für Kinder seien utopisch, meinen Lehrer.
Während die Konfliktfolgen für den Schulbetrieb überschaubar sind, bleiben sie für das Pilgergeschäft im Heiligen Land verheerend. Nach dem Fernbleiben ausländischer Besucher infolge des 7. Oktober 2023 hatte sich zuletzt ein Wiederaufschwung abgezeichnet. Für Ostern freuten sich Reiseleiter und die christlichen Gästehäuser, darunter das Österreichische Pilger-Hospiz in der Jerusalemer Altstadt, wieder über ausgebuchte Zimmer und rege Beschäftigung. Immerhin leben 70 Prozent der einheimischen Christen vom Pilgertourismus. Nun herrscht in der Branche wieder große Verunsicherung.
Erhoffter Pilger-Aufschwung bleibt aus
Auch das Christian Information Center am Jaffa-Tor verzeichnete für die ersten Wochen des Jahres mehr Nachfragen für Pilgergottesdienste als im ganzen Jahr 2024. Aber schon mit den ersten Krisenmeldungen setzten erneut Stornierungen ein. Mit dem Kriegsausbruch wurde der erhoffte Aufschwung nahezu vollständig erstickt.
"Wir hatten uns so auf unsere Gäste gefreut, alle 92 Zimmer waren für Ostern gebucht, das hatten wir seit zweieinhalb Jahren nicht mehr erlebt", sagte Pater Ibrahim Faltas über die "Casa Nova", das Franziskaner-Gästehaus in der Jerusalemer Altstadt. Jetzt sei alles storniert, die aktuellen Gäste aus Rumänien und Spanien seien über Ägypten ausgereist. "Nun sind wir schlechter dran als vorher", klagte Faltas. Er fügte hinzu: "Hoffen wir, dass dieser Krieg bald endet, denn die Menschen können es wirklich nicht mehr ertragen."
Quelle: kathpress