
Van der Bellen hat hohe Erwartungen an Papst Leo XIV.
Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat sich nach seiner Audienz bei Papst Leo XIV. im Vatikan am Donnerstag tief beeindruckt gezeigt. "Mit diesem Papst wurde eine sehr, sehr gute Wahl getroffen", so Van der Bellen nach dem Treffen vor Journalisten in Rom. In dem Gespräch, das länger gedauert habe als geplant, habe er den Eindruck gewonnen, dass dieser Papst sich nicht nur als Oberhaupt der katholischen Kirche, sondern als Sprachrohr der christlichen Botschaft für die Menschheit sehe, berichtete der Bundespräsident.
Im Fokus der Begegnung stand unter anderem die Situation im Nahen Osten, im Iran und in den arabischen Golfländern, sowie der Ukraine-Krieg. Leo sei ein "Mensch des Friedens" und trete mit voller Überzeugung für die Werte des Neuen Testaments ein. Er sei zuversichtlich, dass es dem Papst gelingen werde, die Botschaft der Hoffnung und des Friedens den Menschen nahezubringen, erklärte Van der Bellen, der selbst evangelischer Christ ist.
Große Erwartungen knüpfte Österreichs Staatsoberhaupt an die noch ausstehende erste Enzyklika von Leo XIV. Van der Bellen erinnerte daran, dass Leos Vorgänger Franziskus mit den Enzykliken "Laudato sì" (2015) und "Fratelli tutti" (2020) viele Menschen bewegt habe.
Papst nach Österreich eingeladen
Weiter erklärte Van der Bellen: "Ich habe mich bemüht, den Papst aufs Wärmste nach Österreich einzuladen." Er könne sich aber vorstellen, wie dicht gefüllt dessen Terminkalender jetzt schon sei und dass ein solcher Besuch nicht in naher Zukunft möglich sei. Er hoffe aber, dass er es noch als Bundespräsident erleben werde, dass der Papst nach Österreich kommt. Die Amtszeit Van der Bellens als Bundespräsident endet im Jänner 2029.
Migration, Dialog der Religionen, Konflikte
Nach der Privataudienz beim Papst war der Bundespräsident auch mit dem vatikanischen Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin und dem päpstlichen "Außenminister" Erzbischof Paul Richard Gallagher zusammengetroffen. Zur österreichischen Delegation gehörten u.a. Van der Bellens Frau Doris Schmidauer, Kultusministerin Claudia Bauer (ÖVP) und Verkehrsminister Peter Hanke (SPÖ) sowie die Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung, Angelika Ritter-Grepl.
Im Rahmen der "freundschaftlichen Gespräche" im Staatssekretariat seien die guten Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und Österreich gewürdigt worden, hieß es in der offiziellen Vatikan-Mitteilung zum Besuch Van der Bellens. Weiter sei der positive Beitrag der katholischen Kirche zum Wohl der Gesellschaft hervorgehoben worden. Neben den Themen Migration und den Beziehungen zwischen den Religionen sei es auch um die aktuellen Konfliktsituationen in der Welt gegangen. Dabei sei dem Wunsch nach einer stärkeren Rolle der internationalen Gemeinschaft bei der Suche nach friedlichen Lösungen Ausdruck gegeben worden.
Gnadenstatue und Spende für "Papst-Diözese" in Peru
Für Van der Bellen war es nach den offiziellen Begegnungen mit Papst Franziskus in den Jahren 2017 und 2021 die dritte Papstaudienz und gleichzeitig das erste Treffen mit dem seit zehn Monaten amtierenden Kirchenoberhaupt Leo. Als Geschenke für den Papst überreichte die Delegation eine Kopie der Mariazeller Gnadenstatue, ein Hufeisen der Lipizzaner-Pferde und eine Spende für Sozialzwecke für die Diözese Chiclayo in Peru, die Leo XIV. vor seinem Wechsel nach Rom als Bischof leitete.
Im Anschluss an die diplomatischen Gespräche im Apostolischen Palast besuchte der Bundespräsident den Petersdom und das Petrusgrab. In der Reihe der österreichischen Bundespräsidenten ist Van der Bellen nun der bisher einzige, der den Vatikan in seiner Amtszeit drei Mal für eine Privataudienz beim Papst besucht hat. Vorgänger Heinz Fischer war in den Jahren 2006 und 2014 in offizieller Mission zum Sitz des Bischofs von Rom gereist, die Bundespräsidenten Thomas Klestil (1994), Kurt Waldheim (1987) und Franz Jonas (1971) jeweils ein Mal.
Ausstellungseröffnung am Vorabend
Aus der Präsidentschaftskanzlei in Wien hatte es schon im Vorfeld geheißen, dass u.a. die Situation im Nahen Osten im Zentrum des Gesprächs Van der Bellens mit dem Papst stehen werde. "Ich bin selber nicht katholisch, sondern protestantisch, aber ich schätze die Rolle des Papstes sehr", sagte der Bundespräsident selbst noch am Mittwochabend vor Journalisten in Rom. Päpste seien stets um Frieden in der Welt bemüht und würden nicht umsonst als Brückenbauer bezeichnet.
Van der Bellen hält sich für zwei Tage in Rom auf. Am Mittwochabend hatte er gemeinsam mit seinem italienischen Amtskollegen Sergio Mattarella die Ausstellung "Von Wien nach Rom. Meisterwerke der Habsburger aus dem Kunsthistorischen Museum" eröffnet. Bei der Schau im Museo del Corso werden nach Angaben der Veranstalter erstmals in Italien mehr als 50 Meisterwerke aus den Sammlungen des Wiener Museums präsentiert.
Quelle: kathpress